Prozess

Tochter niedergestochen - Mann zu vier Jahren verurteilt

Der Vater stach im Supermarkt in Neukölln seine Tochter nieder, weil sie mit anderen Männern sprach.

Das Landgericht und die Staatsanwaltschaft in Berlin.

Das Landgericht und die Staatsanwaltschaft in Berlin.

Foto: dpa

Berlin.  Nach einer lebensgefährlichen Messerattacke auf seine Tochter aus "verletzter Ehre" ist ein 75-jähriger Rentner zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Berliner Landgericht sprach den aus der Türkei stammenden Vater am Mittwoch des versuchten Totschlags schuldig. Er hatte seine 47-jährige Tochter im April 2018 auf ihrer Arbeitsstelle in einem Einkaufszentrum im Stadtteil Neukölln schwer verletzt. Es habe sich um eine Spontantat gehandelt, bei der der Vater vermindert schuldfähig gewesen sei, begründeten die Richter am Mittwoch. Die Frau wurde lebensgefährlich verletzt.

Vater beobachtete, wie die Frau mit anderen Männern sprach

In den Wochen vor der Tat habe der Angeklagte seine Tochter mehrmals vor der Schule ihres Kindes im Gespräch mit anderen Männern beobachtet und sich in den Gedanken hineingesteigert, sie benehme sich unsittlich, hieß es weiter im Urteil. Er habe "Dinge gesehen, die objektiv nicht da waren" und sich in der Ehre gekränkt gefühlt. Ein Gutachter habe eine wahnhafte Störung festgestellt. Diese habe das Wertesystem des nicht vorbestraften Angeklagten beeinträchtigt.

Der Vater hatte gestanden und erklärt, er habe damals die Kontrolle über sich verloren und seiner Tochter ein Messer in den Bauch gestochen. Er habe sie eigentlich zur Rede stellen wollen. Der Senior lebt seit rund 45 Jahren in Deutschland und hat keine Vorstrafen. Die Staatsanwaltschaft hatte acht Jahre Haft wegen versuchten Mordes gefordert, die Verteidigung eine Strafe von maximal drei Jahren wegen versuchten Totschlags. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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