Lernen mal anders

Unterricht im Kinosaal

15. SchulKinoWochen Berlin haben eröffnet. Eröffnungsfilm musste in Schleswig-Holstein zuvor wegen Drohungen abgesagt werden.

Unterricht im Kinosaal bei den SchulKinoWochen Berlin.

Unterricht im Kinosaal bei den SchulKinoWochen Berlin.

Foto: Nina Kunz

Berlin. Am Freitag haben die 15. SchulKinoWochen Berlin begonnen. Zwischen dem 16. und dem 30. November werden sich rund 25.000 Schüler in rund 40 Kinos in der ganzen Stadt Kinofilme ansehen und darüber diskutieren. In der Unterrichtszeit.

Eröffnet wurden die diesjährigen SchulKinoWochen im Kino "Passage" in Neukölln. Gezeigt wurde der Dokumentarfilm "Wildes Herz" von Charly Hübner und Sebastian Schultz. Im Film wird die Geschichte der umstrittenen Punkband "Feine Sahne Fischfilet" - insbesondere von Sänger Jan "Monchi" Gorkow - und ihr Engagement gegen Rechtsextremismus erzählt. Im Mittelpunkt steht die Tour der Band, die sie vor den Landtagswahlen 2016 in Mecklenburg-Vorpommern organisiert hatte um gegen die AfD zu mobilisieren. Drei Jahre lang, so berichteten es die beiden Regisseure, die bei der Filmvorführung dabei waren und im Anschluss den rund 155 Schülern Rede und Antwort standen, hätten die Dreharbeiten gedauert.

Dokumentarfilm über Band "Feine Sahne Fischfilet" eröffnet Festival

Zeit, die Hübner und Schultz mit der Band, die mehrere Jahre lang vom Verfassungsschutz wegen angeblicher Verbindungen in die linksextreme Szene beobachtet wurde, in Mecklenburg-Vorpommern verbrachten. Und dort konnten sie die politische Lage beobachten. "Die NDP findet dort kaum mehr statt", erklärt Hübner einem Schüler. "Die AfD ist dafür dort jetzt sehr präsent."

"Wildes Herz" sollte eigentlich auch bei den SchulKinoWochen in Schleswig-Holstein (26.-30. November) gezeigt werden. Nach einer anonymen Drohung per E-Mail war die Vorführung jedoch abgesagt worden. "Es gab Sicherheitsbedenken", hatte ein Polizeisprecher in Lübeck gesagt. In dem Drohbrief, aus dem die „tageszeitung“ zitierte, kündigten die „Enkel von Adolf Hitler“ an, die Lehrer, die „Volksverräter“, zu erschießen sowie das Kino in die Luft zu jagen. Nach Gesprächen mit der Polizei habe das Kino die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen abgesagt, heißt es aus Schleswig-Holsteins Bildungsministerium.

"Ich bin selbst in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen und kennen die Nazi-Szene", sagte Hübner bei der anschließenden Fragerund. Die Drohungen hätten ihn daher nicht per se überrschat. "Nur dass sie so spät kommen. Eigentlich hätte ich schon bei der Filmpremiere im April damit gerechnet."

Größtes Filmbildungsprojekt Berlins

Die SchulKinoWochen Berlin sind das größte Filmbildungsprojekt des Landes: mehr als 50 Filme werden in rund 300 Filmvorführungen gezeigt. Und über alle Altersklassen hinweg: von Grundschülern über Sekundarschule und Gymnasien bis hin zu Berufsschulen und Lerngruppen Berufsbildender Einrichtungen. Dabei wird es nach insgesamt rund 50 Filmen Gespräche mit anwesenden Schauspielern, Regisseuren, Produzenten oder Drehbuchautoren geben.

Derzeit gibt es noch Restkarten für ausgewählte Vorstellungen. Bis jeweils zwei Tage vor Vorstellungsbeginn können sich interessierte Berliner Schulklassen noch anmelden. Die Kinobesuche im Rahmen der SchulKinoWochen sind als Unterrichtszeit anerkannt. Eintritt: 3,50 € pro Schüler.

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