Komische Oper

Wenn die Musik in die Schule kommt

Ein ganz besonderer Besuch für die Kleinen: Die Komische Oper spielt vor Schülern der Regenbogen Grundschule in Neukölln.

Bär Ben (Jens Larsen) und Hahn Henry (Mirka Wagner, M.) im Klassenraum.

Bär Ben (Jens Larsen) und Hahn Henry (Mirka Wagner, M.) im Klassenraum.

Foto: Iris Janke / Iris janke

Neukölln. Für Drittklässler ungewöhnlich ruhig sitzen die Schüler der Regenbogen Grundschule Neukölln auf dem Boden ihres Klassenzimmers. Sie beobachten Ben, den Berliner Bär, beim Schlafen. Bei jedem Schnarcher zucken die Kinder zusammen und kichern nervös. Ben, der Bär, wird gespielt von Jens Larsen, Kammersänger an der Komischen Oper Berlin. Gemeinsam mit Sopranistin Mirka Wagner und vier weiteren Musikern tritt er zum ersten Mal mit dem neuen Musiktheaterstück für Kinder der Komischen Oper Berlin vor Grundschülern auf.

2014 rief das kleinste der drei Berliner Opernhäuser das interkulturelle Kinderprojekt „Operndolmuş“ ins Leben. Dolmuş ist die türkische Bezeichnung für Sammeltaxi – die Opernsänger sollen Geschichten in verschiedene Kulturkreise in ganz Berlin bringen, in Schulen, Begegnungsstätten, Vereine oder Stadtteiltreffs. Fernab vom Opernhaus.

Das neueste Stück „Ben und Henry“ hatte am Mittwoch Premiere in Neukölln. Die reisende Oper soll einmal pro Monat an jeweils einer anderen Berliner Grundschule haltmachen. In 45 Minuten sollen Kinder so mit dem oft noch unbekannten Thema Oper in Berührung kommen. Gleichzeitig befasst sich die Kammeroper aber auch mit Themen, die für Kinder wichtig sind: Freundschaft, Akzeptanz, Ausgrenzung. Und der Frage: Wie können wir zusammen leben, obwohl wir so unterschiedlich sind?

Das Stück greift Themen auf, die Kinder beschäftigen

Denn auf den gemütlichen Berliner Bär Ben trifft der quirlige Neu-Berliner Hahn Henry. Der sucht im Kiez einen Ort zum Wohnen. Das passt Ben aber gar nicht, der will sein Berlin nicht mit Fremden teilen. „Ick lebe hier! Hier ist nur Platz für mich“, singt er. Und Henry zieht mit geknickten Federn von dannen – unter lauten Protestrufen der Grundschüler. „Berlin ist groß genug“, rufen die Drittklässler. Und so holt Ben Henry zurück, und die beiden bemerken, dass sie eigentlich gar nicht so verschieden sind.

„Freundschaft und Anderssein sind große Themen für unsere Schüler“, sagt Lehrerin Birgit Schaffarczyk. Seit 2000 unterrichtet sie an der Neuköllner Regenbogen Grundschule und besucht mit ihren Schülern regelmäßig Aufführungen der Komischen Oper. Schaffarczyk sagt aber auch: „Die Kinder im Kiez sind verschiedene Nationalitäten gewöhnt. Ausgrenzung findet kaum statt bei uns.“ Wenn es aber trotzdem mal vorkommt, gibt es verschiedene Spiele, Bücher oder Gesprächstechniken, mit denen man diese Probleme lösen könne, sagt die Lehrerin.

Die Regisseurin des Stücks, Anisha Bondy, erklärt, dass man mit „Ben und Henry“ Themen ansprechen wollte, die Kinder auch bewegen. „Es ist toll zu sehen, wie die Kids hier mitgemacht und mitdiskutiert haben – schon während der Aufführung.“ Für den Rest des Jahres sind noch zwei weitere Auftritte mit dem Operndolmuş geplant. Aber schon jetzt können sich Schulen dafür bewerben, dass „Ben und Henry“ auch bei ihnen gezeigt wird. „Wir möchten vor allem Schulen erreichen, an denen sonst die Kinder wahrscheinlich eher keinen Kontakt zur Oper haben“, sagt Bondy. „Ich bin also gespannt, wo die Reise hingeht.“

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