Kleine Entdeckungen

Flanieren und Verschnaufen mitten in Neukölln

Vom Prachtboulevard zum gemütlichen Spazierweg: Die Schillerpromenade ist die zentrale Straße des Schillerkiezes

Schillerpromenade: eine kleine Oase in Neukölln

Schillerpromenade: eine kleine Oase in Neukölln

Foto: Blisse

Berlin. Der Französischunterricht in der Schule liegt eine ganze Weile zurück. Manche Wörter aber hat man noch parat, etwa „se promener“ für spazieren gehen. Da liegt dann die Erklärung für eine Promenade auch nicht weit, ein Spazierweg. Der hat wenig mit Hektik zu tun, vielmehr mit Flanieren und Lustwandeln.

Die Schillerpromenade in Neukölln ist ein Paradebeispiel eines großzügig angelegten und von einem Grünstreifen oder Bäumen gesäumten Fußgängerweges. Nur die Funktion des „Sehens und Gesehenwerdens“ mag heutzutage nicht mehr bei allen Promenaden gegeben sein. Bei Strandpromenaden in Badeorten sicherlich. Die Schillerpromenade aber ist heutzutage neben ihrer Funktion als zentrale Straße des Schillerkiezes vielmehr ein gemütlicher Spazierweg. Zum Verschnaufen stehen Sitzbänke bereit. Angelegt wurde sie jedoch um 1900 als Prachtboulevard in dem vom damaligen Bürgermeister Hermann Boddin ebenfalls neu erschaffenen „Wohnquartier für Besserverdienende“. Auf einer Breite von 50 Metern und mit zahlreichen Platanen bestückt.

Die historische Bausubstanz ist geschützt

Der Baumbestand hat sich längst verringert, nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele Bäume gefällt und als Heizmaterial verwendet. Ansonsten jedoch blieb die Promenade weitgehend von Kriegszerstörungen verschont. Die historische Bausubstanz an der Schillerpromenade ist seit 1996 besonders geschützt. Die Straßen auf der linken und rechten Seite des Fußgängern vorbehaltenen Mittelstreifens sind einspurige Einbahnstraßen mit Parkhäfen. Etwa 460 Meter lang, gehört im nördlichen Bereich auch der Herrfurthplatz mit der von Franz Schwechten im neogotischen Stil entworfenen und 1905 eingeweihten Genezarethkirche dazu; im südlichen Teil ist ein Spielplatz.

Der Platz ist vor allem sonnabends beliebt, wenn der kleine, auf Bio- und regionale Produkte setzende Schillermarkt stattfindet. So wird die Markttradition fortgesetzt. 1910 wurde um den Platz und entlang der Promenade ein Wochenmarkt initiiert, auf dem Mitte des 20. Jahrhunderts bis zu 250 Stände zu finden waren. Weil die Kundschaft jedoch ausblieb, wurde er Anfang der 90er-Jahre aufgegeben. 2009 wurde der Schillermarkt eröffnet. Es lässt sich gemütlich wie einst um den Platz und entlang der Promenade flanieren.

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