Abfall in Berlin

Bezirke machen unterschiedliche Erfahrungen mit Müllsheriffs

Berlin plant eine Offensive gegen Müllsünder. Der Bezirk Neukölln hat offenbar gute Erfahrungen gemacht. In Mitte sieht das anders aus.

Leider ein vertrautes Bild: Unrat in Neukölln

Leider ein vertrautes Bild: Unrat in Neukölln

Foto: Katrin Lange

Berlin. Illegal abgelagerter Sperrmüll wird in Berlin zunehmend über das Internet gemeldet. Im vergangenen Jahr seien aus elf Bezirken 57.341 Meldungen über Sperrmüll beim Portal Ordnungsamt-Online eingegangen, teilte die Innenverwaltung auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Einträge kommen etwa durch Bürger zustande, die sich an ausrangierten Möbeln oder Müllsäcken am Straßenrand stören. Aber auch Mitarbeiter der Ordnungsämter dokumentieren Fälle auf diesem Weg.

Damit gingen 2017 so viele Meldungen zum Müll ein wie noch nie seit der Einführung des Online-Portals im Jahr 2015. Je aus acht Bezirken waren 2015 rund 7250 und 2016 rund 25 800 Meldungen zu Sperrmüll gezählt worden. Der aktuelle sprunghafte Anstieg ist damit zumindest teilweise durch einen Zuwachs der Bezirke begründet, in denen diese Online-Meldungen möglich waren.

Die Beseitigung illegalen Mülls kostete das Land laut Stadtreinigung BSR zuletzt im Schnitt vier Millionen Euro pro Jahr. Genaue Zahlen für das vergangene Jahr lagen zunächst nicht vor. Auch gebe es keine Daten zu der Frage, ob es im Jahresverlauf Schwankungen beim Müllaufkommen und dem Aufwand für die Beseitigung gibt, sagte ein BSR-Sprecher.

Berlin plant eine Offensive gegen Müllsünder - mit 100 zusätzlichen Mitarbeitern für Ordnungsämter, wie mehrere Medien im Dezember übereinstimmend berichteten. Details zu dem Vorhaben nannte die Umweltverwaltung auf Anfrage der Deutschen-Presse Agentur nicht - es werde noch geprüft, wie und wann das Konzept der sogenannten Waste Watcher (wörtlich etwa: Müll-Aufpasser) umgesetzt werden kann. Vorbild dabei sind Müllsheriffs der Stadt Wien - sie achten darauf, dass niemand Straßen und Parks verschmutzt.

In Berlin hat der Bezirk Neukölln seit dem Frühjahr 2017 Erfahrung mit Müllsheriffs - und zwar durchaus gute, wie eine Sprecherin von Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) sagte. Die festgesetzten Bußgelder wegen Verstößen gegen das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz seien nun um ein Vielfaches höher. Auch wenn sich den Angaben zufolge noch 4 von 28 Verfahren aus dem Jahr 2017 im Einspruchsverfahren befinden, sprechen die Zahlen für sich: Nach gut 1000 Euro an festgesetzten Bußgeldern im gesamten Jahr 2016 stieg der Wert 2017 auf rund 7000 Euro.

Müllsünder sollen auf frischer Tat ertappt werden

In dem Bezirk waren mehrmals pro Woche zwei Zweierteams externer Firmen in Zivilkleidung im Einsatz, um gegen Müllablagerungen vorzugehen. Dass Täter "objektiv nachweisbar festgestellt" werden können, also zum Beispiel auf frischer Tat ertappt werden, ist den Angaben nach besonders wichtig, um Verstöße auch tatsächlich mit Bußgeldern zu belegen. Zudem hofft man in Neukölln auf einen Abschreckungseffekt.

Zu den Ablagerungen komme es tags wie nachts, so die Sprecherin. In manchen Fällen werde der Müll aus fahrenden Familienkutschen oder Sprintern geworfen - dabei nimmt die BSR zum Beispiel kleinere Mengen Sperrmüll auf Recyclinghöfen kostenlos an. Auch gewerbliche Täter werden vermutet, die sich die Kosten für die ordnungsgemäße Entsorgung bestimmter Stoffe sparen wollen.

Bezirk Mitte stellt Test mit "Waste Watchers" wieder ein

Aktuell müssen die Neuköllner Sheriffs allerdings pausieren - die Aufgabe habe neu ausgeschrieben werden müssen, sagte die Sprecherin. In einigen Wochen sollen sie aber wieder im Einsatz sein. Der Bezirk will die Zeit bis zum Start der Waste Watcher aus dem Berliner Aktionsprogramm nicht ungenutzt lassen.

Weniger gute Erfahrungen mit seinen Müllsheriffs hat offenbar der Bezirk Mitte gemacht. Wie der "Tagesspiegel" berichtet, soll der Text mit den "Waste Watchers" wieder eingestellt werden. Grund: Die beiden Mitarbeiter hätten in den drei Monaten ihrer Arbeit keinen Verursacher von wilden Müllablagerungen ermitteln können.

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