Berlin

Neuköllner Moscheeverein erwartet Millionenspende aus Kuwait

Ein Berliner Moscheeverein erwartet eine Millionenspende aus Kuwait und entfacht damit eine heftige Debatte im Bezirk.

Die Dar As-Salam-Moschee in Neukölln

Die Dar As-Salam-Moschee in Neukölln

Foto: Frank Lehmann

Die Debatte über den Umgang mit Moscheen, die der islamistischen Szene nahestehen, flammt neu auf: Der Berliner Moscheeverein "Neuköllner Begegnungsstätte", zu dem die umstrittene Neuköllner Dar-as-Salam-Moschee gehört, erwartet laut einer Recherche des RBB eine Spende in Millionenhöhe – von einer Religionsstiftung in Kuwait. Das Geld solle für den Ausbau der Moschee genutzt werden, die wegen Verbindungen zur islamistischen Muslimbruderschaft seit Jahren unter Beobachtung des Verfassungsschutzes steht. Eine Sprecherin der Moschee dementierte zwar, dass man eine Spende erwarte, räumte aber ein, dass erste Gespräche darüber stattgefunden hätten.

In Sicherheitskreisen gelten Spenden aus Golfstaaten wie Kuwait als problematisch, da die Geldgeber in der Regel den konservativen und politischen Islam unterstützen, wie er in diesen Staaten praktiziert wird. In Berlin wird seit Langem über den Umgang mit Moscheen diskutiert, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Die einen argumentieren, auch diese Einrichtungen könnten Partner für erfolgreiche Integration sein. Andere halten die Gebetshäuser für Stätten, in denen sich vor allem junge Moslems radikalisieren. Der Berliner Islamwissenschaftler Jochen Müller stellt dahingehend fest: "Für viele Jugendliche ist der Bezug zur Religion ein wichtiger Aspekt in ihren Suchprozessen nach Identität und Zugehörigkeit." Moscheen und andere religiöse Einrichtungen könnten ein wichtiger Partner sein, um Angebote für solche Jugendlichen zu schaffen.

Neukölner Bezirksamt arbeitete mit verschiedenen Moscheen zusammen

Ein ähnliches Verständnis von der Rolle von Moscheen in ihrem Bezirk hat, so scheint es, Neuköllns Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD). Sie gilt als pragmatisch, wenn es um den Islam geht: Für eine Broschüre, die Ende Mai in den Neuköllner Schulen verteilt wurde, um Lehrer wie Schüler darüber zu informieren, wie religiöse und schulische Pflichten im Fastenmonat Ramadan besser miteinander zu vereinbaren seien, arbeitete das Neuköllner Bezirksamt nun mit verschiedenen Moscheen zusammen. Eine schriftliche Anfrage der fraktionslosen Abgeordneten Anne Zielisch in der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung ergab, dass sich unter diesen auch die Dar-as-Salam-Moschee befindet sowie das Islamische Kultur und Erziehungszentrum Berlin (IKEZ), welches ebenfalls im Verfassungsschutzbericht auftaucht, der vergangene Woche veröffentlicht wurde.

In ihrer Antwort auf die schriftliche Anfrage begründete die Bezirksbürgermeisterin ihre Zusammenarbeit mit den Moscheen und fand deutliche Worte: "Es gibt in Neukölln keine arabische Moschee, die sich nicht im Fokus der Polizei und der Organe des Staatsschutzes befindet", schrieb die 39-Jährige. Eine Broschüre, die sich an Neuköllner Familien richte, die arabischer Abstammung seien, habe ohne die Mitwirkung der Moscheen keinen Wert. "Sie würde nicht ernst genommen", so die Bürgermeisterin weiter. Viele andere kontaktierte Moscheen hätten sich gar nicht erst auf eine Zusammenarbeit eingelassen. Die Erwähnung der Dar-as-Salam-Moschee und des IKEZ im Verfassungsschutzbericht, so Giffey, verbiete ihr keine Zusammenarbeit, wenn es darum gehe "gemeinsam für den Erhalt des sozialen Friedens zu streiten".

Allein zu den Freitagsgebeten kommen je 1000 Besucher

Der stellvertretende Neuköllner Bürgermeister, Falko Liecke (CDU), hat dafür kein Verständnis. "Es macht mich wütend und fassungslos, wenn solche Moscheen und Sympathisanten politische Unterstützung erhalten", sagte Liecke. Er halte es für einen Fehler, wenn Politiker aus dem Bezirk solche Einrichtungen mit Besuchen oder einer Zusammenarbeit aufwerten würden. Dadurch würde der Eindruck erweckt, man könne mit Extremisten darüber verhandeln, wie der Schulalltag in Deutschland auszusehen habe. "Die Begründung, es gäbe sonst keine Moscheen, mit denen man zusammenarbeiten könne, ist ein Offenbarungseid", sagte Liecke. Über die Berichte, dass eine Millionenspende aus Kuwait erfolgen solle, zeigte er sich entsetzt: "Eine finanzielle Unterstützung aus dem Ausland für diese unter Extremismusverdacht stehende Moschee ist das Letzte, was ich will."

Konfrontiert mit der Kritik, äußerte sich Bezirksbürgermeisterin Giffey gegenüber der Morgenpost: Jede der Moscheen würde allein zu den Freitagsgebeten jeweils 1000 Besucher zählen und so mehrere Tausend Neuköllner erreichen. "Der Einfluss der Imame ist groß", erklärte sie. "Nur wenn wir mit ihnen im Kontakt sind, können wir erfahren, wie sie arbeiten und welche Ziele sie haben." Mit der Broschüre, die zwölf Hinweise zum Umgang mit dem Fasten enthielt, hätte sie den Teil der arabischstämmigen Neuköllner erreichen wollen, der über wenig Bildung verfüge und dem Staat misstrauisch gegenüberstehe. "Uns fehlen die arabischstämmigen Lehrkräfte, Psychologen, Erzieher und Sozialarbeiter, die in der Schule präsent sind", sagte Giffey. Deswegen müsse man die Moscheen als Vermittler nutzen.

Für Islamforscher Müller ist das Dilemma, in dem sich politisch Verantwortliche befinden, nachvollziehbar. "Zumindest punktuell sollte eine Zusammenarbeit mit Moscheen, die ja aus verschiedenen Gründen beobachtet werden, aber möglich sein oder sogar gesucht werden", sagte er. Man müsse allerdings von Fall zu Fall entscheiden. Grundsätzlich gelte für ihn, dass diese Moscheen einzubeziehen seien, wo sie zur Lösung gesellschaftlicher Konflikte beitragen könnten. Müller: "Das ist beim Umgang mit dem Ramadan in der Schule sicher der Fall."

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