Goldmünzen-Diebstahl

Polizei: „Wir gehen davon aus, dass wir keine Teile finden"

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Polizei fahndet mit Video nach Münzräubern

Polizei fahndet mit Video nach Münzräubern vom Bode-Museum

Die Berliner Polizei fahndet jetzt mit einem Video nach den Münzräubern. Überwachungskameras filmten die Täter am S-Bahnhof Hackescher Markt. Von dort aus gelangten sie über die Bahngleise zum Bode-Museum.

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Nach dem Diebstahl sind jetzt vier Personen verhaftet worden, darunter ein Ex-Wachmann des Bode-Museums. Die Münze ist wohl verloren.

Bei der Razzia gegen mutmaßliche Beteiligte an dem Diebstahl der 100-Kilo-Goldmünze aus dem Bode-Museum sind am Mittwochmorgen insgesamt vier Personen verhaftet worden. Das teilte Oberstaatsanwältin Martina Lamb auf einer Pressekonferenz am Nachmittag mit. Bei den Personen soll es sich sämtlich um Heranwachsende im Alter von 18 bis 20 Jahren handeln.

Gegen neun weitere Verdächtige werde ermittelt. Fast alle Personen sollen aus dem Umfeld der arabischen Großfamilie R. aus Neukölln stammen. Auf die Spur kam ihnen die Polizei per Zufall. Bei Ermittlungen gegen den 19-jährigen Dennis W. wegen eines anderen Delikts fiel ihnen auf, dass dieser seit März über einen Subunternehmer als Wachmann im Bode-Museum angestellt war. W. ist unter anderem wegen Tankbetrugs polizeibekannt.

Schusswaffen, Geld und Kleidung sichergestellt

Bei den Durchsuchungen wurden unter anderem vier munitionierte Schusswaffen, ein niedriger sechsstelliger Geldbetrag und Kleidung sichergestellt, sagte ein Behörden-Sprecher. Die Razzien seien „unproblematisch“ verlaufen, lediglich in einem Fall habe ein Verdächtiger eine Kopfplatzwunde erlitten.

Was die Goldmünze betrifft, so sei es wahrscheinlich, dass diese bereits teilweise oder ganz verkauft wurde. „Wir müssen davon ausgehen, dass wir keine Teile finden“, sagte Carsten Pfohl vom Berliner Landeskriminalamt.

Bei der Razzia nach dem spektakulären Diebstahl einer 100-Kilo-Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum Ende März sind seit Mittwochmorgen bis zu 300 Polizisten in Berlin und Brandenburg im Einsatz, darunter Spezialeinsatzkräfte. Neben den Neuköllner Wohnungen wurde auch ein Juwelierladen durchsucht. Um 6 Uhr war ein Spezialeinsatzkommando ausgerückt.

Unter anderem in Wohnungen in den Neuköllner Straßen Mittelweg und Thomasstraße wurden Verdächtige festgenommen. Es gebe deutliche Anhaltspunkte, dass die beiden mit zwei Personen auf den Videoaufnahmen aus den Überwachungskameras identisch seien, so die Polizei.

Ins Visier der Ermittler geriet nach Morgenpost-Informationen am Mittwochmorgen auch ein Juweliergeschäft an der Neuköllner Sonnenallee, das damit wirbt, Bruchgold anzukaufen. Gegen 11 Uhr waren die dortigen Durchsuchungen abgeschlossen.

"Ziel der Durchsuchungen ist es natürlich, Hinweise auf den Verbleib der Goldmünze zu finden und Erkenntnisse über Tatverdächtige zu erhalten", sagte Polizeisprecher Winfrid Wenzel der Berliner Morgenpost. "Auch kleinste Spuren können entscheidend sein", so Wenzel. Dem Sprecher zufolge gab es nicht nur in Neukölln, sondern auch an anderen Orten in der Stadt Durchsuchungen.

Gleichzeitig hoffe die Berliner Polizei weiter, Hinweise zum Münz-Diebstahl aus der Bevölkerung zu erlangen, so Wenzel. Die Polizei hatte Anfang Juli Videomaterial veröffentlicht, auf dem drei schwarz gekleidete Personen zu sehen sind, die ihre Gesichter unter Kapuzen, hinter Kragen und davorgehaltenen Händen verbergen. Bei ihnen soll es sich um die Täter handeln.


Die "Big Maple Leaf" ist aus purem Gold und hat einen Durchmesser von etwa 53 Zentimetern. Nach dem aktuellen Goldpreis wäre eine Münze mit diesem Gewicht aus reinem Gold etwa 3,74 Millionen Euro wert. Sie gilt als zweitgrößte Münze der Welt nach der australischen "Gold Kangaroo", die eine Tonne wiegt.

Goldmünzen-Diebe kamen mit Rucksack und Kapuzenpullis

Es wird vermutet, dass die Täter die Münze einschmelzen wollen. Wie ein Goldschmied sagte, brauche man dazu nicht viel. Es reicht ein handelsüblicher Schweißbrenner. Möglicherweise ist die Münze also schon eingeschmolzen und wird in Kleinstmengen zum Verkauf angeboten.

So konnte die Münze in Millionenwert aus dem Bode-Museum geklaut werden
So konnte die Münze in Millionenwert aus dem Bode-Museum geklaut werden

Die Täter brauchten nur Leiter, Schubkarre und Seil

Die Goldmünze war Ende März spurlos verschwunden. Eine Leiter, eine Schubkarre, ein Seil - mehr brauchten die Täter nicht, um den spektakulären Einbruch in das Bode-Museum und den Diebstahl der 100 Kilogramm schweren "Big Maple Leaf" zu bewerkstelligen.

Den Behörden zufolge haben die Ermittlungen des Landeskriminalamts ergeben, dass die Täter sich über die Viadukte der Stadtbahn dem Museum genähert haben. Mit einer Leiter überbrückten sie die Höhe von einem Podest der Stadtbahn zu einem Fenster des Museums, durch das sie in das Innere gelangten. Dort zerschlugen sie die Vitrine, in dem die goldene riesige Münze aufbewahrt wird. Die Täter verließen das Museum mit ihrer Beute auf dem gleichen Weg.

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Beim Abtransport soll die Münze beschädigt worden sein

Danach schoben sie die Münze in einer Schubkarre noch rund 80 Meter weit entlang der Gleise über die Spree. Mit einem Seil ließen sich die Täter schließlich in den Monbijoupark hinab. Dort verluden sie die Münze in ein bereitstehendes Auto und entkamen. Schubkarre, Leiter und Seil seien vor Ort sichergestellt worden, so die Polizei.

Beim Abtransport wurde die Münze der Polizei zufolge beschädigt. Am Bahndamm unter dem Museum habe man eine Stelle gefunden, auf die die Münze aus einer Höhe von drei oder vier Metern aufgeschlagen sei.

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( mnd, mb, ad )