Fasten und Schulalltag

Ramadan: 12 Hinweise für Schüler, Eltern, Lehrer, Moscheen

Das Bezirksamt Neukölln hat Hinweise unter anderem an Moscheen ausgegeben, wie sich Ramadan und Schulalltag vereinbaren lassen.

Muslime beim Gebet in der Sehitlik-Moschee in Neukölln zum Beginn des Ramadan (Archivbild)

Muslime beim Gebet in der Sehitlik-Moschee in Neukölln zum Beginn des Ramadan (Archivbild)

Foto: Rundfunk Berlin-Brandenburg

Montag war der erste Schultag im Fastenmonat Ramadan. Dazu hat das Bezirksamt Neukölln zwölf "Hinweise" für die 29.000 Schüler im Bezirk herausgegeben, wie sich das Fasten und der Schulalltag verbinden lassen.

Dazu gehören unter anderem, dass Fasten keine Ausrede sei, um schulische Pflichten zu umgehen oder dass es bei Gott noch höher angesehen sei, wenn Kinder und Jugendliche auch beim Fasten zugleich in der Schule erfolgreich seien. Es wird aber auch darauf hingewiesen, dass Kinder und Jugendliche das Fasten unterbrechen können, wenn gesundheitliche Probleme auftreten. Fasten vertrage sich zudem nicht mit Fluchen, Schlägen, Spucken oder mangelndem Respekt für andere.

Spannungen im Schulbetrieb während des Ramadans

Zugleich wird auch darauf hingewiesen, dass niemand diskriminiert werden dürfe, weil er faste, Fasten die Entscheidung jedes Einzelnen sei und dass es in der Religion keinen Zwang gebe. Eine gesundheitliche Gefährdung des Kindes oder Jugendlichen sei nicht im Sinne des Islam.

Wie das Bezirksamt am Montag mitteilte, komme es während des Ramadans im Schulbetrieb immer wieder zu Spannungen, wenn Kinder und Jugendliche fasten würden. Oft könnten sie dem Unterricht nicht mehr aufmerksam folgen, an den Sportstunden teilnehmen oder in den Prüfungen zum Mittleren Schulabschluss oder im Abitur ihr Bestes geben.

Deshalb hätten Bezirksamt und Schulaufsicht bereits vor Wochen bei einem Runden Tisch gemeinsam mit Neuköllner Vereinen, Schulvertretern und Moscheen die Empfehlung für den Umgang mit der Problematik erarbeitet.

Giffey: Ergebnis ist ein Minimalkonsens

Die zwölf Hinweise seien für Lehrkräfte, Eltern und Schüler gedacht und würden an Schulen, Lehrer, Eltern, Schüler und an Moscheen verteilt.

Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) sagte laut Mitteilung, es müsse auch im Fastenmonat Ramadan möglich sein, dass alle Kinder in den Schulen gut lernen könnten. Giffey weiter: "Wenn das Fasten im Ramadan dazu führt, dass es Kindern in der Schule nicht gut geht, sie nicht am Sportunterricht teilnehmen und in Prüfungen schlecht abschneiden, ist das ein Problem." Das Ergebnis sei ein Minimalkonsens, "für den ich mir noch mehr Unterstützer - auch in den Neuköllner Moscheen - wünsche".

Das sind die zwölf Hinweise:

  1. Das Fasten ist eine der fünf Säulen des Islam.
  2. Das Alter, ab dem gefastet werden sollte, ist nicht eindeutig festgelegt. Es gibt sehr unterschiedliche Auffassungen unter Islamexperten, ab wann gefastet werden sollte.
  3. Fasten ist im Rahmen der jeweiligen religiösen Auffassung die Entscheidung jedes Einzelnen.
  4. Fasten ist wie Beten eine Sache zwischen Mensch und Gott – es geht andere nichts an, ob jemand fastet oder nicht fastet. Es darf niemand herabgewürdigt werden, wenn er oder sie nicht fastet und genauso darf niemand diskriminiert werden, wenn er oder sie fastet.
  5. Im Monat Ramadan ist der Alltag anders, so dass Kinder am Fasten und Fastenbrechen teilhaben möchten.
  6. Es gibt keinen Zwang in der Religion. Eine gesundheitliche Gefährdung des Kindes oder Jugendlichen ist nicht im Sinne des Islam.
  7. Lernen ist für Kinder und Jugendliche schwere Arbeit – wer arbeitet, für den oder die gibt es religiös begründete Ausnahmen.
  8. Im Grundschulalter beginnt – soweit das Kind dies wünscht – das Heranführen des Kindes an das Fasten. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Kinder und Jugendliche, die fasten wollen, sollten etwas zu essen und zu trinken mit in die Schule nehmen. Sie sollen das Fasten unterbrechen können, wenn gesundheitliche Probleme auftreten.
  9. Wer wahrhaft fastet, äußert dies nicht: Fasten ist kein Freischein, um schulische Pflichten zu umgehen. Fasten heißt also auch nicht, die Teilnahme am Sportunterricht zu verweigern.
  10. Fasten heißt, gottgefälliges Verhalten einzuüben. Wer fastet und gleichzeitig flucht, schlägt, spuckt und andere nicht respektiert, verstößt gegen den Sinn des Fastens.
  11. Wenn Eltern ihre Kinder für das Fasten loben, sollte das Lob immer verknüpft werden mit dem Hinweis, dass es bei Gott noch höher angesehen ist, wenn Kinder und Jugendliche zugleich in der Schule erfolgreich sind.
  12. Im Islam ist es nicht erwünscht, dass wegen des Fastens die Leistungen in der Schule schlechter werden. Das Fasten kann verschoben werden, wenn zu befürchten ist, dass sich die Leistungen in Prüfungen, Klassenarbeiten und Klausuren wegen des Fastens verschlechtern würden.
© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.