„Kiez und Kneipe“

Neuköllner Lokalzeitung sagt nach Bedrohung Veranstaltung ab

Zu der Gesprächsreihe sollten alle in der BVV vertretenen Parteien eingeladen werden – auch die AfD. Dann kam es zu Drohungen.

Abstimmung in der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung (BVV) im Dezember 2016

Abstimmung in der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung (BVV) im Dezember 2016

Foto: Theo Schneider

Nach Drohungen aus der linksradikalen Szene hat die Neuköllner Lokalzeitung „Kiez und Kneipe“ eine Veranstaltungsreihe mit Bundestagskandidaten abgesagt. Zu der Gesprächsreihe sollten alle in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vertretenen Parteien eingeladen werden – auch die AfD. So sollte kommende Woche mit dem AfD-Kandidaten Andreas Wild in einer Kneipe an der Schillerpromenade diskutiert werden. Nach dem Bekanntwerden der Pläne wurde die Chefredakteurin des Blattes, Petra Roß, die wie alle Journalisten der Zeitung ehrenamtlich arbeitet, bedroht. Zudem seien Anzeigenkunden des Blattes (Auflage: 3300 Stück) angeschrieben worden. „Uns sollte wirtschaftlicher Schaden zugefügt werden“, sagte Roß der Berliner Morgenpost. Die Mails seien von einer Gruppe „Bündnis Neukölln“ und der Antifa gekommen. Die Gaststätte, in der das Gespräch stattfinden sollte, sei ebenfalls bedroht worden.

Nun habe man sich entschieden, die komplette Veranstaltungsreihe abzusagen. „Zu den Kneipengesprächen sollten Kandidaten aller Parteien, die einen Sitz in der Bezirksverordnetenversammlung haben, eingeladen werden“, so Roß zur Berliner Morgenpost. Plan sei es zudem gewesen, dass jeder Kandidat mit einem Gegenpol diskutiere. „Herr Wild hätte sich mit einem alten SPD-Schlachtross auseinandersetzen müssen. Das wäre spannend geworden“, sagt Chefredakteurin Roß. Unterdessen hätten sich viele Menschen mit der Lokalzeitung solidarisch erklärt. „Bis auf einen halten uns alle Werbekunden die Stange. Auch alle Parteien stellen sich hinter uns“, so Roß. „Kiez und Kneipe“ in Neukölln befindet sich im siebenten Jahrgang.

Solidarisch erklärt sich auch Peter S. Kasper, Chefredakteur von „Kiez und Kneipe“ in Kreuzberg. Bei der Schwesterzeitung hat man sich zwar für einen anderen Weg entscheiden, da man nur mit Kandidaten der im Bundestag vertretenden Parteien spricht. „Trotzdem haben wir vor der Entscheidung der Kollegen in Neukölln großen Respekt“, schreibt Kasper auf der Internetseite der Zeitung. „Wenn Antifaschisten wie Faschisten agieren, frage ich mich, was das soll“, sagte Kasper der Berliner Morgenpost. Der Treppenwitz sei ja, so Kasper weiter, dass man verhindern wolle, dass die AfD Aufmerksamkeit bekomme. „Genau das geschieht aber mit solchen Aktionen“, so Kasper. In ersten Statements sprach die Berliner AfD dann auch von einem Skandal, dass die Veranstaltung wegen Linksextremisten abgesagt werden musste.