Neukölln

Prozess um Messerattacke auf Rollstuhlfahrer

Ein 26-Jähriger steht wegen versuchten Mordes vor Gericht. Er hatte einen behinderten Mann attackiert, um an Geld für Drogen zu kommen.

Der Prozess wird am 9. März fortgesetzt

Der Prozess wird am 9. März fortgesetzt

Foto: Uli Deck / dpa

Sie habe sofort vermutet, dass es sich bei dem Täter "um einen Junkie" handele, sagt die 29-jährige Franziska B. vor einem Moabiter Schwurgericht. Ihr Eindruck war richtig, Patrick T., der sich seit Montag wegen Raubes und versuchten Mordes verantworten muss, war zur Tatzeit drogenabhängig. Der Überfall auf Franziska B. am 13. März 2016 sei eher zufällig gewesen, sagt der 26-Jährige. Ein Dealer habe ihm vorher gesagt, dass er erst wieder Drogen bekomme, wenn er Geld habe.

Franziska B. wurde von Patrick T. bei der Attacke in einem Fahrstuhl des Karstadt-Kaufhauses am Hermannplatz mit einem Messer verletzt. Sie leidet psychisch heute noch unter den Folgen. Eine Woche später war das Karstadt-Kaufhaus vermutlich erneut Tatort für den mehrfach vorbestraften Mann. Diesmal traf es gegen 2.45 Uhr in der dritten Etage des Parkhauses einen Obdachlosen, der im Rollstuhl saß. Er wurde von dem Täter in ein kurzes Gespräch verwickelt, mit einem Messer bedroht, zu Boden gestoßen, durchsucht und ausgeraubt.

Der 54-Jährige ist inzwischen verstorben

Die Beute war jedoch sehr gering. Der Täter soll auf den am Boden liegenden 54-Jährigen mit dem Messer eingestochen und ihm mehrfach gegen den Kopf getreten haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es mit der Absicht geschah, das Opfer zu töten, um es als Zeugen auszuschalten.

An diese Tat kann sich Patrick T. angeblich nicht mehr erinnern. Der 54-Jährige ist inzwischen verstorben. Er soll schwerst alkoholkrank gewesen sein. Der Überfall und sein Tod stehen nicht im Zusammenhang.

Derzeit befindet sich Patrick T. im Maßregelvollzug

So blieb es bei einer Anklage wegen versuchten Mordes gegen Patrick T. Er wurde kurz nach der Tat festgenommen. Es soll sehr aussagekräftige Aufnahmen einer Überwachungskamera und am Tatort gesicherte Spuren geben. Derzeit befindet sich Patrick T. im Maßregelvollzug. Er habe eine Entziehungskur gemacht und sei "jetzt clean", sagt er. Und er hoffe, "dass das hier alles nicht so schlimm für mich endet." Der Prozess wird am 9. März fortgesetzt.

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