Brand in der Nacht

Unbekannte verwüsten Berliner Kita und legen Feuer

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Steffen Pletl und Hans H. Nibbrig

Foto: Steffen Pletl

In Gropiusstadt haben Unbekannte in der Kita „Tabaluga“ offenbar randaliert und Feuer gelegt. Schränke seien aufgerissen und Wasserhähne aufgedreht worden, sagte Leiterin Heike Heibeck.

Die Weihnachtsferien sind vorbei. Am morgigen Montag werden in Berlin wieder Tausende Kleinkinder in die Kitas gebracht. Nicht aber die kleinen Schützlinge der Kindertagesstätte „Tabaluga“ in Gropiusstadt. Sie werden sich noch gedulden müssen. Wie lange, lässt sich derzeit nicht sagen. Denn die Räume ihrer Kita bieten seit Sonnabend ein Bild der Zerstörung. Dafür haben ein Feuer und die blinde Zerstörungswut von Einbrechern gesorgt.

Der Brand in der Neuköllner Kindertagesstätte hat am frühen Sonnabendmorgen die Anwohner am Zwickauer Damm aus dem Schlaf gerissen. Um 5 Uhr wurde die Feuerwehr alarmiert. Bei deren Eintreffen schlugen die Flammen bereits aus den Fenstern der oberen Etage. Nachdem der Brand gelöscht werden konnte, mussten die Einsatzkräfte bei der Begehung der Räume feststellen, dass nicht nur das Feuer in zahlreichen Räumen schwere Schäden angerichtet hatten.

Deutlich war zu erkennen, dass auch Eindringlinge gewütet hatten. Ein Brandkommissariat beim Landeskriminalamt Berlin hat die Ermittlungen übernommen. Nach ersten Erkenntnissen gehen die Ermittler davon aus, dass bislang unbekannte Täter gewaltsam in das Haus eingedrungen sind, dort offenbar nach lohnender Beute gesucht und anschließend das Feuer bewusst gelegt haben.

Kinderbetreuung organisieren

Louisa wohnt in der Nähe der Tagesstätte und ist eines der Kinder, für die sich der Kita-Start 2015 erst einmal verschiebt. Der Dreijährigen, die mit ihrem Vater zum Brandort gekommen ist, bietet sich ein schreckliches Bild. Dem Mädchen kullern am Sonnabendvormittag Tränen über die Wange. Auf dem Arm ihres Vaters Stephan P. hat Louisa einen Blick in ihren Gruppenraum geworfen. „Ich muss sehen, wie wir das zu Hause managen, eventuell muss ich die Kleine zur Arbeit mitnehmen“, so Stephan P.

„Für unsere 136 Kinder ist das ein Schock“, sagt die Leiterin der Einrichtung, Heike Heibeck. Auch sie geht davon aus, dass Täter in das Haus eingestiegen und überall sinnlos gewütet haben. „Warum sonst sind alle Schränke aufgerissen, liegen Sachen von den Kindern auf dem Fußboden?“, fragt sie. Alle Wasserhähne waren aufgedreht. Zudem ist auch in ihrem Büro alles ramponiert. Zentimeter hoch liegen dort die verbrannten Überreste des Mobiliars und auch der Akten auf dem Fußboden.

Der Computer mit allen wichtigen Daten ist ebenfalls zerstört. Der beißende Geruch des Feuers hat sich im gesamten Gebäude festgesetzt. Im Augenblick wisse sie noch nicht, wie sie die Eltern der zu betreuenden Kinder kurzfristig verständigen kann, sagt Heike Heibeck: „Wir werden versuchen die Kinder, die bei uns ganztags betreut werden, in anderen Einrichtungen unterzubringen.“

Sachen der Kinder zerstört

Die Mitarbeiter der Kita, die von dem Feuer erfahren haben, sind sofort an den Zwickauer Damm gefahren, um dort die Schäden schnellstmöglich zu beseitigen. Zunächst wird das in der oberen Etage in allen Zimmern und im Flur stehende Wasser aufgenommen. Mit riesigen Schaufeln bewaffnet versuchen die Mitarbeiter, das Nass in Eimer zu „hieven“, bevor sie später mit Scheuerlappen bewaffnet die Restlachen aufwischen können. Viele persönliche Sachen der Kinder sind von den Vandalen zerstört worden.

In einem Gruppenraum ist ein Aquarium umgerissen und zerschlagen worden. Liegen wurden aufgeschlitzt, Lampenfassungen von den Wänden gerissen, Schränke mit Spielsachen aufgebrochen und umgerissen. Spielwiesen und Kuschelecken wurden durch das Wasser unbrauchbar gemacht. „Es wird Tage dauern, bis hier alles wieder in Ordnung ist“, sagt Heike Heibeck.

Die Kita „Tabaluga“ gehört der Kinder in Bewegung (KiB) gGmbH. Alleiniger Gesellschafter ist der Landessportbund Berlin. Die Kindergartenträgergesellschaft des Berliner Sports betreibt 21 Kindergärten und ist in sieben Berliner Bezirken vertreten.