Plötzensee

„Fischerpinte“ soll als Naturschutzstation weiterleben

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Birgit Lotze
Kein Bootssteg wie viele andere: Die “Fischerpinte“, eigentlich heißt sie Bootsverleih Wolfgang Düring, gilt als authentische Weddinger Institution.

Kein Bootssteg wie viele andere: Die “Fischerpinte“, eigentlich heißt sie Bootsverleih Wolfgang Düring, gilt als authentische Weddinger Institution.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Stirbt der Pächter, stirbt die Hütte, so lautet das Konzept für die Fischerpinte am Plötzensee. Jetzt gibt es einen neuen Vorschlag.

Berlin.  Für den Erhalt des Bootsverleihs „Fischerpinte“ am Plötzensee zeichnet sich unter Umständen eine Lösung ab. Der stellvertretende Bezirksbürgermeister Ephraim Gothe (SPD) und die Umweltstadträtin Almut Neumann (Grüne) stellen am Donnerstag in der Bezirksverordnetenversammlung ein Konzept vor, nach dem das idyllisch gelegene Häuschen mit Steg und Bootsverleih auch nach dem Tod des auf die achtzig Jahre zugehenden Pächters Wolfgang Düring erhalten bleiben kann: Eine mögliche Lösung könnte sein, die Fischerpinte zur Naturschutzstation zu machen.

Die Fischerpinte - eigentlich heißt sie Bootsverleih Wolfgang Düring- soll als authentische Weddinger Institution erhalten bleiben, das ist breiter zivilgesellschaftlicher und politischer Wille. Als im vergangenen Sommer aus Naturschutzgründen ein möglicher Abriss nach Vertragsende vom Bezirksamt ins Gespräch gebracht wurde, hatten Bürger, die Linke und die CDU über die Bezirksverordnetenversammlung gefordert, die Fischerpinte zu erhalten. Der Bootsverleih und die dazugehörige Gastronomie seien als wichtiger sozialer, sportlicher und kultureller Ort anerkannt.

Das Ufer des Plötzensees hat in den vergangenen Jahren sehr gelitten

Der Bootsverleih würde allerdings nach dem vorliegenden Konzept nicht mehr betrieben, jedenfalls nicht kommerziell. Die Umweltbehörde pocht auf umweltschutzrechtliche Belange. Gerade in den vergangenen Jahren hätten der Uferbereich und die Nist- und Brutplätze stark gelitten. Der Plötzensee sei sehr stark übernutzt. Die Natur habe wenig Möglichkeiten, sich zu regenerieren.

Als Naturschutzstation könne die Fischerpinte zentrale Anlaufstelle für Besucherinnen und Naturinteressierte sein, so Almut Neumann. Sie sei im Einsatz für den Erhalt, die Entwicklung und den Schutz von Natur und Artenvielfalt und sensibilisiere für einen nachhaltigen Umgang mit Lebensgrundlagen. In erster Linie sollen Kinder und Jugendliche angesprochen werden.

Die Fischerpinte könnte ganzjährig nutzbar sein – auch als Café

Die Naturschutzstation könne Treffpunkt für Kinder-Naturgruppen sein, die von dort aus zu Exkursionen starten, schlägt die Umweltstadträtin vor. Sie könne Lern- und Erlebnisraum und Unterschlupf bei schlechtem Wetter, auch in den kühleren Jahreszeiten sein. Auf diese Weise könne man die Fischerpinte ganzjährig nutzen, Programm anbieten, naturpädagogische Angebote für Kitas und Schulen machen, Getränke verkaufen und gleichzeitig die Ufer kontrollieren.

In vielen Bezirken gebe es bereits langjährige erfolgreiche Beispiele für solche Einrichtungen, so Neumann. Sie nannte das Projekt Naturschutz Berlin-Malchow, die Naturschutz-und-Ranger-Station Marienfelde und die Naturschutzstation Hahneberg als Beispiele.

Aufgrund der Innenstadtlage und mangels geeigneter Orte, sei es bislang nicht möglich gewesen, eine solche Bildungseinrichtung in Berlin-Mitte zu etablieren, sagte Neumann. Die „Fischerpinte“ könnte dafür einen „vielversprechenden Ansatz“ liefern, auch weil sie so populär sei. Der ruhige Café- und Barbetrieb könnte dann weiterhin tagsüber und abends weiterlaufen.

Der Bootsverleiher soll dem Projekt zum Start verhelfen

Das Bezirksamt will das Umweltschutzprojekt aber keinesfalls ohne den Pächter einleiten. Von einem „nahtlosen Übergang“ ist die Rede. Macht Wolfgang Düring nicht mit, könnte der idyllische Ort daher zerstört sein, bevor das Projekt Naturschutzstation verwirklicht ist. „Ein unvorhergesehener Ausfall des Pächters würde wahrscheinlich zu einem längeren Leerstand führen, wobei zu erwarten wäre, dass der bauliche Bestand beschleunigten Zerfallsprozessen ausgesetzt wäre.“

Wolfgang Düring wurde mit den Plänen inzwischen konfrontiert, hat sich bislang aber noch nicht geäußert. Allerdings ist in dem Pachtvertrag geregelt, dass er die Abrisskosten tragen müsste.

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