Theater

Die Märchenhütten sind wieder offen

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Birgit Lotze
Daniel Sellier als Schneewittchen auf der Märchenhüttenbühne: Haut so weiß wie Schnee, Lippen, so rot wie Blut und Haare – schwarz wie Ebenholz.

Daniel Sellier als Schneewittchen auf der Märchenhüttenbühne: Haut so weiß wie Schnee, Lippen, so rot wie Blut und Haare – schwarz wie Ebenholz.

Foto: Florian Boillot

Der Abriss ist abgewendet. Drei Jahre waren die Märchenhütten geschlossen. Jetzt sind bis Jahresende viele Vorstellungen geplant.

Berlin.  Die Märchenhütten sind zurück. Drei Jahre war das Theater im Monbijoupark in Mitte geschlossen gewesen. Dabei seien Märchen gerade in dunklen Zeiten, mit Pandemie und Krieg, besonders wichtig, sagt Spielleiter Christian Schulz. „Man muss sich ja auf die Sachen besinnen, die einen stark machen.“ Märchen würden helfen, erwachsen zu werden. Am Donnerstag öffneten erstmals die beiden Hütten, die gegenüber vom Bodemuseum oberhalb der Spree stehen. Und schon ist auch das Publikum wieder da, noch nur Erwachsene. Die Hütte ist voll. Frau Holle steht an und Schneewittchen.

Man muss es mögen, es ist schräg, was das Publikum serviert bekommt. Da verwandelt sich Schneewittchen zwischendurch in Horst („Harry, hol schon mal den Wagen“). Es sächselt, spricht schweizerisch und wird, gefangen in einer Zeitschleife, zweimal vergiftet. Es kann auch passieren, dass Zwerge versuchen, einer Zuschauerin das Weinglas zu klauen. Oder dass der Jäger plötzlich als Schneewittchen weitermacht und das bisherige Schneewittchen gleichzeitig zur bösen Stiefmutter wird.

„Wir haben einfach nur gekämpft, um das Ding wieder hochzubringen“

Am glücklichsten über die Rückkehr der Märchenhütten ist vermutlich Spielleiter Christian Schulz, Initiator des Projekts, das heute vom Verein Zweidrittel geführt wird. „Wir waren in der Depression. Wir haben einfach nur gekämpft, um das Ding wieder hochzubringen.“ Mehrfach stand in den vergangenen Jahren die Schließung des Theaters im Raum.

Manchmal sehr konkret, dem Theater lag auch mal eine Rechnung in Höhe von mehr als 40.000 Euro vom Bezirksamt vor: zahlbar für einen anstehenden Abriss durch das Bauamt, weil der Bezirk die Nutzung der Fläche am Monbijoupark auf einem Bunkerdach an der Spree nicht länger dulden wollte. Der Einsatz der neuen Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Mitte, Stefanie Remlinger, habe die Märchenhütten gerettet, sagt Schulz. Sie habe einen Weg gefunden, habe vermittelt.

In einer Winter-Saison schon mal das Olympiastadion vollgemacht

Die Märchenhütten haben immer viel Publikum angezogen, 2018 haben das Monbijou-Theater, das im Sommer etwa ein Drittel des Jahresumsatzes macht, und die Märchenhütten sogar 110.000 Zuschauerinnen und Zuschauer auf ihren Holzrängen versammelt, so voll war in dem Jahr kein anderes Berliner Theater. „Zählt man alle Märchenhütten-Besucher zusammen, dann machen wir im Winter einmal das Olympiastadion voll“, sagt Christian Schulz.

Schulz hat die Märchenhütten selbst aus Osteuropa geholt, eine ist von der ukrainischen Grenze Polens, die andere von der weißrussischen. Es sind Holzhäuser, mit Stall, oben ein Dachboden. Schulz hat die Wände innen herausgenommen, der Schornstein, der sonst in der Mitte des Gebäudes steht und die Wärme verteilt, ist in Polen stehengeblieben.

Die Märchen-Botschaft: Starke Frauen überleben, wenn sie sich auf den Weg begeben

Einen Ukraine-Bezug findet man auch im aktuellen Programm: „Die Erbse“, ein ukrainisches Märchen über ein Mädchen, welches sich durchkämpft. Die Erkenntnis, wie meist im Märchen: Starke Frauen überleben, wenn sie sich auf den Weg begeben. „Die Erbse“ wird von Jakob Wurster, dem Vorsitzenden des Vereins Zweidrittel, der die Märchenhütten betreibt, auf die Bühne gebracht.

Von Samstag an, 26. November, gibt es auch wieder das Familienprogramm ab 15.30 Uhr. Tickets kosten für Erwachsene 17 Euro, sofern er oder sie ein Kind mitbringt, 20 Euro, jedes weitere Kind fünf Euro. Eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn ist offen. Es gibt fast immer Restkarten.