Neue Fahrradstraße

Charlottenstraße: Seit Montag haben Fahrradfahrer Vorfahrt

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Clara Andersen
Umweltstadträtin von Berlin-Mitte Almut Neumann (Grüne) und Umweltsenatorin Bettina Jarasch (Grüne) eröffnen am 21. November 2022 die neue Fahrradstraße durch die Charlottenstraße in Mitte.

Umweltstadträtin von Berlin-Mitte Almut Neumann (Grüne) und Umweltsenatorin Bettina Jarasch (Grüne) eröffnen am 21. November 2022 die neue Fahrradstraße durch die Charlottenstraße in Mitte.

Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE Foto Services

Während auf der Friedrichstraße bald wieder Autos rollen, wurde ein Abschnitt der Charlottenstraße heute als Fahrradstraße eröffnet.

Berlin.  Bunte Fahrbahnmarkierungen, „Fahrrad frei“- Zeichen und Einbahnstraßenschilder leuchteten den Radfahrern am Montagmorgen beim Einbiegen in die Charlottenstraße in Mitte entgegen. Von nun an haben auf der Strecke zwischen Unter den Linden und der Leipziger Straße Radfahrer Vorfahrt. Kfz-Verkehr ist mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde künftig nur noch Anliegern gestattet. Das verkündeten die Verkehrssenatorin Bettina Jarasch und Bezirksstadträtin Almut Neumann (beide Bündnis 90/Die Grünen) beim Anradeln auf der neuen Fahrradstraße.

„Es ist superwichtig, dass die Charlottenstraße zur Fahrradstraße umfunktioniert wurde. Damit haben wir nun eine sichere Alternative zur Friedrichstraße“, erklärte Neumann am Montagmorgen. Denn auf der parallel zur Charlottenstraße verlaufenden Friedrichstraße, in der es seit August einen autofreien Abschnitt gab, werden ab Mittwoch wieder Autos fahren. Das Berliner Verwaltungsgericht hatte die Sperrung nach Auslaufen des Verkehrsversuchs für rechtswidrig erklärt. „Gerade deswegen war es uns besonders wichtig, die Charlottenstraße parallel dazu in eine Fahrradstraße umzuwandeln und ihre Fertigstellung mit der Öffnung der Friedrichstraße für Autos zu koordinieren“, sagte Jarasch.

Charlottenstraße soll eine wichtige Bedeutung im Radverkehrsnetz zukommen

Die Umwandlung dieser Fahrradverkehrsstraße sei ohnehin vorgesehen gewesen, so Jarasch. Die Charlottenstraße habe eine „zentrale Bedeutung“ im Berliner Radverkehrsnetz. Das Netz soll mit einer Länge von 890 Kilometern ein wichtiger Baustein der Fahrradinfrastruktur werden, um Fahrradfahren sicherer und komfortabler zu gestalten.

Die Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz plant, das Fahrradnetz bis 2030 in die Tat umzusetzen. „Natürlich kann das aber nicht auf einen Schlag passieren, sondern es entstehen einzelne Teile, die dann zusammengesetzt werden“, so die Bezirksstadträtin von Mitte Almut Neumann.

Mit der Charlottenstraße sei ein solcher Teil nun fertig, müsse aber nach und nach noch fortgesetzt werden. „Vorerst soll die Fahrradstraße auf jeden Fall bis zur Leipziger Straße gehen“, erklärte Neumann. Die Vorfahrtsregelung wurde dafür schon geändert, aber es fehlen noch Fahrradstraßenschilder und Markierungen. Außerdem sollen die Ecken an den Kreuzungen vorgezogen werden und neue Stellplätze für Fahrräder und E-Scooter entstehen.

Freigegeben wurde die Fahrradstraße aber jetzt schon. Angesichts der komplexen Verkehrssituation rund um den Gendarmenmarkt sei die Planungsdauer mit sechs Monaten verhältnismäßig kurz gewesen, so Verkehrssenatorin Jarasch. „Wir sind wirklich froh darüber, dass wir die Fahrradstraße nun bereits eröffnen können“, sagte sie beim Anradeln. Gegenläufige Einbahnstraßen, die vom Straßen- und Grünflächenamt angeordnet wurden, sollen darüber hinaus den Durchgangsverkehr reduzieren.

Häufig werden solche Schilder von Autofahrern jedoch nicht beachtet. „Wir sind zwar viel mit dem Ordnungsamt in Kontakt, aber für den fließenden Verkehr ist nun einmal die Polizei zuständig“, sagte Neumann. Am Montagmorgen kontrollierte die Polizei deswegen vor Ort und auch in nächster Zeit werde das an der Charlottenstraße schwerpunktmäßig so bleiben.

Ob das funktionieren und ausreichen wird, stellt allerdings so manch einer in Frage: „Auf Dauer kann das doch gar nicht kontrolliert werden und dann fahren wieder reihenweise Autos aus beiden Richtungen in die Straße“, meinte ein Fahrradfahrer am Montag. Er kritisierte außerdem die hohe Unfallgefahr, die entstehe, wenn Lkws als Lieferverkehr in die Straße fahren, denn dafür sei die Fahrbahn viel zu schmal.

Um diesem Risiko entgegenzuwirken, verengen neben den gelben und weißen Markierungen auch grüne Streifen die Fahrbahn für Autos und zeigen die Mittellinie der Straße an. „Die grünen Fahrbahnmarkierungen machen die Verkehrssituation für alle Verkehrsteilnehmer verständlicher“, erklärte Laura Fritsche, zuständig für Verkehrskonzepte, Radverkehr und Fußverkehr im Bezirksamt Mitte. Rechtlich würden zwar lediglich die gelben und weißen Markierungen gelten, aber dass die grünen darüber hinaus zu einer besseren Kommunikation beitragen würden, habe sich bereits in Pankow und Kreuzberg gezeigt.

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„Wir müssen uns den Raum, den es gibt, teilen und auch den Radfahrern gehört nicht alles“, sagte Verkehrssenatorin Jarasch. Man dürfe insofern auch die Fußgänger nicht vergessen. Deswegen würden sie gemeinsam mit einem Investor aktuell die Gestaltung einer Fußgängerzone am Potsdamer Platz planen. „Solche Orte, die wir den Fußgängern vorbehalten, sind äußerst wichtig, um nicht in eine Situation zu gelangen, in der es immer mehr Konflikte zwischen Fußgängern, Autofahrern und Fahrradfahrern gibt“, sagte Bezirksstadträtin Neumann.

Auch in dem Kampf um die Friedrichstraße lassen die grünen Politikerinnen daher nicht locker. Ein Scheitern des Pilotprojektes sieht Jarasch nicht: „Wir planen, die Friedrichstraße zum Jahreswechsel endgültig in eine Fußgängerzone zu verwandeln.“, verkündete Jarasch. Damit das Vorhaben in Gang kommen könne, müssten jedoch alle Bedenken widerlegt und anhand der Verkehrssituation gründlich abgewogen werden, wie man die Situation für alle am besten gestalte. Das sei, so die Verkehrssenatorin, ein entscheidender Faktor, damit das Ganze funktioniere.