Flussbad Berlin

Flussbad: „Projekt wird kostengünstiger und ökologischer“

| Lesedauer: 2 Minuten
Isabell Jürgens
Damit im Kupfergraben in Mitte gefahrlos gebadet werden kann, soll nach Angaben des Vereins Flussbad Berlin ein deutlich kleinerer und kostengünstigerer Wasserfilter als ursprünglich angenommen ausreichend sein.

Damit im Kupfergraben in Mitte gefahrlos gebadet werden kann, soll nach Angaben des Vereins Flussbad Berlin ein deutlich kleinerer und kostengünstigerer Wasserfilter als ursprünglich angenommen ausreichend sein.

Foto: Flussbad Berlin e. V.

Die Macher des Flussbads präsentieren einen überraschenden Abschlussbericht. Demnach lässt sich das Bad deutlich günstiger realisieren.

Berlin.  Zu teuer, zu elitär, zu unhygienisch, technisch nicht machbar und aus denkmalpflegerischen Aspekten unangemessen: Das Vorhaben, nach rund 100 Jahren mitten in Berlin wieder eine Flussbadeanstalt zu eröffnen, hatte zuletzt mit heftigem Gegenwind zu kämpfen. Jetzt melden die Macher eine überraschende Wende.

Der Verein „Flussbad Berlin“ präsentierte am Dienstag die Ergebnisse aus einem Langzeitzeitversuch. Die auf der „Hans-Wilhelm“, einem zum Laborschiff umgebauten Lastkahn über 4,5 Jahre getesteten, verschiedenen Filtersysteme hätten ergeben, dass eine für das Baden ausreichende Wasserqualität im Kupfergraben mit einer gegenüber den ursprünglichen Planungen um 60 Prozent kleineren Filterfläche erzielt werden könne.

Flussbad Berlin: Sauberes Wasser durch kleineren Filter

Daraus, so Heribert Rustige vom beauftragten Forschungsunternehmen Akut, resultiere eine erhebliche Vereinfachung für das Projekt. „Nach Einleitungen aus der Mischkanalisation kommt es selten bedingt durch Starkregen zu kurzen Phasen mit einer sehr hohen Keim-Belastung“, so Rustige. Diesen Situationen könne mit temporären Maßnahmen begegnet werden, etwa durch den Einsatz einer zusätzlichen UV-Reinigungsstufe, so der Ingenieur.

Andererseits zeigten die Ergebnisse auch, dass die Wasserqualität im Normalfall heute schon bis auf wenige Tage mit Starkregenereignissen ausreichend sei. „Der biologische Filter, der in diesen Phasen alleine arbeitet, kommt deshalb mit weniger Leistung aus und kann kompakter sein als ursprünglich angenommen“, so Rustiges Fazit.

Verein rechnet mit Kostenersparnis von 24 Millionen Euro

Dadurch ergeben sich nach Angaben von Tim Edler, Planer des Flussbad-Projektes, erhebliche Kostenersparnisse und weniger Eingriffe in die denkmalgeschützte Umgebung. Nach Edlers Rechnung würden sich die Kosten des ursprünglichen Konzepts, die nach einem Gutachten des Büros Inros Lackner bei 68,6 Millionen Euro gelegen hatten, allein dadurch um 35,6 Prozent, beziehungsweise 24,3 Millionen Euro verringern.

Kritiker wie der Ingenieur Ralf Steeg rechneten dagegen, bislang jedenfalls, mit einer massiven Kostensteigerungen beim seit 2015 vorangetriebenen Flussbad-Projekt. Er schätze die Gesamtprojektkosten auf 150 bis 200 Millionen Euro“, sagte Steeg 2021 bei einer Anhörung im Verkehrsausschuss.

Ob die vorgelegten Auswertungen zur Wasserqualität sowie die kostensparenden Umplanungen die vielen Kritiker überzeugen können, bleibt abzuwarten: Leider sei es nicht gelungen, Kontakt zum ehemalige Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse (SPD), DDR-Bürgerrechtler Günter Nooke (CDU), dem Autor und Regisseur Günter Jeschonnek sowie dem früheren Präsident des Bundesbauamtes Florian Mausbach aufzubauen. Und auch der Berliner Dom, der sich ebenfalls vehement gegen das Flussbad Projekt ausgesprochen hatte, sei auf Einladungen des Vereins bisher nicht eingegangen, bedauerte Edler.