Rassismus-Debatte

BVG benennt Stationen um - außer die Mohrenstraße

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Marie Markhoff
Die Mohrenstraße in Mitte soll umbenannt werden. Bis das geschieht, könnten jedoch Jahre vergehen.

Die Mohrenstraße in Mitte soll umbenannt werden. Bis das geschieht, könnten jedoch Jahre vergehen.

Foto: Reto Klar

Zahlreiche Haltestellen hat die BVG kürzlich umbenannt - doch eine Station fehlt: die Mohrenstraße in Mitte.

Berlin. Im Zuge des Fahrplanwechsels haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) dutzende Haltestellen zum 31. Oktober umbenannt. Die Maßnahme galt zur Vereinfachung zahlreicher Stationen. Bei der Umbenennungsaktion wurde eine Straße jedoch nicht berücksichtigt - die Mohrenstraße in Mitte.

Im Mai vergangenen Jahres flammte die schon seit Jahren andauernde Rassismus-Debatte um die Station Mohrenstraße wieder neu auf. Auslöser dafür waren der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd in den USA und die damit verbundene „Black Lives Matter“-Bewegung.

Mohrenstraße: BVG schlug Glinka vor - und trat ins Fettnäpfchen

Es wurden Stimmen laut, die eine Umbenennung sowohl der Straße selbst als auch des U-Bahnhofs forderten. Daraufhin begab sich die BVG auf Namenssuche. Mit ihrem Vorschlag trat sie allerdings in ein weiteres Fettnäpfchen: Neuer Namensgeber sollte der russische Komponist Michail Iwanowitsch Glinka (1804-1857) sein, der zeitweise in Berlin gelebt hatte und auch dort verstarb.

Bei genauerer Betrachtung von Glinkas Vita finden sich allerdings Hinweise auf eine mutmaßlich antisemitistische Haltung. Die BVG verwarf die Idee schnell wieder und distanzierte sich klar von dem Namen Glinka. Das war im Juli 2020. Die U-Bahn-Station Mohrenstraße heißt noch immer so.

Neuer Name soll an Anton Wilhelm Amo erinnern

Inzwischen hat die Stadt Berlin verlauten lassen, die Mohrenstraße in Anton-Wilhelm-Amo-Straße umbenennen zu wollen. Dieser war der erste bekannte Philosoph afrikanischer Herkunft in Deutschland. „Dem würden die BVG nachziehen und der Haltestellen den gleichen Namen geben“, heißt es aus der Pressestelle der BVG. Doch der Vorgang hänge zurzeit in einigen bürokratischen Schleifen seitens der Stadt.

Sollte es doch irgendwann zu einer Umbenennung kommen, wäre es der fünfte Name für den U-Bahnhof Mohrenstraße. Er hieß bereits Kaiserhof, Thälmannplatz und Otto-Grotewohl-Straße.

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