Streit um "Köpi"

Wagencamp „Köpi“: Hunderte bei Demo gegen Räumung

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Das linksautonome Bauwagencamp in Mitte soll am 15. Oktober geräumt worden. Die Bewohner demonstrierten am Samstag.

Berlin. Hunderte Menschen haben am Samstagabend in Friedrichshain gegen die Räumung des linksautonomen Wagencamps „Köpi“ protestiert. Die Teilnehmerzahl bewege sich im oberen dreistelligen Bereich, sagte eine Polizeisprecherin. Der Demonstrationszug bewegte sich von der Rigaer Straße bis zum Gelände des Camps an der Köpenicker Straße. Die Polizei hatte den Aufzug zwischenzeitlich für einige Zeit gestoppt, weil einige Teilnehmer vermummt gewesen seien, wie die Sprecherin sagte.

Demo gegen "Köpi"-Räumung: 24 Menschen vorübergehend festgenommen

Nach dem Ende der Demo sprach ein Polizeisprecher von 24 vorübergehenden Festnahmen wegen Delikten wie Landfriedensbruch, Sachbeschädigung oder auch Widerstand gegen Polizeibeamte. Nach Aufnahme der Personalien seien aber alle Personen wieder auf freien Fuß gekommen. Einige Demonstranten hätten Pyrotechnik gezündet. Der Sprecher sprach von einem insgesamt recht ruhigen Demoverlauf. Begleitet wurde die Demonstration von rund 550 Einsatzkräften der Polizei.

Bereits am vergangenen Samstag fand ein Protest mit mehr als 1000 Menschen statt. Die erneute Demonstration sollte auch an die Räumung des besetzten Hauses „Liebig 34“ vor einem Jahr erinnern.

Streit um "Köpi": Linksautonome Bewohner wollen klagen

Die Bewohner des linksalternativen Bauwagencamps „Köpi-Wagenplatz“ wollen die für den 15. Oktober geplante Räumung des Geländes mit einem Eilverfahren vor dem Kammergericht vorläufig stoppen. „Es geht um die Existenz von Menschen, daher wollen wir gerichtlich gegen die Räumung vorgehen“, sagte Moritz Heusinger am Freitag vor dem Gelände des Wohnprojekts. Er tritt als Anwalt der Bewohner auf.

Mitte Juni entschied das Landgericht Berlin, dass das Areal unverzüglich geräumt werden müsse. Geklagt hatte die Grundstückseigentümerin, die Startezia GmbH. Sie hatte eine Baugenehmigung für das Grundstück vorliegen. Was aber genau entstehen soll, ist bislang unklar. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, aber gegen eine Sicherheitsleistung vonseiten der Eigentümerin von 200.000 Euro vorläufig vollstreckbar.

„Köpi“ gilt als eines der letzten Symbolprojekte der Linksradikalen

Die Bewohner des Wagenplatzes rechnen sich hingegen in einem Berufungsverfahren Chancen aus, weil nach ihrer Darstellung eine Unterschrift vonseiten der Eigentümerin gefälscht sein könnte. Damit gebe es Aussichten, das Urteil in der Berufung zu kippen, sagte Heusinger. Spätestens zu Beginn der Woche soll der Antrag auf das Eilverfahren beim Gericht eingehen.

Die sogenannte Köpi gilt als eines der letzten Symbolprojekte der linksradikalen Szene in Berlin. Sollte es zur Räumung des Wagenplatzes am Freitag kommender Woche kommen, kündigten die Bewohner Widerstand an. „Wir werden uns am Gericht, am Wagen und auf der Straße wehren“, sagte eine Frau, die sich als Sprecherin der Bewohner bezeichnete. Man plane in den kommenden Tagen dezentrale Aktionen, so die Sprecherin.

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( Julian Würzer )