Bewohner verschanzen sich

"Köpi"-Räumung: Diese Straßen werden gesperrt

| Lesedauer: 6 Minuten
Andreas Gandzior und Julian Würzer
Ein Fahrradfahrer fährt am Zaun des links-autonomen Wohnprojekts und Kulturzentrums "Köpi" vorbei.

Ein Fahrradfahrer fährt am Zaun des links-autonomen Wohnprojekts und Kulturzentrums "Köpi" vorbei.

Foto: dpa

Mit der Räumung des Wagenplatzes „Köpi“ steht die Polizei vor ihrem nächsten Großeinsatz. Ab Donnerstag werden Straßen gesperrt.

Berlin. Tag X ist am 15. Oktober. So nennt die linke Szene den Tag der angekündigten Räumung des linksalternativen Bauwagencamps "Köpi-Platz" in Mitte. Die Bewohner rüsten sich gegen einen möglichen Polizeieinsatz. Der Zaun um das Grundstück mit den Bauwagen wurde auf mehr als vier Meter erhöht und zum Teil mit Blechen und Platten verstärkt. Vergangene Woche standen Männer mit Akkuschraubern auf Leitern und befestigten weitere Bleche von außen an den Gittern vor dem Grundstück an der Köpenicker Straße, an der Grenze zwischen Mitte und Kreuzberg nahe der Spree.

Auf dem Gitterzaun vor dem Haus "Köpi" und dem Bauwagencamp verläuft an einigen Stellen Stacheldraht, es gibt Metallverstrebungen, zwischen denen hindurch Bäume auf den Gehweg wachsen. In großen weißen Buchstaben steht auf der Blechwand: "Köpi-Platz Tag X 15/10". Neben einem Bild von einem Bauwagen und einem Polizisten steht: "Haltet Abstand von unseren Wagenplätzen". Auf die Frage, ob die verstärkten Zäune gegen die angekündigte Räumung durch die Polizei helfen, antwortete einer der Männer auf der Leiter lächelnd: "Ich hoffe doch sehr." Andere Bewohner sprachen nur Englisch und schickten neugierige Besucher weg.

Der Sprecher des Berliner Landesverbandes der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Benjamin Jendro, rechnet mit einem schwierigen Polizeieinsatz in Hinblick auf die Räumung. „Klar ist auch, dass man nicht mal eben hereingeht, die Menschen einen friedlich herausbegleiten und dann war es das“, so Jendro. Es würden schon jetzt zusätzliche Hindernisse hochgezogen. Zudem rechne er damit, dass sich Menschen anketten werden und die Maßnahme in die Länge ziehen wollen. „Das ist kein gewöhnlicher Einsatz, insofern wird man mit einem erhöhten Personaleinsatz vorgehen müsse“, sagte der GdP-Sprecher.

Einschränkungen rund um die Köpenicker Straße

Anlässlich der gerichtlich verfügten Räumung gelten bereits ab Donnerstag zahlreiche Einschränkungen in Bereichen rund um die Köpenicker Straße in Mitte. Die Einschränkung des Gemeingebrauchs von öffentlichen Flächen und der Versammlungsfreiheit gelten von Donnerstag 15 Uhr bis Freitag 23.59 Uhr.

Folgende Straßen werden gesperrt:

  • Köpenicker Straße zwischen Hausnummer 140 und Adalbertstraße (einschließlich Kreuzungsbereich)
  • Adalbertstraße zwischen Köpenicker Straße/Adalbertstraße (einschließlich Kreuzungsbereich) und Melchiorstraße/Adalbertstraße (einschließlich Kreuzungsbereich)
  • Bona-Peiser-Weg zwischen Köpenicker Straße und Paula-Thiede-Ufer
  • Paula-Thiede-Ufer zwischen Bona-Peiser-Weg und Engeldamm (einschließlich Gehweg zwischen Schillingbrücke und Engeldamm in Höhe Hausnummer 4)

Anwohner und Besucher dürfen passieren

Die Polizei teilt mit, dass in diesem abgesperrten Bereich öffentliche Versammlungen und Aufzüge unter freiem Himmel nicht gestattet sind. Lediglich Anwohner und deren Besucherinnen und Besucher werden nach Kontrollen durch die Polizei durchgelassen. In Einzelfällen und in Notfällen können Ausnahmen gemacht werden.

Untersagt ist auch das Abstellen von Kraftfahrzeugen. Dazu zählen auch Fahrzeuge mit Sonder- und Ausnahmegenehmigungen und Elektrokleinstfahrzeuge. Auch Fahrräder, motorisierte Zweiräder oder mobile Behältnisse wie Kleidercontainer und Müllbehälter dürfen in dieser Zeit nicht auf öffentlichem Straßenland stehen. Bereits dort abgestellte Fahrzeuge und andere beschriebene Gegenstände müssen entfernt werden. Nähere Informationen gibt es auf dieser Seite.

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Im Juni hatte das Berliner Landgericht die Räumung des Grundstücks mit den bewohnten Bauwagen angeordnet. Geklagt hatte der Grundstückseigentümer. Laut Urteil muss das unbebaute, 2600 Quadratmeter große Grundstück frei gemacht werden. Der Eigentümer hat dort eine Baugenehmigung. Seine Anwälte betonten, noch in diesem Jahr solle mit der Bebauung der Flächen begonnen werden. Das Haus selber ist von der Räumung nicht betroffen.

Die sogenannte Köpi gilt als eines der letzten verbliebenen Symbolprojekte der linksradikalen Szene in Berlin. Der Bewohner- und Betreiber-Verein schreibt das Projekt mit dänischem ö: "Køpi" und "Køpi-Platz". Dabei geht es um ein großes Hinterhaus eines Altbaukomplexes, das Vorderhaus fehlt. Dazu kommt das benachbarte Grundstück, auf dem alte Bauwagen zwischen Bäumen, Gerümpel und Müll stehen. Nach Angaben des Bewohner-Vereins leben dort etwa 30 Menschen.

Das Gebäude auf dem Mauerstreifen von Ost-Berlin wurde 1990, im Jahr nach dem Mauerfall, besetzt. Außer Wohnungen in den oberen Stockwerken gibt es im Keller und den unteren Geschossen einen Konzertraum, eine Kletterwand, eine kleine Sporthalle und ein Kino.

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Die Bewohner bezeichnen Haus und Bauwagencamp als autonomen Lebensraum. "Køpi & Køpiplatz vereint! Der Kampf um unser Zuhause geht weiter", schreiben sie auf ihrer Website. Und: "Wir werden nicht einfach alles für irgendwelche Immobilienspekulationen aufgeben. Wir haben uns einen unbewohnbaren Ort genommen und zu einem bunten Lebensraum gemacht. Das wird er bleiben." Auf der Seitenwand des Hauses prangt ein riesiger Schriftzug: "Hands off our homes" (Hände weg von unseren Häusern). Daneben steht: "ACAB" ("All cops are bastards", deutsch: Alle Polizisten sind Bastarde).

Widerstand gegen die Räumung wurde bereits bei Demonstrationen und im Internet angekündigt, wo es immer wieder hieß: "Defend Köpi. Wie sich die Lage am 15. Oktober entwickeln wird, ist kaum vorherzusagen. So war die Gegenwehr auf der Straße bei der Räumung des besetzten Hauses "Liebig 34" in Friedrichshain im Oktober 2020 schon wesentlich kleiner als bei ähnlichen Anlässen zuvor. Auf eine Brandschutzprüfung in dem teilbesetzten Haus "Rigaer 94" im Juni reagierten gewaltbereite bis zu 200 Linksautonome allerdings schon am Tag zuvor mit brennenden Barrikaden und einem heftigen Angriff auf die Polizei.

( mit dpa )