Berlin-Mitte

Einheitsdenkmal in Berlin: Planer befürchten Entwürdigung

| Lesedauer: 5 Minuten

Das Einheits- und Freiheitsdenkmal soll bis Ende 2021 vor dem Berliner Schloss stehen.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Neben dem Monument in Berlin-Mitte soll eine Fahrstuhlanlage errichtet werden. Planer befürchten dadurch eine „Entwürdigung“.

Berlin. Die Schloßfreiheit in Berlin könnte in wenigen Jahren sehr ansehnlich werden. Das Humboldt-Forum strahlt schon mit seiner neuen Fassade und der Kuppel über die Museumsinsel. Davor soll eine Freitreppe an den Spreekanal, in vielen Jahren sogar an das Flussbad führen, und vor dem Berliner Schloss – wo einst das Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal stand – soll bis Ende 2021 das Freiheits- und Einheitsdenkmal stehen. Es könnte so schön sein.

Doch es gibt einen großen Makel, neben kleineren, der für Empörung bei den Planern des Denkmals sorgt. Sie fürchten gar eine Entwürdigung und eine Beschädigung der Wirkung. „Große Sorgen bereiten uns die aktuellen Planungen im Umfeld des Freiheits- und Einheitsdenkmals“, sagt Kreativdirektor Sebastian Letz vom Stuttgarter Architekturbüro Milla & Partner der Berliner Morgenpost. Ihm zufolge plane die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung etwa einen Meter neben dem Kunstwerk einen Aufzugsturm, um den Zugang zum Fuß der Freitreppe barrierefrei zu gestalten. Zudem sollen in unmittelbarer Nähe zwei Flächen für Fahrradständer platziert werden.

Planer des Denkmals drohen dem Berliner Senat mit rechtlichen Schritten

Und auch die Freitreppe habe ihm zufolge inzwischen Dimensionen angenommen, welche die Passage entlang des Ufers zum Denkmal eher blockieren würden als bereichern. Letz droht dem Berliner Senat sogar mit rechtlichen Schritte. „Um das Denkmal und sein Anliegen zu schützen, haben wir eine Berechtigungsanfrage bezüglich der Verletzung von Urheberrechten an den Senat gerichtet“, sagt er und beklagt, dass ihre Bedenken den Planern und dem Senat bereits seit Juni des vergangenen Jahres bekannt seien. „Wir haben uns seitdem intensiv um einen Dialog bemüht, sind dabei aber weitestgehend auf taube Ohren gestoßen“, sagt Letz.

Freitagmittag, Ortsbegehung vor dem Berliner Schloss an der Baustelle des Einheits- und Freiheitsdenkmals. Von dem Bauwerk ist noch nicht viel zu sehen. Dafür ist der Sockel, auf dem es bald stehen soll, teilweise offengelegt und das historische Gewölbe am Spreekanal kommt zum Vorschein. Pfeiler sind dazwischen metertief im Boden verankert, um das Fundament zunächst zu stabilisieren. In den kommenden Wochen werden sie aber wieder entfernt sowie der Sand und die Steine, die für die Vorbereitungen nötig gewesen sind.

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Wenige Meter neben der Baustelle des Einheits- und Freiheitsdenkmals befindet sich die nächste Baustelle auf der Schloßfreiheit. Bauarbeiter sanieren die Uferwand des Spreekanals – es sind Vorbereitungen für die geplante Freitreppe. An diesem Mittag sind Befürworter des Denkmals vor Ort. Und sie sind überhaupt nicht zufrieden mit der Planung des Aufzugturms zwischen dem Projekt von Milla & Partner und der Freitreppe. Sie sprechen bei der Baustellenbegehung hinter vorgehaltener Hand sogar vom „Stinkefinger, den der Berliner Senat dem Denkmal zeigt“.

Wie die Berliner Morgenpost erfahren hat, sollen sich die Verantwortlichen bei einer Sitzung vergangener Woche für die Variante „Aufzugsturm zwischen Freitreppe und Denkmal“ ausgesprochen haben. Eine Baugenehmigung für den Aufzugsturm gebe es aber bislang noch nicht. Deshalb hoffen die Architekten von Milla & Partner, das für sie Schlimmste noch rechtzeitig abwenden zu können und haben auch einen Alternativvorschlag vorgelegt. Sie würden den Aufzug gerne zwischen geplanter Freitreppe und dem Boulevard Unter den Linden versetzen – in der Nähe des U5-Aufzugs der Berliner Verkehrsbetriebe. „Wir hoffen sehr, dass der Senat als Bauherr in diesem sensiblen städtischen Bereich interveniert und für eine harmonische Gesamtgestaltung sorgt“, so Letz.

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Verein „Denk mal an Berlin“ kritisiert Architektenbüro Milla & Partner

Kritik an den Befürchtungen des Architektenbüros Milla & Partner äußert die Vorstandsvorsitzende des Vereins „Denk mal an Berlin“, Elisabeth Ziemer. Sie sieht in der Debatte um den Aufzugsturm einen vorgeschobenen Grund, um das geplante Flussbad an der Stelle zu verhindern und keine Badegäste an der Stelle zu haben. „Sinnvolles Gedenken an die Mühen der Einheit wird hier nie entstehen“, sagt Ziemer. Deshalb halte sie die Schloßfreiheit auch für den falschen Platz für das Einheitsdenkmal.

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Ungeachtet des Konflikts schreiten die Arbeiten des Freiheits- und Einheitsdenkmals in Berlin weiter voran und sind der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) als Bauherrin zufolge auch im Zeitplan. „Der Generalplaner strebt den Abschluss der Bauarbeiten für die Denkmalschale nach wie vor zum Ende des Jahres 2021 an“, sagt ein BKM-Sprecher der Berliner Morgenpost.

Anschließend seien noch Anschlussarbeiten am historischen Denkmalsockel erforderlich. Ein Termin für die öffentliche Zugänglichkeit des Freiheits- und Einheitsdenkmals könne derzeit aber noch nicht genannt werden. Letz rechnet im Frühjahr 2022 mit der Eröffnung des „Bürger in Bewegung“ genannten Denkmals. Ursprünglich sollte das Denkmal zum 30. Jahrestag des Mauerfalls im November 2019 eingeweiht werden. Der Termin scheiterte an Finanzierungsfragen. 2018 genehmigte der Haushaltsausschuss des Bundestages die notwendigen 17 Millionen Euro für das begehbare Werk.

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