Stadtentwicklung

Umstrittener Neubau auf der Fischerinsel startet

Anwohner protestierten gegen einen Wohnturm auf der Fischerinsel. Nun baut die WBM nicht ganz so hoch. Was geplant ist.

Der Neubau an der Fischerinsel soll das Quartier ergänzen. 210 Wohnungen sollen bis 2023 entstehen. 

Der Neubau an der Fischerinsel soll das Quartier ergänzen. 210 Wohnungen sollen bis 2023 entstehen. 

Foto: WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH / BM

Berlin. Statt eines riesigen Wohnturms baut die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft WBM ein achtgeschossiges Mehrgenerationenhaus auf der Fischerinsel im Bezirk Mitte. Nach Angaben der WBM sollen 210 neue Mietwohnungen in der Nähe des Berliner Schlosses entstehen. Rund die Hälfte der Wohnungen an der Fischerinsel/Ecke Mühlendamm soll vom Land gefördert werden. Das heißt für Mieter mit einem Wohnberechtigungsschein rund 6,50 Euro pro Quadratmeter.

Der Bau soll auch die Wohnsituation in dem Quartier entspannt werden. „Das Projekt zeigt, dass es auch in der bereits dicht bebauten Berliner Innenstadt möglich ist, zusätzliche Wohnungen für breite Bevölkerungsschichten zu errichten“, sagte Berlins Bausenator Sebastian Scheel (Die Linke). Dem Bau waren langjährige Proteste von Anwohnern und Bürgergruppen vorausgegangen.

WBM will 49 Wohnungen möbliert vermieten

Das U-förmige Gebäude soll über acht Stockwerke hoch werden. Im Erdgeschoss sehen die Bauherren Gastronomie und kleinteiliges Gewerbe sowie eine Kindertagesstätte vor. Zudem soll ein Concierge für die Bewohner ansprechbar sein. Die Wohnungen in den oberen Etagen haben ein bis vier Zimmer. 49 der Wohnungen will die WBM möbliert vermieten.

Das Dach des Neubaus auf der Fischerinsel soll begrünt werden

Sieben Wohngemeinschaften sind für Studenten vorgesehen. Das Dach soll begrünt werden und als Retentionsfläche dienen. Im Innenhof des Gebäudes wollen die Planer einen Innenhof mit zwei Spielplätzen errichten. Der Entwurf des Gebäudes geht auf das zuständige Architektenbüro die blauraum Architekten GmbH zurück.

Ursprünglich wollte die WBM an der Stelle einen Wohnturm mit 19 Etagen realisieren. Dem Bauvorhaben war ein langes Wettbewerbsverfahren vorausgegangen, den das Kreuzberger Architekturbüro DMSW Dahlhaus Müller Wehage im Jahr 2015 gewonnen hatte. Der damalige Bausenator Andreas Geisel (SPD) hatte sich damals für den Bau des 58-Meter-Turms eingesetzt. Er wolle bezahlbaren Wohnraum in der Mitte der Stadt schaffen, sagte er.

Auf dem angespannten Berliner Wohnungsmarkt ist das eine nachvollziehbare Begründung. Denn Berlin ist eine Mieterstadt. 85 Prozent der rund zwei Millionen Haushalte wohnen zur Miete. Und das überwiegend allein – der Anteil der Einpersonenhaushalte beträgt 52,9 Prozent, statistisch gesehen leben in jeder Wohnung 1,8 Menschen.

Bewohner sollen im Jahr 2023 einziehen können

Doch gegen den Wohnturm regte sich Widerstand. Stadthistoriker und Anwohner wollten kein weiteres Hochhaus auf der Insel. Sie sammelten Unterschriften und gründeten eine Bürgerinitiative. Unterstützung erhielten die Gegner des Projekts später vom Bezirksamt Mitte. Es lehnte das Bauvorhaben letztlich mit der Begründung ab, dass der Neubau nicht in das bestehende Gebäudeensemble passe und entschied sich für den Entwurf von blauraum Architekten, der bei dem Wettbewerb 2015 den dritten Platz belegte.

Nun ist der Streit beigelegt und Bagger arbeiten an der Baugrube des Grundstücks. Bis Mitte des Jahres soll sie fertiggestellt werden. Währenddessen finden auch noch archäologische Grabungen statt. Die Bewohner sollen im Jahr 2023 in das Gebäude einziehen können. „Die WBM entwickelt die aktuelle Bebauung der Fischerinsel weiter und schließt sie an den angrenzenden Stadtraum an“, sagte Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) über den Baubeginn.