Berliner Museen

Lichter der Vergangenheit - die Gaslaternen im Tiergarten

Ein Novemberspaziergang durchs Gaslaternenmuseum im Tiergarten ist bezaubernd. 2021 sollen die Laternen ans Gleisdreieck umziehen.

Idyllisch führt der Weg an den historischen Gaslaternen vorbei – im Herbst ein wunderschöner Spaziergang.

Idyllisch führt der Weg an den historischen Gaslaternen vorbei – im Herbst ein wunderschöner Spaziergang.

Foto: Dirk Teuber

Berlin. Am schönsten leuchtet das Gaslaternenmuseum in der Dämmerung. Dann erinnert der von historischen Lampen gesäumte Weg zwischen der Straße des 17. Juni und dem Neuen See im Tiergarten an René Magrittes berühmtes Gemälde „L’empire des lumières“: das mit der einsamen Straßenleuchte unter schwarzen Bäumen, aber strahlend hellem Himmel - unten Nacht, oben Tag.

Im Tiergarten brennen die Gaslaternen unter Eichen und Ahornen, deren Laub sich nun gelichtet hat. Und auf der anderen Straßenseite, rund um den Berlin Pavillon stehen und hängen weitere Leuchten. Zusammen sollen es 90 Laternen sein, so informiert eine Tafel am Fußgängerüberweg zur Klopstockstraße. zwischen 1826 und 1956 gefertigt, aus 25 deutschen und elf weiteren europäischen Städten, von London über Berlin bis Budapest. Diese Sammlung, heißt es hier, soll die „umfassendste“ ihrer Art in Europa sein.

Gaslaternenmuseum: Gusseiserne Leuchten aus vielen europäischen Großstädten

Prächtige Stücke gibt es wie die großen, gusseisernen Wandarme aus Spandau, die an der Westseite des Berlin Pavillons hängen. Ihre sechseckigen Köpfe ließen an Kutschen denken, die durch Tore rasseln, würden nicht eine Leuchtreklame und die Gegensprechanlage des Schnellrestaurants, das sich heute in dem Pavillon befindet, unmissverständlich klar machen, dass sich hier seine Zufahrt für Autos befindet.

Gegenüber im Tiergarten geht es beschaulicher zu. Trotz des einheitlichen dunkelgrünen Anstrichs der Pfähle lassen sich viele unterschiedliche Merkmale ausmachen. Der stramm aufrechte „Kleine Charlottenburger Galgen“ etwa trägt unten eine Art Sims. Den „Kleinen Köpenicker Galgen“ schmücken Blätterranken vermutlich aus der Jugendstilzeit. Aus Wuppertal kommt eine Laterne mit unverglastem Kopf unter einer Art gusseisernem Hütchen. Dresden wirkt barock, Mainz sachlich. Paris hübsch verziert, groß, schlank und elegant. Frankfurt am Main dagegen mit buntem Wappen, kräftig und stabil. Urtyp aber ist die viereckige, neugotische Camberwell-Laterne aus England: Die moderne Straßenbeleuchtung Berlins war zunächst ein Import aus dem Mutterland der Industrialisierung.

Herkunft, Entstehungsjahr und Fachbegriffe stehen auf kleinen Schildern an den Pfählen – eigentlich. Oft sind diese übermalt, beklebt, entwendet. Überhaupt die vielen Schäden. Von den 90 Laternen des Freilichtmuseums, das 1978 von der Senatsbauverwaltung und der Gasag errichtet wurde, leuchten lediglich 59 in der Nacht. Manche beziehen keine Energie, also Gas oder Strom, je nachdem, welchen Anschluss sie heute haben. Anderen fehlt der Glühstrumpf oder gleich der ganze Kopf. Eine weitere Laterne, mit rotweiß gestreiftem Absperrband umwickelt, steht sogar so schräg, als wolle sie gleich umkippen. Dabei wurden alle Ausstellungstücke 2006 zur Fußballweltmeisterschaft umfangreich gereinigt und wieder instand gesetzt.

Für 2021 ist ein Umzug geplant

Ursache der Schäden sei mutwillige Zerstörung, sagt ein Sprecher der Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr, die für das Museum zuständig ist. Ein weiteres Mal werden die Leuchten daher an diesem Ort nicht saniert. Stattdessen ist für 2021 ein Umzug geplant, auf die Freifläche des Deutschen Technikmuseums am Gleisdreieck, wegen der Pandemie allerdings um ein Jahr verspätet.

Weil es hinter dem Technikmuseum keine Gasanschlüsse gebe, werden dann auch die letzten Laternen auf Strom umgestellt. Das mag schade sein, doch dafür schützt dort die Exponate ein Zaun.

Einen letzten Winter bleiben sie also noch im Tiergarten. In einem dunklen Laternenkopf wuchern die Reste eines Vogelnests - schaurig schön wirkt das, vor allem nach Einbruch der Dunkelheit, wenn im benachbarten Zoologischen Garten die Tiere ihr nächtliches Geheul anstimmen. Es ist eine schön schimmernde Reise in die Vergangenheit einer Großstadt.

Gaslaternenmuseum, Straße des 17. Juni, Ecke Klopstockstraße, S-Bahnhof Tiergarten, 0-24 Uhr, Eintritt frei