Gedenken

Trostfrauen-Statue darf vorerst doch bleiben

In Moabit erinnert eine sogenannte „Friedensstatue“ an japanische Verbrechen im Zweiten Weltkrieg. Die sollte entfernt werden.

Vertreterinnen des Korea-Verbandes protestieren an der Friedensstatue in Moabit gegen deren Entfernung.

Vertreterinnen des Korea-Verbandes protestieren an der Friedensstatue in Moabit gegen deren Entfernung.

Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Die umstrittene sogenannte Friedensstatue in Berlin-Moabit darf vorerst stehen bleiben. Das teilte das Bezirksamt Mitte am Dienstagabend mit. Die zunächst für ein Jahr erteilte Genehmigung für das Denkmal des Korea Verbandes war in der vergangenen Woche zurückgenommen worden. Eigentlich sollte die Skulptur bis Mittwoch abgebaut werden. Nun heißt es, die Frist sei hinfällig, weil der Korea Verband vor dem Verwaltungsgericht einen Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz gestellt habe. Das Bezirksamt wolle abwarten, bis die grundsätzliche Bewertung des Verwaltungsgerichts vorliegt. Die Statue war erst Ende September an der Bremer/Ecke Birkenstraße aufgestellt worden.

„Wir werden die Zeit nutzen, um unsere eigenen sowie die Argumente aller beteiligten Akteurinnen und Akteure in diesem komplexen Disput erneut gründlich abzuwägen“, so der grüne Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel. „Wir wünschen uns einen Kompromissvorschlag, der den Interessen des Korea Verbands sowie den Interessen der japanischen Seite gerecht werden kann. Es wäre begrüßenswert, das Mahnmal so zu gestalten, dass alle Beteiligten damit leben können.“

Demonstration für Erhalt der Statue

Am vergangenen Donnerstag hatte von Dassel die Entscheidung, die Statue müsse abgebaut werden, damit begründet, dass der Bezirk als Genehmigungsbehörde auf eine Parteinahme in zwischenstaatlichen und insbesondere historischen Konflikten verzichten wolle.

Am Dienstagmittag gab es in Moabit eine Demonstration für den Erhalt der Statue. Mit der Figur will der Korea Verband nach eigenen Angaben an die über 200 000 Mädchen und Frauen aus 14 Ländern erinnern, die vom japanischen Militär während des Asien-Pazifik-Krieges (1931-1945) als sogenannte Trostfrauen zur Prostitution gezwungen wurden.

Nach Angaben des Bezirksamts war die Statue im Vorfeld als Statement gegen sexualisierte Gewalt gegen Frauen in kriegerischen Konflikten insgesamt gewertet worden. Allerdings thematisiere sie in ihrer jetzigen Gestaltung ausschließlich das Verhalten der japanischen Armee im Zweiten Weltkrieg.

BVV-Fraktion der Grünen forderte Rücknahme des Widerrufs

Gegen das Vorgehen des Bezirks gab es nicht nur auf der Straße Protest. Am Dienstag forderte die BVV-Fraktion der Grünen in Mitte eine Rücknahme des Widerrufs. „Mit der Entscheidung, die Genehmigung zu widerrufen, stellt sich das Bezirksamt Mitte gegen die Opfer von sexueller Gewalt im ostasiatischen Raum und befördert die Geschichtsbetrachtung der damaligen Kolonial- und Besatzungsmacht Japan“, erklärte Sprecherin Laura Neugebauer. Am Montag hatte bereits die SPD Mitte den Erhalt der Statue gefordert.

Die Statue zeigt eine Frau, die auf einem Stuhl sitzt. Neben ihr steht ein weiterer - leerer - Stuhl. Dazu gibt es eine Texttafel. Nach Angaben des Verbands stehen unter anderem auch in Frankfurt am Main und bei Regensburg Friedensstatuen.

Nach Schätzungen von Historikern wurden im Zweiten Weltkrieg bis zu 200 000 Frauen, vor allem aus Korea und China, zur Prostitution in Frontbordellen vor allem der japanischen Kaiserarmee gezwungen.