Straßen-Umbenennung

Wie geht es weiter mit der Mohrenstraße?

Die Mohrenstraße in Mitte soll umbenannt werden. Doch bis zur Umsetzung könnten Jahre vergehen. Bürgerbeteiligung ist nicht geplant.

Nach Rassismus-Kritik: Berliner Mohrenstraße wird umbenannt

Nach Rassismuskritik soll die Mohrenstraße im Berliner Bezirk Mitte umbenannt werden. Sie soll künftig den Namen des ersten bekannten Philosophen afrikanischer Herkunft in Deutschland tragen.

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Berlin. Bis die Mohrenstraße wirklich in Anton-Wilhelm-Amo-Straße umbenannt wird, könnten noch Jahre vergehen. Das befürchtet zumindest Mittes Verkehrsstadträtin Sabine Weißler (Grüne). „Ich werde das Bändchen nicht mehr durchschneiden“, sagt sie mit Hinblick auf ihre Amtszeit, die im Jahr 2021 endet. Der Name der Straße wird von Kritikern als rassistisch empfunden. Deshalb soll sie nach Anton Wilhelm Amo benannt werden. Er gilt als erster Gelehrter afrikanischer Herkunft an einer preußischen Universität.

Die Bezirksstadträtin erwartet viele Widersprüche und Klagen wegen der geplanten Umbenennung. „Zwar wohnen nicht so viele Menschen in der Mohrenstraße, klagen kann aber theoretisch jeder.“ Um dem zuvorzukommen, habe das Bezirksamt für November eine Veranstaltung mit mehreren Formaten geplant. Sie sollen über die Kolonialgeschichte des Kiezes in dem sich die Mohrenstraße befindet, informieren. Die Formate sollen auch im Livestream übertragen werden.

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Mohrenstraße: Beteiligung der Anlieger soll es nicht geben

Einen genauen Zeitraum gebe es noch nicht, so Weißler. Sie stellt aber klar, dass es keine Bürgerbeteiligung der Anlieger geben werde. „Straßennamen sind keine Angelegenheiten der Anlieger, Straßennamen stehen für die ganze Stadt.“ Außerdem sehe das Straßengesetz keine Bürgerinformation vor, so die Grünen-Politikerin. Die Entscheidung zu treffen, obliege einzig dem Bezirksamt. Das wurde im August von der Bezirksverordnetenversammlung Mitte (BVV) mit einem Beschluss aufgefordert, die Mohrenstraße umzubenennen.

Dennoch wolle man den November abwarten, bis das Bezirksamt die Umbenennung im Amtsblatt veröffentlicht. Erst dann könnten Anwohner auch Widersprüche einbringen. Sollte das passieren und es letztlich zu Klagen kommen, könne es dauern. Denn das Verwaltungsgericht mache seine eigenen Termine. Ähnlich lange Prozesse kenne Weißler von anderen Umbenennungen. Als Beispiel nennt sie die ehemalige Einemstraße, die nun Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße heißt. Bis das neue Straßenschild angebracht war, hat es letztlich drei Jahre gedauert. Die Straße, die vom Bezirk Tempelhof-Schönberg nach Mitte führt, war nach Karl von Einem, einem Nationalsozialisten, benannt worden. Der heutige Namensgeber Karl Heinrich Ulrichs gilt als Vorkämpfer der rechtlichen Gleichstellung von Homosexuellen.

Auch in Steglitz-Zehlendorf sind Umbenennungen ein Thema

Initiativen fordern schon seit vielen Jahren eine Umbenennung der Mohrenstraße. Im Zuge der „Black Lives Matter“- Bewegung nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd nahm die Debatte wieder Schwung auf. Zunächst hatten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) Anfang Juli angekündigt, den Stationsnamen Mohrenstraße in Glinkastraße umzubenennen. Nach Vorwürfen, der Komponist Michail Iwanowitsch Glinka sei Antisemit gewesen, pfiff der Senat die BVG jedoch zurück. Derweil forderten die Grünen in Mitte einen neuen Namen für die Mohrenstraße.

Auch in Steglitz-Zehlendorf wird aktuell über Umbenennungen debattiert. Dabei geht es um die U-Bahn-Station Onkel Toms Hütte und die Onkel-Tom-Straße. Basketballer Moses Pölking kritisierte, der Begriff Onkel Tom stelle in der afroamerikanischen Gemeinschaft eine Beleidigung dar. Für eine Umbenennung hat er bereits mehr als 13.300 Unterschriften durch eine Online-Petition gesammelt. Die SPD in Steglitz-Zehlendorf hat nun einen entsprechenden Antrag zur Prüfung der Umbenennung in die BVV eingebracht.