Modellversuch

Gilt bald Schritttempo auf der Friedrichstraße?

Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel denkt über eine strengere Begrenzung der Geschwindigkeit nach.

Das Tempolimit auf der Friedrichstraße ist umstritten. Nun bringt Mittes Bezirksbürgermeister Tempo 10 und Schrittgeschwindigkeit ins Spiel.

Das Tempolimit auf der Friedrichstraße ist umstritten. Nun bringt Mittes Bezirksbürgermeister Tempo 10 und Schrittgeschwindigkeit ins Spiel.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Berlin. Beim Tempolimit für Fahrradfahrer auf der „autofreien Friedrichstraße“ könnte bald nachjustiert werden. Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) denkt über ein strengeres Limit nach. „Es könnte sein, dass Tempo 20 zu schnell ist“, sagte er am Freitag.

Nach einem internen „Feedback-Treffen“ zur Friedrichstraße war bekannt geworden, dass über eine Begrenzung auf 15 Stundenkilometer auf dem Abschnitt zwischen Leipziger und Französischer Straße diskutiert wird. Zu diesem Treffen hatte das Bezirksamt Mitte die bezirkliche Wirtschaftsförderung und Anrainer wie die „Galeries Lafayette“ eingeladen. Die derzeitige Geschwindigkeitsbegrenzung für Fahrradfahrer werde weiter geprüft, hieß es anschließend.

Von Dassel zufolge könnte unter Umständen künftig auch 10 km/h auf der Fahrradstrecke gelten. Es sei aber auch nicht ausgeschlossen, dass der Radweg in manchen Bereichen aufgehoben werde und Radfahrer und Fußgänger dann gleichberechtigt wären. „Es ist auch etwas anderes, ob man am Sonnabendmittag oder Sonntagnacht auf dem Radweg fährt“, sagte von Dassel.

Autofreie Friedrichstraße - lesen Sie auch:

Friedrichstraße: Laut von Dassel gab es bisher keine „Schwerverletzten“

Die Entscheidung über ein angepasstes Tempolimit liege aber bei der Senatsverkehrsverwaltung, also bei Regine Günther (Grüne). Dort verweist man derzeit lediglich auf die „kontinuierlichen Abstimmungen“ zwischen der Abteilung Verkehrsmanagement, den Anrainern und dem Bezirk. Kritiker des Modellversuchs „autofreie Friedrichstraße“, der seit knapp einem Monat läuft, befürchten, dass Fußgänger beim Überqueren des vier Meter breiten Radwegs mit zu schnellen Fahrradfahrern zusammenstoßen könnten. Laut von Dassel gebe es aber bislang keine „Schwerverletzten“.

Erst am Donnerstag und am vergangenen Dienstag hatte die Berliner Polizei bei Verkehrskontrollen auf der Friedrichstraße die Geschwindigkeit von Radfahrern mit einem Handlaser gemessen. „Am Donnerstag hat es keine Geschwindigkeitsverstöße gegeben“, sagte eine Polizeisprecherin. Wie viele Radfahrer bei der zweistündigen Polizeikontrolle gemessen worden sind, konnte sie zunächst nicht sagen.

Am Dienstag hatten Beamte bei einem ähnlichen Einsatz die Geschwindigkeit von rund 20 Radfahrern gemessen. Tempo 26 war die Höchstgeschwindigkeit. „Es wurden keine ahndungsrelevanten Geschwindigkeitsüberschreitungen festgestellt“, sagte eine Polizeisprecherin. Allerdings seien fünf Fahrradfahrer wegen des Nutzens eines Smartphones am Lenker angezeigt worden. Der Modellversuch wird Ende Januar 2021 beendet. Eine erste Auswertung über die wirtschaftliche Entwicklung der Anrainer soll Ende November, Anfang Dezember vorliegen, so der Bezirk.