Verkehr

Autofreie Friedrichstraße nun auch offiziell eröffnet

Startschuss für den Modellversuch der autofreien Zone auf der Friedrichstraße – Besorgnis bei Händlern und Gastronomen.

Radfahrer und Fußgänger bewegen sich auf der für Fahrzeuge gesperrten Friedrichstraße in Mitte.

Radfahrer und Fußgänger bewegen sich auf der für Fahrzeuge gesperrten Friedrichstraße in Mitte.

Foto: dpa

Berlin. Kaum hatte Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) die Eröffnung des Modellversuchs „autofreie Friedrichstraße“ verkündet, rollte im Hintergrund eine silberne Limousine über die Fahrbahn. Der Wagen mit Schweizer Kennzeichen stand symbolisch dafür, dass wohl nicht jeder mit der Neukonzeption des Abschnitts von Französischer bis Leipziger Straße einverstanden ist. Passend dazu beschrieb die Verkehrssenatorin die ersten Rückmeldungen dazu als „sowohl begeistert als auch kritisch“. Besonders im Fokus steht dabei der vier Meter breite Radweg in der Mitte der Straße.

„Wir schauen jetzt erstmal, wie es läuft. Sonst wäre es kein Pilotversuch“, so Regine Günther bei der Eröffnung am Freitag. Diese hatte eigentlich schon am 29. August stattfinden sollen, war aber wegen der Corona-Proteste verschoben worden. Das Projekt sei dynamisch gestaltet, es gebe regen Austausch mit den Gewerbetreibenden, so Günther. Sollte sich etwa das Tempolimit auf 20 km/h als zu schnell erweisen, könne hier nachgebessert werden.

Stephan von Dassel: Feedback jeder Art willkommen

Dass Feedback jeder Art willkommen sei, betonte auch der Bezirksbürgermeister von Mitte, Stephan von Dassel (Grüne). Sein erster Eindruck: Es sei belebter, schöner – und vor allem leiser. „Es kann nicht alles von Beginn an klappen“, resümierte von Dassel die erste Woche des Modellversuchs. Ganz bewusst sei allerdings die Wirtschaftsförderung des Bezirksamts die Kontaktadresse des Projekts. Schließlich gehe es insbesondere um die Geschäfte entlang der Friedrichstraße. Hier solle mit zusätzlichem gastronomischem Angebot und weiteren Warenpräsentationen direkt an der Straße nachgebessert werden. Dass die bereits aufgestellten Ausstellungsvitrinen „nach einer Woche nicht beschmiert und nicht kaputt“ seien, zeige aber bereits, dass es sich lohne, den Stadtraum angemessen zu gestalten.

Modellversuch sei ein „Alleingang der Politik“

Die Stimmen der Gewerbetreibenden sind derweil gemischt. Stefanie Hoffmann, Geschäftsführerin des „Einstein Kaffee“, bedient ihre Gäste auf der Fahrbahn. „Die Friedrichstraße wurde aufgewertet. Die Leute kommen zu Fuß, um sich die Läden anzuschauen“, sagt sie. Sie genieße die momentane Ruhe, aber mit Blick auf die anstehende kältere Jahreszeit kommen ihr auch Zweifel. Da helfe der zusätzliche Außenbereich vielleicht nicht mehr. Gegenwind kommt auch vom Verein „Die Mitte“, der Gewerbetreibende und Gastronomen vertritt. Till Esser ist Mitglied des Kuratoriums. „Wir waren offen für die Pläne für die Friedrichstraße“, sagt er. Man habe im Vorfeld zwar viele Konzepte miteinander besprochen, sei aber als Verein irgendwann nicht mehr berücksichtigt worden. Letztlich sei der Modellversuch zu einem Alleingang der Politik geworden. „Das ist schade, denn das Projekt ist unausgereift.“ Die Jahreszeit sei nicht optimal, und niemand der Geschäftsinhaber und Anwohner wisse, wer sich um Bäume und Schauvitrinen kümmern solle.

Ernüchtert sieht auch Sebastian Czaja, Fraktionsvorsitzender der FDP im Abgeordnetenhaus, die ersten Erfahrungen mit der Sperrung. „Statt einer florierenden Flaniermeile ist hier eine graue Wüste entstanden – inklusive Radrennstrecke.“ Verbesserungsbedarf sieht auch Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin. Man müsse ein schlüssiges Marketingkonzept mit den Händlern erarbeiten sowie ein Verkehrskonzept für die umliegenden Straßen. Aus dem Büro der Verkehrssenatorin heißt es dazu, an 42 Kreuzungen werde ein Vorher-Nachher-Vergleich gezogen, ebenso werde die Luftqualität gemessen.

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