Straßenumbenennung

SPD Mitte will Mohrenstraße in Amostraße umbenennen

Amostraße statt Glinkastraße? Anton Wilhelm Amo gilt als erster afrikanischer Philosoph in Deutschland.

Nachdem eine Demonstration unter dem Motto "Nein zu Rassismus" durch die Mohrenstraße zog, wurde der Eingang des gleichnamigen U-Bahnhofs mit Aufklebern beklebt.

Nachdem eine Demonstration unter dem Motto "Nein zu Rassismus" durch die Mohrenstraße zog, wurde der Eingang des gleichnamigen U-Bahnhofs mit Aufklebern beklebt.

Foto: Philipp Siebert

Berlin. Sicher ist, die Berliner U-Bahn-Station Mohrenstraße soll umbenannt werden. Viele Menschen empfinden den Namen als rassistisch. Doch unsicher ist bislang, wie die Station künftig heißen soll. Nun unterstützt die SPD Mitte einen Vorschlag, der schon länger diskutiert wird: Sie will die Straße und damit einhergehend auch die Station nach dem Philosophen Anton Wilhelm Amo (1703 - vermutlich 1753) benennen. Das bestätigte Julia Plehnert, Co-Sprecherin Projektgruppe Postkolonialismus der SPD Mitte, der Berliner Morgenpost am Donnerstag.

„Nach heutigem Stand schadet der derzeitige Straßenname der Stadt“, sagte Plehnert und fügte an: „Rassistische Denk- und Handlungsmuster müssen als Folge des Kolonialismus betrachtet werden. Wir brauchen einen Perspektivenwechsel im Umgang mit Deutschlands Kolonialvergangenheit.“ Plehnert zufolge ist Amo ein geschätzter Intellektueller seiner damaligen Zeit, der nicht in das alltägliche Bild über Afrika hineinpasse. In einer Pressemitteilung der SPD Mitte heißt es: „Damit soll eine historische Persönlichkeit afrikanischer Herkunft geehrt werden, die eng mit der Geschichte des Straßennamens verbunden ist.“ Die Vorschläge zur Umbenennung der Mohrenstraße in Amostraße gibt es schon länger. Das Bündnis „Decolonize Berlin“ setzt sich schon seit Jahren für den neuen Namen ein.

Namensgebung wird in der BVV Ende August behandelt

Amo gilt als erster afrikanischer Philosoph in Deutschland. Er wurde als Einjähriger nach Deutschland verschleppt und dem Fürsten von Braunschweig-Wolfenbüttel „geschenkt“. Während seines Studiums der Philosophie und der Rechtswissenschaften entwickelte sich Amo zu einem geschätzten Philosophen der damaligen Zeit. Seine erste wissenschaftliche Arbeit beschäftigte sich mit dem Recht der Schwarzen in Europa. Später lehrte er an der Universität in Jena. 1747 verließ er Deutschland ins heutige Ghana.

Bislang stand die Umbenennung der U-Bahn-Station im Mittelpunkt. Nach den jüngsten Protesten nach dem gewaltsamen Tod an dem US-Amerikaner George Floyd kündigten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) an, die Station zunächst in Glinkastraße umzubenennen. Doch der Name stieß vonseiten der Politik auf viel Kritik, da der russische Komponist Michail Wanowitsch Glinka Antisemit war. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) befürwortete diesen Namen zunächst auf Twitter, ruderte dann aber zurück. „Schnellschüsse sind in solchen Angelegenheiten wirklich nicht angebracht“, sagte sie. Stattdessen forderte Pop ein „offenes Verfahren“ unter Beteiligung von Verbänden, Initiativen und Anwohnern.

Während die BVG ihre Stationennamen in einem schnellen Verfahren nach angrenzenden Straßen auswählen darf, dauert der Prozess zur Umbenennung des Straßennamens länger. Zunächst muss die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) einem Antrag zustimmen, der anschließend vom Bezirksamt umgesetzt wird. Ein entsprechender Antrag kann frühestens in der BVV nach der Sommerpause Ende August behandelt werden.

Lesen Sie dazu auch: U-Bahnhof Mohrenstraße wird umbenannt

Mohren- oder Glinkastraße - das ist hier die Frage

Auch in Köln flammt ähnliche Diskussion auf

Während sich in Berlin die Gemüter an der möglichen Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstraße erhitzen, flammt eine ähnliche Diskussion auch in Köln auf. Der Grund: Auch die Stadt am Rhein hat eine Mohrenstraße, einen Straßenzug mitten in der Innenstadt. Der SPD-Ortsverein der Kölner Südstadt möchte diese nun umbenennen.

Zwar gehe es zunächst darum, eine Debatte anzustoßen, sagte SPD-Vertreter Tim Cremer am Donnerstag. „Aber wir wollen schon Geschichte aufarbeiten.“ Nach aktuellem Stand gehe man davon aus, dass es sich um einen diskriminierenden Begriff handle. „Wir wollen die umbenennen.“ Zuvor hatte der „Kölner Stadt-Anzeiger“ darüber berichtet.

Für eine mögliche Änderung des Straßennamens ist die höhere kommunale Ebene der Bezirksvertretung in Köln zuständig. Ein entscheidender Faktor in der Diskussion könnte der Ursprung des Kölner Straßennamens werden. Ein Argument lautet nämlich, dass er eigentlich als Ehrung gemeint war. Die Kölner Afrikanistik-Professorin Marianne Bechhaus-Gerst hat sich damit beschäftigt. „Der Name soll an den Heiligen Gregorius Maurus und andere Soldaten der Thebäischen Legion erinnern – unter anderem auch an St. Gereon –, die afrikanischer Herkunft waren“, erklärte sie. „Dass es sich hier um eine Ehrung handelt, ändert aber nichts daran, dass die Bezeichnung rassistisch ist.“

In Frankfurt am Main entfernte eine Apotheke 2018 ihr Logo, das eine schwarze Frau mit Turban und großen Ohrringen zeigte. Genauso jüngst in Wien: Eine Pharmazeutin verdeckte das diskriminierende Bild eines Schwarzen im Schaufenster ihrer „Mohren-Apotheke“, eine Änderung des Namens soll folgen.