Wippe

Umstrittenes Projekt: Spatenstich für Einheitsdenkmal

Der Spatenstich für das Einheits- und Freiheitsdenkmal auf der Schlossfreiheit ist erfolgt. Ab 2022 soll es zugänglich sein.

Startschuss für neues Einheitsdenkmal in Berlin

Startschuss für das Einheitsdenkmal in Berlin: Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) setzte den ersten symbolischen Spatenstich für die "Einheitswippe", die in der Nähe des wiederaufgebauten Stadtschlosses im Herzen Berlins entstehen soll. IMAGES AND SOUNDBITES

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Berlin. Für eines der umstrittensten Bauprojekte Berlins ist endgültig der Startschuss gefallen. Am Donnerstagvormittag fand der symbolische erste Spatenstich für den Bau des Freiheits- und Einheitsdenkmals vor dem Humboldt Forum statt, das an die friedliche Revolution 1989 und die deutsche Wiedervereinigung erinnern soll.

Nicht oft wird auf der Schlossfreiheit, im absoluten Zentrum Berlins, ein Baustart gefeiert, erst recht nicht für ein Objekt von solch symbolischer Bedeutung. Doch auch darauf kann während der Corona-Pandemie keine Rücksicht genommen werden. Entsprechend überschaubar geriet der kurze Termin mit lediglich einigen wenigen Politikern und Medienvertretern im Schatten der Baustelle am Humboldt Forum.

„Der heutige Baustart hätte zweifellos mehr Gäste und einen festlicheren Rahmen verdient gehabt“, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) in ihrer Ansprache. Im Gegensatz zum aktuell nötigen Abstand hätten die DDR-Bürger damals eng zusammengestanden für Freiheitsrechte und Demokratie. „Mit dem Denkmal erinnern wir an jene Menschen, die aufgestanden sind, ihre Stimme zu erheben“, so Grütters. Es solle im Gedächtnis bleiben, was „diese Sternstunde unserer Demokratie“ möglich gemacht habe.

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Einheitsdenkmal in Berlin wird auch "Einheitswippe" genannt

Letztlich passt der kleine Empfang fast schon wieder zu einem Projekt, das seit jeher mit enormen Widrigkeiten und Ablehnung zu kämpfen hat. Über die Pläne für das Denkmal, von manchen „Einheitswippe“ genannt, wird seit vielen Jahren kontrovers debattiert. Die ersten Forderungen nach einem solchen Erinnerungsort stammen noch aus den 90er-Jahren. Bereits im November 2007 fasste der Deutsche Bundestag den Beschluss zur Errichtung des Denkmals in der Mitte Berlins.

Aus dem späteren Wettbewerbsverfahren gingen das Architekturbüro Milla & Partner und Sasha Waltz mit ihrem Entwurf „Bürger in Bewegung“ vor nunmehr neun Jahren als Sieger hervor. Die große Schale soll in Erinnerung an die friedliche Revolution und die Wiedervereinigung Deutschlands die Aufschrift „Wir sind das Volk. Wir sind ein Volk.“ tragen. Wie bei einer Waage soll sich das begehbare Bauwerk neigen, je nachdem, wie sich die Menschen darauf verteilen.

Dann allerdings stoppte der Haushaltsausschuss des Bundestags 2016 den Bau des Projekts, nachdem es einen Streit um die Kosten gegeben hatte. Deshalb stimmte der Bundestag im Juni 2017 erneut über den Bau des Denkmals ab. Mehrheitlich wurde damals entschieden, dass das Projekt gebaut werde. Erst 2018 gab der Haushaltsausschuss die Mittel für das Projekt schließlich frei.

Einheitsdenkmal in Berlin: Finanzdebatte und Fledermäuse hielten Bau auf

Doch bis zuletzt war unklar, wann die Bauarbeiten für den 17,2 Millionen Euro teuren Bau starten können. Wegen Wasserfledermäusen, die in dem Sockel ihre Kolonie haben, drohte sich der Baubeginn weiter zu verzögern. Ende April kam es schließlich zur Einigung mit der obersten Naturschutzbehörde Berlins. Für die Wasserfledermäuse sollen nun Ersatzquartiere an den umliegenden Brücken geschaffen werden.

„Man konnte gelegentlich den Eindruck gewinnen, noch schwieriger als eine demokratische Revolution anzustoßen, sei es, ihr ein Denkmal zu setzen“, sagte Grütters. Als das Projekt zwischenzeitlich abgesagt wurde, seien ihr auch Zweifel gekommen, ob es jemals realisiert würde. Nun sei sie jedoch erleichtert, dass es doch endlich zum Bau komme, so die Kulturstaatsministerin. „Die Erinnerung verdient einen prominenten Platz im Zentrum unserer Hauptstadt.“

Der ehemalige Bundestagspräsident und DDR-Bürgerrechtler Wolfgang Thierse (SPD) zeigte sich froh, dass es nach vielen Jahren des Gezerres und Streitereien um Finanzen, Denkmalschutz und Fledermäuse nun endlich losgehe. „Ich fand es schon peinigend und peinlich, wie lange es gedauert hat.“ Zwischenzeitlich habe er gedacht, so Thierse, die Deutschen seien unfähig, sich an diesen Moment ihrer Geschichte zu erinnern. Das kommende Denkmal hält der Bundestagspräsident a.D. daher für nötig. Das Brandenburger Tor sehe er als Symbol der Spaltung. Im neuen Denkmal hingegen verdeutliche sich die Einheit.

Einheitsdenkmal in Berlin soll schon im kommenden Jahr fertig sein

„Heute ist ein freudiger Tag“, befand Architekt Sebastian Letz, der das Denkmal entworfen hat. Trotz aller Probleme habe das Büro immer an das Projekt geglaubt. Nun geht es für sie in die Bau­phase. Bis 2021 werde das Denkmal fertig sein. Anschließend müsse das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung jedoch am Sockel arbeiten. „Ich gehe davon aus, dass es im Frühjahr 2022 für die Bürger zugänglich sein wird“, so Letz.

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