Berliner Stadtschloss

Humboldt Forum - Eröffnung verzögert sich

Eigentlich soll das Humboldt Forum im September für Besucher öffnen. Doch daraus wird offenbar nichts.

Die Baustelle rund um das Humboldt Forum im Bezirk Mitte.

Die Baustelle rund um das Humboldt Forum im Bezirk Mitte.

Foto: Wolfgang Kumm / ZBDeutsche Presse-Agentur! Honorarfrei für FMG-Tageszeitungen!

Es ist eine Nachricht, die angesichts der Entwicklungen der letzten Wochen nicht eben überraschend kommt – aber enttäuschend ist sie doch: Die eigentlich für September geplante erste Teileröffnung des Humboldt Forums wird verschoben. Die Stiftung bestätigte am Dienstag entsprechende Berichte. Sie beruft sich dabei auf durch die Corona-Krise unterbrochene Lieferketten dringend benötigter Baumaterialien und den Mangel an Facharbeitern.

Kleinere Bereiche vielleicht im Winter zugänglich

„Wegen der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Kapazitätseinschränkungen und Lieferengpässe auf der Baustelle kann dieser Termin nicht gehalten werden“, hieß es zur Begründung. Nur 70 bis 75 Prozent der Arbeitskräfte seien wegen Einreisebeschränkungen und Quarantänevorgaben verfügbar gewesen. Die Verantwortlichen wollen „noch in diesem Jahr“ die Ausstellungen zur Geschichte des Ortes im Skulpturensaal und im Schlosskeller sowie den Schlüterhof mit Gastronomie und die Schlosspassage mit dem Museumsshop öffnen.

Verschoben werde allerdings die zum Auftakt geplante Elfenbein-Ausstellung. „Wegen der Corona-Krise ist der notwendige Leihverkehr von Museen und Sammlungen aus dem In- und Ausland eingestellt worden“, hieß es aus Stiftungskreisen. Derweil werde an alternativen, auch digitalen Programmen gearbeitet. „Welche Einschränkungen für den Publikumsverkehr im Verlauf des Jahres noch gelten werden, kann gegenwärtig noch nicht beurteilt werden“, hieß es zudem.

Schon vor Wochen war spekuliert worden

Über eine mögliche Verschiebung des Eröffnungstermins war in den vergangenen Wochen angesichts der Corona-Beschränkungen schon mehrfach spekuliert worden – noch stärker, nachdem am 8. April im Portal I des Baus ein Gussasphalt-Wagen in Brand geriet. Er machte den Einsatz von 80 Feuerwehrleuten erforderlich und hinterließ schwere, nur aufwändig zu entfernende Rußspuren an den Wänden. „Vermutlich sind die die in näherer Zukunft geplanten Eröffnungen stärker in Gefahr als längerfristige Vorhaben“, hatte Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) Mitte April im Gespräch mit der Berliner Morgenpost gesagt. „Ob das Humboldt Forum im Herbst dieses Jahres eröffnet, wage ich zu bezweifeln.“

Es ist bereits die dritte Terminverschiebung, die das inzwischen 644 Millionen Euro teure Prestigeprojekt in Berlins historischer Mitte hinnehmen muss, das als Kultur- und Ausstellungszentrum konzipiert ist. Ursprünglich war geplant, das Humboldt Forum wenigstens in Etappen ab dem 14. September 2019, dem 250. Geburtstag des Mit-Namensgebebers Alexander von Humboldt, für die Öffentlichkeit frei zu geben. Doch dieser Termin erwies sich schon frühzeitig als illusorisch. Der Ehrentag des berühmten Naturforschers und Entdeckers wurde dann mit einer kleinen Veranstaltung im Erdgeschoss der Baustelle und einer provisorischen Ausstellung begangen.

Hoffnungen, es könnte stattdessen noch im November 2019 klappen, hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits zerschlagen: Bei einem Baustellenrundgang im Juni 2019 machte die Präsidentin des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, Petra Wesseler, Defekte bei technischen Anlagen wie Kühlanlagen und Heizung für die Verzögerung verantwortlich.

Starker Anstieg der Baukosten wegen früherer Verzögerung

Im November 2019 wurde außerdem ein beträchtlicher Anstieg der geplanten Baukosten durch die Verzögerung bekannt. Die Stiftung meldete einen Mehrbedarf von 49,2 Millionen Euro gegenüber den ursprünglich geplanten 595 Millionen Euro an. „In Folge der seit 2015 anhaltend gestörten Bauabläufe, insbesondere in der Gebäudetechnik, können zusätzlich anfallende Kosten projektintern nun nicht mehr ausgeglichen werden“, hieß es seinerzeit zur Begründung. Die Mehrkosten wurden komplett aus Mitteln des Bundes finanziert.

Mit welchem finanziellen Mehraufwand die erneute Verschiebung verbunden ist, kann derzeit nicht beziffert werden. Dass in den letzten Wochen deutliche Fortschritte am Bau erzielt wurden, zeigt der Augenschein: die Kuppel ist inzwischen nicht mehr eingerüstet und bereit für den Aufbau des kontrovers diskutierten Kreuzes, der dem Vernehmen nach noch in diesem Monat erfolgen könnte. Auch ist zu hören, dass der Aufbau der Ausstellungen bereits erhebliche Fortschritte gemacht hat. Von der Stiftung Stadtmuseum Berlin, die zusammen mit der landeseigenen Gesellschaft Kulturprojekte Berlin an einer großen Ausstellung im ersten Obergeschoss des Humboldt Forums arbeitet, war zuletzt wiederholt bekräftigt worden, den ursprünglich vorgesehenen Eröffnungstermin im Herbst einhalten zu können.

Wenn das Humboldt Forum denn eines Tages eröffnet hat, soll das Gebäude mit seinen 40.000 Quadratmetern Nutzfläche von drei Akteuren bespielt werden: der Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit Sammlungspräsentationen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst, die Stiftung Stadtmuseum Berlin mit der besagten Berlin-Ausstellung und die Humboldt-Universität mit dem Humboldt Labor, einem öffentlichen Ort der Wissenschaft. Geplant ist außerdem die Zusammenarbeit mit weiteren Institutionen für wechselnde Sonderausstellungen und Veranstaltungen. mit dpa