Mitte

In diesem Jahr kein Theater im Monbijoupark

SPD- und Grüne-Fraktion schieben einen Antrag auf. Nun bleibt den Machern des Theaters keine Zeit mehr ein Programm aufzustellen.

Aufführungen wie diese aus dem Jahr 2016 wird es im Monbijoupark so schnell nicht wieder geben.

Aufführungen wie diese aus dem Jahr 2016 wird es im Monbijoupark so schnell nicht wieder geben.

Foto: Monbijou Theater / Bernd Schönberger

Für die Betreiber des Theaters Märchenhütten im Monbijoupark hätte alles gut werden können. Am Mittwoch hätten die Bezirkspolitiker in Mitte einer Beschlussvorlage für eine Bebauungsplanänderung des Parks zustimmen können. Statt Grünfläche in einem Bereich also eine kulturelle Nutzung. Auf dieser Grundlage hätte den Betreibern eine Ausnahmegenehmigung für den Sommer erteilt werden können. In einem Drama würde man die Szene als retardierendes Moment bezeichnen. Nun steuert aber alles auf eine Katastrophe hin.

David Regehr war nach der Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Natur, Verkehr und Grünflächen am Mittwochabend sichtlich entsetzt. „Rechnerisch wird es in diesem Sommer keine Aufführung im Monbijoupark geben“, sagte der Mitgesellschafter der Märchenhütten und der Monbijoutheater gGmbH. SPD- und Grünen-Fraktion hatten für die Vertagung eines entsprechenden Antrags gestimmt. Damit kann frühestens in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) im April darüber entschieden werden, wie es mit der kulturellen Nutzung im Monbijoupark weitergehen soll.

Theaterproben könnten erst Mitte Mai starten

Insbesondere, ob die Märchenhütten dort stehen bleiben dürfen, eventuell in einer anderen Form oder eben ganz weg müssen, so wie vom Bezirksamt Mitte im vergangenen Oktober angeordnet. Selbst wenn sich die Abgeordneten in der BVV dann mehrheitlich für den Kulturstandort aussprechen, könnten die Theaterproben erst Mitte Mai starten. Zu wenig Zeit für Regehr, um ein Programm für die Zeit ab Juni aufzustellen. Normalerweise würden die Proben dafür bereits im April starten.

Den Antrag auf Vertagung hatte die SPD-Fraktion wegen „Beratungsbedarf“ eingereicht. Das Kuriose dabei ist, der Antrag sollte ursprünglich schon im Oktober behandelt werden, ist aber seit dem zwei Mal aufgeschoben worden. Dahinter steckt aber mehr als ein bisschen Beratungsbedarf. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Sonja Kreitmair erklärte: „Ich kann in der heutigen Zeit in einer dicht besiedelten Innenstadt keine Grünfläche bebauen lassen.“ Die Aufschiebung schiebt der derzeitigen Situation erst einmal einen Riegel vor.

Ihre Fraktion sei nicht grundsätzlich gegen Kultur im Monbijoupark, aber wolle dort „fliegende Bauten“, die wieder abmontiert werden können und mit dem Weltkulturerbe Museumsinsel verträglich sind. Das sei derzeit nicht gegeben, ohnehin hätten die Märchenhütten keine Genehmigung. Den „Schwarzen Peter“ wegen der verlorenen Spielzeit des Theaters will sich Kreitmair aber nicht zuschieben lassen. „Eine Entscheidung hätte an einer temporären Nutzung nichts geändert“, sagte sie.

Grüne-Fraktion stimmt aus taktischen Gründen für eine Vertagung

Unterstützung für die Vertagung bekam die SPD-Fraktion bei der Vertagung von den Grünen. Für die Fraktion hatte die Entscheidung aber in erster Linie taktische Gründe. Die Abgeordneten sahen wegen der Unschlüssigkeit der SPD ihre Interessen in Gefahr. „Wir sind gegen die Bebauungsplanänderung“, sagte Michael Greiner der Berliner Morgenpost. Und am Mittwoch hätte eben im Zweifel für eine Bebauungsplanänderung abgestimmt werden können.

Also reines Taktieren? Jein. Der Grünen-Politiker befürchtete, wenn die Fläche möglicherweise als Baufläche ausgewiesen werde, auch andere Interessenten auf den Plan treten könnten, die das Gelände nicht nach den jetzigen Vorstellungen des Bezirks nutzen wollen. „Dieses Risiko wollten wir nicht eingehen.“ Deshalb habe man der Vertagung zugestimmt.

Mit dieser Entscheidung trafen die SPD und Grünen-Fraktionen auf reichlich Unverständnis bei sämtlichen anderen Parteien. Clemens Torno (AfD) reagierte in der Sitzung mit Kopfschütteln. Bastian Roet (FDP) schrieb kurz nach der Sitzung auf Twitter: „Ich bin sauer!“ Ihm zufolge hätten SPD und Grüne durch das Aufschieben der Beschlussfassung eine Debatte in der nächsten BVV verhindert.

Sven Diedrich: „Keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung“

Gegenwind bekamen SPD und Grüne auch von Sven Diedrich (Linke). Er warnte noch vor der Abstimmung in der Sitzung, dass ein Nicht-Beschluss das Aus für das Theater im Jahr 2020 bedeuten würde. Retten konnte er damit aber nichts mehr. „Keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung gegen kulturelle Nutzung“, sagte er. Ihm zufolge hätte man durch einen Beschluss eine weitere Diskussion über die Art der Nutzung in der BVV anstoßen können. „Außerdem wollten wir auch in diesem Jahr Tanz und Theater“, sagte Diedrich.

So wie das Theater im Monbijoupark derzeit aufgebaut ist, hätte es auch die CDU-Fraktion mithilfe einer Ausnahmegenehmigung zumindest für dieses Jahr gerne gesehen. Martin Leuschner sagte, überall beschwere man sich, dass Kulturstandorte verdrängt werden. Stichwort Uferhallen. In Mitte gebe es einen, der über Berlin hinaus bekannt sei, aber man setze sich nicht dafür ein. Wie es nun weitergeht ist offen. Die Beschlussvorlage steht in der nächsten Sitzung im März erneut auf der Tagesordnung.

Das Monbijoutheater, früher Hexenkessel Hoftheater, zeigte mehr als 20 Jahre lang Aufführung in dem Park gegenüber dem Bode-Museum. Die Schauspieler bespielten im Sommer das Amphitheater und im Winter die Märchenhütten. Bereits im Dezember 2018 beschloss die BVV allerdings das Aus für die Hütten. Seitdem stehen sie noch immer dort. Im vergangenen Jahr machte das Bezirksamt ernst. In einem Schreiben an die Betreiber hieß es: „Die Märchenhütten würden nicht weiter geduldet.“ Damals startete die Wintersaison des Theaters.