Prostitution

Politik will Situation an der Kurfürstenstraße verbessern

Immer wieder kommt es zu Gewaltvorfällen und Straftaten rund um den Straßenstrich. Wie die Politik die Situation verbessern will.

Prostitutierte an der Kurfürstenstraße (Archivbilld)

Prostitutierte an der Kurfürstenstraße (Archivbilld)

Foto: Reto Klar

Berlin. Eine transsexuelle Prostituierte und drei Jugendliche sind am vergangenen Sonnabend in der Kurfürstenstraße heftig aneinandergeraten. Wie die Polizei mitteilt, soll die Transfrau den Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 15 Jahren sexuelle Dienstleistungen angeboten haben. Nach dem die drei Teenager abgelehnt hatten, soll die Prostituierte mit Steinen nach ihnen geworfen haben. So hätten jedenfalls die Heranwachsenden den Beamten zufolge den Vorfall geschildert. Die Transfrau hingegen hätte bei der Polizei ausgesagt, von den Jugendlichen verfolgt und angegriffen worden zu sein.

Polizei leitet Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung ein

Gegen alle Beteiligten wird nun ein Strafverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung eingeleitet. Der transsexuellen Prostituierten wird außerdem Sachbeschädigung vorgeworfen, da sie vor der Auseinandersetzung auf einem parkenden Auto getanzt haben soll. Verletzt wurde nach Angaben der Polizei keiner der Beteiligten. Ein Anwohner hatte auf die Auseinandersetzung aufmerksam gemacht.

Vorfälle wie dieser sind an der Kurfürstenstraße keine Seltenheit. Anwohner fühlen sich durch die ständigen Polizeieinsätze, den Müll und den öffentlichen Geschlechtsverkehr gestört und fordern seit langem eine Verbesserung der Situation. Auf der anderen Seite stehen Frauen, die in die Prostitution gedrängt werden.

Angelika Schöttler, Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg, sind die „belastenden Begleitererscheinungen“ für die Menschen vor Ort bekannt. „Die Probleme und Anliegen nehme ich sehr ernst“, sagt sie und fügt an, „der Bezirk arbeitet an einer Verbesserung des Miteinanders im Kurfürstenkiez“.

Öffnungszeiten des Treffpunkt Olgas an der Kurfürstenstraße werden ausgeweitet

Noch im ersten Quartal des Jahres sollen die Öffnungszeiten des Treffpunkts Olga und damit die Arbeit der Streetworker ausgeweitet werden. Außerdem sollen mehr Toiletten aufgestellt werden, die auch öfter gereinigt werden. Für die Frauen soll ein Duschmobil bereitgestellt werden. Damit folgen die Bezirksämter Mitte und Tempelhof-Schöneberg den Empfehlungen des runden Tisches Sexarbeit in Berlin, der zur Verbesserung der Gesamtlage um die Kurfürstenstraße einberufen worden war. Dabei handelt es sich aber zunächst um akute Problemlösungen. Auf Dauer wird sich durch diese Maßnahmen die Situation um die Kurfürstenstraße nicht entspannen, weder für die Prostituierten noch für die Anwohner.

Das sieht auch das Bezirksamt in Mitte so. Auf Nachfrage heißt es dort: „Eine schnelle Lösung ist aufgrund der komplexen Zuständigkeiten leider nicht möglich, da diese unterschiedlich innerhalb Berlins verteilt sind.“ Neben den beiden Bezirken kümmert sich auch die Senatsverwaltung um das Problemquartier.

Erst im November scheiterte die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus mit einem Antrag, den Straßenstrich in der Gegend zu verbieten. Zwar sehnen sich viele Anwohner nach dieser Art der Problemlösung und auch Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) hatte sich in der Vergangenheit immer wieder für einen Sperrbezirk ausgesprochen. Aber die Mehrheit im Abgeordnetenhaus, SPD, Grüne, Linke und FDP, stimmte dagegen. Für Schöttler die richtige Entscheidung. „Die Einrichtung eines Sperrbezirks führt nicht zu einer Beseitigung, sondern lediglich einer Verlagerung der Problematiken“, sagt sie.

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