Umgestaltung

Karl-Marx-Allee: Grünstreifen soll schon im Juni kommen

Bei einem Bürgerdialog wurde über die geplanten Grünstreifen auf der Karl-Marx-Allee diskutiert. Schon im Juni soll Baubeginn sein.

Bei der Bürgerbeteiligung am Montagabend sprach niemand mehr von Parkflächen auf der Karl-Marx-Allee. Der Grünstreifen scheint beschlossene Sache.

Bei der Bürgerbeteiligung am Montagabend sprach niemand mehr von Parkflächen auf der Karl-Marx-Allee. Der Grünstreifen scheint beschlossene Sache.

Foto: SenUVK/Eve Images

Berlin. Aus einem geplanten Dialog mit den Bürgern ist ein Monolog der Politiker geworden. Im Streit um den Mittelstreifen der Karl-Marx-Allee sprachen am Montagabend weder Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) noch Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) oder Kulturstaatssekretär Gerry Woop (Linke) von Parkplatzflächen. Viel mehr ließen die Politiker bei der Bürgerveranstaltung im Kino International mit rund 500 Besuchern durchblicken, dass hinter den Kulissen bereits Konsens herrscht. Kritik an dem Vorgehen kam aus den Fraktionen der CDU und der FDP.

Aber der Reihe nach: Im Vorfeld der Bürgerbeteiligung in Form des Bürgerdialogs hieß es vonseiten der Akteure, alle Option seien noch auf dem Tisch - Parkplätze oder Grünstreifen und auch bei der Gestaltung der jeweiligen Optionen gebe es noch keine Einigung. Vor zwei Monaten übte Ephraim Gothe Kritik an dem Alleingang der Verkehrssenatorin einen Grünstreifen durchzusetzen. Am Montagabend sprang er ihr aber doch zur Seite. Und zwar mit jenem Argument, das Befürworter der Parkplätze inmitten der Karl-Marx-Alle nur schwer aus dem Weg räumen können: Die Parkplatzversorgung an der Karl-Marx-Allee ist überdurchschnittlich gut.

170 Parkplätze sollen an der Karl-Marx-Allee weichen

Auf rund 4700 Wohnungen kommen in etwa 3500 Parkplätze. Das entspricht einem Verhältnis von sieben Parkplätzen auf zehn Wohnungen. In anderen Teilen der Stadt gebe es gerade einmal halb so viele Stellflächen, in manchen Quartieren werde sogar nur mit einem Platz gerechnet. Da seien die rund 170 Parkplätze Gothe zufolge nur von „marginaler“ Bedeutung, die wegen des Stadtgrüns wegfallen sollen.

Bei Anwohnern und Senatsmitgliedern lösten aber jene 170 Parkplätze im Dezember vergangenen Jahres großen Ärger aus. Im Zentrum der Kritik stand vor allem die Vorgehensweise der Verkehrssenatorin. Die beteuerte sogleich zu Beginn der Veranstaltung im Kino International gegenüber den Anwohnern: „Es war niemals geplant, Sie nicht einzubeziehen. Drei Tage nach den Presseberichten wären wir proaktiv auf Sie zugekommen.“ Worte, die im Nachhinein wie eine Beschwichtigung wirken. Dennoch nutzte sie den Abend, um alternativlos für den geplanten Grünstreifen zu werben. „Wir brauchen mehr Grün statt Stein und Beton, die Hitze speichern“, sagte sie. Außerdem würden Parkplätze im Mittelstreifen der Karl-Marx-Allee eine Gefahr darstellen, da Menschen, die Fahrbahn überqueren und Autos ausparken würden.

Umgestaltung der Karl-Marx-Allee soll Welterbe-Bewerbung nicht gefährden

Auch der Kulturstaatssekretär Gerry Woop zeigte sich an dem Abend zufrieden in Hinblick auf den Denkmalschutz des Ensembles. Er mahnte zwar an, möglichst wenig am „Charakter“ der Straße zu ändern, um eine mögliche Bewerbung als Weltkulturerbe nicht zu gefährden. Das sei allerdings auch mit einer Grünfläche möglich. Wie das genau aussehen könnte, ließ er allerdings offen. Landschaftsarchitekt Carlo W. Becker schlug eine Fläche vor, auf der Insekten summen können. Und die Bürger brachten zum Ausdruck: Wenn schon eine Grünfläche, dann solle sie auch wirklich grün sein und nicht wie eine Steppe aussehen.

Dass der Grünstreifen auf der Magistrale vom Alexanderplatz nach Friedrichshain als ausgemacht gilt, hat am Montagabend auch Peter Fuchs vom Bündnis „Berliner Straßen für Alle“ so aufgefasst. Das Bündnis forderte im Vorfeld des Bürgerdialogs die Vermeidung der Parkplätze. „Es war eine fokussierte Information über den Mittelstreifen“, sagt er auf Nachfrage der Berliner Morgenpost.

Kritisch zum Vorhaben an der Karl-Marx-Allee äußerte sich Henner Schmidt, infrastrukturpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Er sagte der Berliner Morgenpost: „Angesichts der städtebaulichen und verkehrlichen Bedeutung der Karl-Marx-Allee sollte überlegt werden, einen neuen umfassenderen Prozess zur Gestaltung zu beginnen, der über das Klein-Klein von Parkplätzen und Grünstreifen hinausgeht und auch neue Ideen zur Verkehrsführung und baulichen Gestaltung entwickelt.“ Auch der verkehrspolitischer Sprecher der CDU, Oliver Friederici, übte Kritik an den Akteuren: „Man sollte dem Bürgerdialog der Vergangenheit mehr Rechnung tragen.“ Sein Vorschlag wäre daher ein Kompromiss, teilweise Grünfläche, teilweise Parkplätze.

Am Ende blieb die Diskussion offen, auch ist unklar, ob es die letzte Bürgerveranstaltung war. Aber eine Einigung wird es in den kommenden Wochen geben müssen. Denn Mitte des Jahres soll das Bauvorhaben im Mittelstreifen der Karl-Marx-Allee beginnen.