Naturkundemuseum

T-Rex Tristan Otto verlässt Berlin - auf Zeit

Der Dinosaurier ist nur noch dieses Wochenende in Berlin zu sehen. Danach zieht er nach Kopenhagen. Doch es gibt ein Wiedersehen.

Rund drei Millionen Menschen besuchten das Naturkundemuseum, um den Tyrannosaurus Rex Tristan Otto zu sehen.

Rund drei Millionen Menschen besuchten das Naturkundemuseum, um den Tyrannosaurus Rex Tristan Otto zu sehen.

Foto: Britta Pedersen / ZB

Berlin. Nach diesem Wochenende ist Schluss. Dann wird Tristan Otto in seine Einzelteile zerlegt. Wie Legosteine bauen Mitarbeiter des Naturkundemuseums das Skelett des Tyrannosaurus rex auseinander und schicken es nach Hause. In die Heimat der beliebten Bauklötze: Dänemark. Museumsbesucher können den Dinosaurier noch bis Sonntag betrachten. Es ist kein Abschied, sondern ein Wiedersehen.

Mit weit aufgerissenem Maul glotzt Tristan Otto bedrohlich in die Runde. Wäre das Naturkundemuseum in Berlin Jurassic Park, würde der T.rex wohl brüllen, um Tschüss zu sagen.

Tristan Otto sorgt für Besucheransturm im Naturkundemuseum

Angesichts seines Umzugs wird Museumsdirektor Johannes Vogel ein bisschen wehmütig bei der Abschiedsverkündung am Freitag. „Aber Tristan Otto hat große Langeweile, deshalb will er auch weiter wandern“, sagt Vogel. Man könnte meinen, er spreche über einen alten Freund, der zu Besuch war.

Und tatsächlich hat der 66 Millionen Jahre alte Gigant eine besondere Beziehung zu Berlin aufgebaut. Seit Beginn seiner Ausstellung hat die Eintrittskasse des Museums ordentlich geklingelt. Seit 2015 steht es in Berlin. Rund drei Millionen Menschen wollten das vier Meter hohe schwarze Skelett in den vergangenen Jahren sehen.

Allein im vergangenen Jahr waren es 740.000 Besucher. Zum Vergleich: Vor 2015 waren es jährlich rund 200.000 Besucher weniger gewesen. „Tristan hat geholfen, dass die Relevanz dieses Museums gestiegen ist“, sagt Vogel.

Der T.rex Tristan Otto könnte auch eine Isolde gewesen sein

Und nicht nur das Naturkundemuseum profitiert von Tristan Otto, sondern auch die Forschung. Wissenschaftler untersuchten die Überreste des Dinosauriers aus der Kreidezeit. Tristan Otto gilt mit seinen 170 Original-Knochen als besonders gut erhalten. Die Forscher fanden heraus, dass der Tyrannosaurus in einem Rhythmus von zwei oder drei Jahren seine Zähne gewechselt haben muss. Ebenfalls stellte man fest, dass der Urzeit-Bewohner krank gewesen sein muss. Der Kiefer sei stark angeschwollen. Dr. Oliver Hampe erklärt: „Das war kein Krebs, sondern eine chronische Entzündung.“

Die wichtigsten Fragen konnten bei Tristans Besuch in Berlin allerdings nicht geklärt werden: Wie alt er ist und welches Geschlecht er hat. Also könnte Tristan wohl auch eine Isolde sein.

Ab Montag beginnt im Naturkundemuseum die Feinarbeit. Zunächst werden Teile der Plattform abgebaut, ehe am 5. Februar der Kopf des Raubsauriers abgenommen wird.

Der T.rex ist ab April in Kopenhagen zu sehen

Linda Gallé ist die Ausstellungskuratorin und begleitet den Abbau. Eine Bauanleitung gebe es für den Dinosaurier nicht, sagt sie. Aber jeder Knochen könne einzeln entnommen werden. Mitarbeiter packen die Teile in Schaumstoff und verpacken sie anschließend in 30 Kartons. Dabei müssen sie mit Tristans Einzelteilen wie mit Porzellan umgehen. Denn die Knochen sind alles andere als stabil - eher rohe Eier als Granit. Und teuer. Rund acht Millionen Euro haben sich die Besitzer Jens Jensen und Niels Nielsen das Skelett kosten lassen.

In einem Lastwagen wird der T.rex nach Kopenhagen transportiert. Und soll ab 2. April auch schon wieder auf den Beinen stehen. Im Naturkundemuseum in Kopenhagen gehört Tristan Otto zusammen mit anderen Raubsauriern bis Ende März 2021 zur Ausstellung „König der Dinosaurier“.

Tristan Otto kommt wieder nach Berlin

Danach kehrt der T.rex wieder nach Berlin zurück. In der Hauptstadt soll er Teil des neu geplanten Wissenschaftscampus werden, der in den kommenden zehn Jahren entstehen soll. Rund 660 Millionen Euro stehen für das Projekt zur Verfügung.

Das Skelett des Dinosauriers wurde 2010 in Montana, USA gefunden. Es zählt zu den am besten erhaltenen Exemplaren. Die Besitzer des Skeletts haben es dem Naturkundemuseum und der Forschung kostenlos zur Verfügung gestellt. Wegen des bevorstehenden Umzugs haben Besucher zwischen Freitagabend und Sonntag freien Eintritt in das Museum.