Ausstellung

Charité Berlin: Museumsfinale mit gruseligen Präparaten

Das Medizinhistorische Museum der Charité schließt wegen Umbaus für fast zwei Jahre. Sonderöffnungszeiten und freier Eintritt.

Das 1899 fertiggestellte Gebäude wird ab Februar grundlegend saniert und mit moderner Klimatechnik ausgestattet.

Das 1899 fertiggestellte Gebäude wird ab Februar grundlegend saniert und mit moderner Klimatechnik ausgestattet.

Foto: Thomas Bruns, Berlin / BMM

Das Medizinhistorische Museum der Charité ist vor allem für seine umfangreiche medizinische Präparatsammlung bekannt. Sie ist Zentrum der Dauerausstellung und geht auf Rudolf Virchow (1821–1902) zurück, den Begründer der modernen Pathologie. „Im Schnitt zählen wir jährlich 90.000 Besucher", sagt Professor Thomas Schnalke, Arzt und Historiker und Direktor des Medizinhistorischen Museums. Tendenz steigend.

Allerdings ist ab Anfang Februar für voraussichtlich zwei Jahre Schluss. In dieser Zeit wird das Haus, das gegenüber dem Hauptbahnhof auf dem Gelände der Charité in Mitte liegt, grundlegend saniert. Zuvor verabschiedet man sich aber mit einem großen, viertägigen Museumsfest. Bei freiem Eintritt und verlängerten Öffnungszeiten bis in die späten Abendstunden gibt es stündlich Führungen durch die Dauer- und Sonderausstellung. „Daneben werden die Umbaupläne sowie ein 3-D-Architekturmodell des künftigen Museums in der Hörsaalruine gezeigt“, so Schnalke.

Medizinhistorisches Museum: Direktor beriet Macher der ARD-Serie "Charité"

"Man könnte meinen, ich leite ein reines Fachmuseum. Diese Bedenken kann ich ausräumen. Seit Jahren besuchen uns auch viele interessierte Laien“, so Thomas Schnalke. Das hat auch mit dem Erfolg der ARD-Fernsehserie "Charité" zu tun, die Millionen Menschen gebannt verfolgten.

In bislang zwei Staffeln – eine dritte ist gerade in Vorbereitung – wird die Geschichte des bundesweit berühmten Krankenhauses ergründet. Lag der Schwerpunkt anfangs auf dem Wirken so bedeutender Forscher wie Rudolf Virchow, Emil Behring, Paul Ehrlich und Robert Koch, fokussierte man sich in der zweiten Staffel auf die Rolle der Institution während der NS-Zeit. In beiden Fällen stand den Machern der Serie Professor Thomas Schnalke als wissenschaftlicher Berater zur Seite.

Auch interessant: 25.000 Besucher nehmen Abschied von T-Rex Tristan Otto

10.000 Präparate aus drei Jahrhunderten Forschung

Schulklassen auf Exkursion, Auszubildende verschiedener Heilberufe, angehende Mediziner: Sie alle besuchen gern das Museum. Die ältesten Präparate der berühmten Präparatsammlung stammen aus dem 18. Jahrhundert, etliche aus dem 19., die meisten jedoch aus dem 20. Jahrhundert. „Anfang der 40er-Jahren bestand die Sammlung aus rund 35.000 Präparaten“, so Schnalke. Die Zahl reduzierte sich infolge der Zerstörungen während des Zweiten Weltkrieges. „Heute umfasst sie wieder 10.000 Präparate, von denen 750 in unserer Dauerausstellung zu sehen sind.“

Auch zahlreiche chirurgische Instrumente, Modelle und Apparaturen lassen sich entdecken. Daneben können Besucher einen historischen Krankensaal mit zehn beispielhaften Patientengeschichten sehen. „Die Präparate lassen ‚unter die Haut‘ schauen“, sagt Schnalke. „Wir möchten aber auch, dass die Gäste ans Krankenbett treten.“

Auch künftig wird sich, zumindest mittelfristig, nur wenig an der Dauerausstellung ändern. „Der Virchow-Kern bleibt erhalten“, verspricht Schnalke. Zum letzten Mal zu sehen ist hingegen die aktuelle Sonderausstellung über den Chirurgen Ferdinand Sauerbruch. „Auf Messers Schneide“ zeigt beide Seiten des Mediziners: die des brillanten Arztes, dem bahnbrechende Operationen gelangen, und die des Opportunisten mit einer ambivalenten Haltung zum Nationalsozialismus.

Lesen Sie auch: Berlin bekommt Europas modernstes Herzzentrum

Während des Umbaus sichtbar bleiben

„Die Ausstellung hat sehr viel Anklang gefunden, gerade auch durch die zweite ‚Charité‘-Staffel, bei der unter anderem Sauerbruch zu den Protagonisten gehörte. Die Menschen, die sich näher mit ihm befassen wollen, interessiert vor allem, wie er wirklich war. Darauf versuchen wir Antworten zu geben.“ Auch die zweite Sonderausstellung „Die Kunst des Heilens“ über die australische Buschmedizin wird nach dem 2. Februar abgebaut.

„Wir wollen auch während des Umbaus sichtbar bleiben“, sagt Schnalke. So hofft das Museumsteam, Highlights der Dauerausstellung entlang des Bauzauns zeigen zu können. Auf dem Charité-Areal ist zudem ein Erinnerungsweg als Ergebnis eines interaktiven Kunstprojekts zu sehen. Die Ausstellung „Die Charité im Nationalsozialismus“ gibt es in der ehemaligen Nervenklinik am Bonhoefferweg zu entdecken. „Auch historische Geländeführungen können auf Anfrage realisiert werden“, fügt Thomas Schnalke hinzu.

Medizinhistorisches Museum, Charitéplatz 1 (ehemals: Schumannstraße 20/21), Mitte, Di., Do., Fr., So. 10–17 Uhr, Mi. + Sbd. 10–19 Uhr, Karten: 9, ermäßigt 4 Euro, www.bmm-charite.de

Großes Museumsfinale: vier Tage freier Eintritt, Do. 30.1.– So. 2.2., 10–22 Uhr, Führungen zur vollen Stunde, Do. + Fr. 15–20 Uhr, Sbd. + So. 12–19 Uhr