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Nach acht Jahren: Schinkels Kirche eröffnet wieder

Die Kirche war durch Bauarbeiten in der Umgebung schwer beschädigt worden. Nun ist das Gebäude wieder zugänglich.

Die Friedrichswerdersche Kirche, errichtet von 1824 bis 1830, wurde aufwendig saniert. Durch Bauarbeiten im Umfeld drohte sie einzustürzen

Die Friedrichswerdersche Kirche, errichtet von 1824 bis 1830, wurde aufwendig saniert. Durch Bauarbeiten im Umfeld drohte sie einzustürzen

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Berlin. Seit 2012 war der einzige in der Berliner Innenstadt erhaltene Kirchenbau des Berliner Baumeisters Karl Friedrich Schinkel geschlossen. Das Bauwerk – errichtet von 1824 bis 1830 – hatte durch die Bautätigkeit in unmittelbarer Nachbarschaft schwerste Schäden erlitten und war seitdem nicht mehr zugänglich.

Das ändert sich nun: Wie vor der Schließung soll die Friedrichswerdersche Kirche ab September wieder als Ausstellungsraum genutzt werden. Am kommenden Wochenende haben Interessierte zunächst die Gelegenheit, sich bei den Tagen der offenen Tür selbst ein Bild davon zu machen, wie die Schäden am Bauwerk restauriert wurden.

„Wie man sieht, sieht man nichts“, sagte Ralph Gleis am Dienstag bei einem Rundgang durch das Gebäude. Gleis ist Leiter der Alten Nationalgalerie, die das Schinkelsche Bauwerk von 1987 bis zur Schließung 2012 als Dependance für die Präsentation von Skulpturen nutze. Tatsächlich ist selbst von dem tiefen Riss, der sich vom Kirchenportal bis zum Altar einmal längs durch das Kirchenschiff zog, nichts mehr zu sehen.

Friedrichswerdersche Kirche von Schinkel drohte einzustürzen

Auch die übrigen Risse im Mauerwerk, die sich hoch bis in das Gewölbe zogen, lassen sich nicht mehr ausmachen. „Es ist eine große Freude, dass wir heute wieder hier stehen können“, sagte Gleis und erinnerte daran, dass das Gebäude durch die Bauarbeiten gleich neben der Kirche einzustürzen drohte. Die Erschütterungen infolge der Baugrubenerrichtung mit schwerem Gerät hätten auf die Kirche gewirkt „wie ein Erdbeben“.

In der Folge war die Kirche in den vergangenen Jahren ein aufwendiger Sanierungsfall; Gerüste im Inneren und im Äußeren stützten das Bauwerk und verhinderten weitere Schäden. Von der aufwendigen Sanierung, bei der vor allem die Statik des Gebäudes wiederhergestellt werden musste, zeugen lediglich noch die Sensoren, die in regelmäßigen Abständen an den Stützpfeilern angebracht sind. „Die Sensoren sind aber nicht mehr in Betrieb, wir hatten lediglich noch keine Zeit, sie zu entfernen“, verriet Gleis.

Ganz ohne bleibende Schäden ist das Baudesaster für die Kirche jedoch nicht geblieben, wie aus einer Antwort der Senatskulturverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage aus dem Jahr 2018 hervorging. Dort hieß es: „Da es durch die Bauarbeiten westlich des Kirchengebäudes zu erheblichen Bewegungen der Kirchenfundamente kam, hat es auch eine Verformung insbesondere des Deckengewölbes gegeben, die nicht korrigiert werden kann“. Doch mit dem bloßen Auge ist diese „Verformung“ heute nicht mehr wahrnehmbar.

Kosten der Restaurierung musste der Verursacher zahlen

Verursacht hatte die schweren Schäden das Bauprojekt „Kronprinzengärten“, so der Name des aus sieben Townhouses, drei Wohnhäusern mit insgesamt 38 Wohnungen sowie einem Botschaftsgebäude bestehenden Quartiers der Bauwert Gruppe. Die Kosten der Sanierung musste deshalb auch allein die Bauwert tragen. Gegenüber der Berliner Morgenpost hatte das Unternehmen die daraus entstandenen Mehrkosten für das Projekt mit rund 15 Millionen Euro beziffert.

Auch die Bauarbeiten auf der Ostseite des Gebäudes sind nunmehr abgeschlossen. Die Bertelsmann Stiftung wird dort in unmittelbarer Nähe zum Auswärtigen Amt sowie der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss eine Repräsentanz eröffnen. „Ab Oktober wird sie voraussichtlich bezugsfertig sein“, teilt die Stiftung auf ihrer Homepage mit.

Die neuen Räumlichkeiten sollen Mitarbeitern der Stiftung bei Arbeitsaufenthalten flexibel zur Verfügung stehen. Zudem soll auch die „Weisse Liste“, eine Tochtergesellschaft der Bertelsmann Stiftung, in das Haus am Werderschen Markt 6 ziehen.

Am Sonnabend, den 18. Januar, und Sonntag, den 19. Januar, von jeweils 10 bis 16 Uhr, lädt die Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin zu Tagen der offenen Tür in die Friedrichswerdersche Kirche, bevor sie ab Sommer 2020 wieder durch die Nationalgalerie als Museum genutzt wird.

Kostenlose Ausstellung mit Bildhauerwerken eröffnet im September

Die Besucher erwartet ein Programm aus kostenfreien Führungen zur Architektur- und Restaurierungsgeschichte der Kirche. Die Teilnehmerzahl für die einzelnen Angebote ist begrenzt. Das gesamte Programm der Tage der offenen Tür finden Sie online unter: www.smb.museum/fwk.

Auch im Anschluss an die Tage der offenen Tür wird es Möglichkeiten zur Besichtigung des Bauwerks geben. So werden bis zur Eröffnung der Ausstellung im Sommer 2020 jeden 2. und 4. Sonntag im Monat öffentliche Führungen angeboten. Zusätzlich zu den Führungen erwartet die Besucher dann auch eine Schaurestaurierung an vier ausgewählten Skulpturen. Für alle Angebote ist die Teilnehmerzahl begrenzt, eine Anmeldung ist erforderlich.

Im September eröffnet dann eine neu konzipierte Ausstellung zu Bildhauerwerken aus dem Bestand der Nationalgalerie von der Schinkel-Zeit bis zum Kaiserreich. Der Eintritt ist frei.

Bis zum Jahr 2025 sichert der Pachtvertrag mit der Kirchengemeinde, dass die Staatlichen Museen zu Berlin Schinkels neogotisches Bauwerk als Ausstellungsgebäude nutzen können. „Danach werden wir sehen, ob die Gemeinde das Bauwerk möglicherweise selber nutzen will“, sagte Gleis.