Neue Attraktion

Freitreppe am Humboldt Forum: Die teuersten Stufen Berlins

Die Freitreppe vor dem Humboldt Forum soll eine neue Attraktion in Berlin werden. Der Bau der Treppe veranschlagt eine hohe Summe.

Die Freitreppe am Humboldt Forum soll 38 Meter breit sein. Ihre Stufen werden aus Granit und Sandstein gefertigt. 2023 soll sie fertig.

Die Freitreppe am Humboldt Forum soll 38 Meter breit sein. Ihre Stufen werden aus Granit und Sandstein gefertigt. 2023 soll sie fertig.

Foto: realities:united / Flussbad Berlin e.V.

  • Die Freitreppe "Schlossfreiheit" vor dem Humboldt Forum soll eine neue Berliner Attraktion werden.
  • Die Stufen vor dem Humboldt Forum in Berlin-Mitte werden ab Mitte 2021 gebaut.
  • Bund und Land stellen für den Bau der Treppe vor dem Humboldt Forum 6,145 Millionen Euro bereit.

Berlin. Berlin bekommt eine neue Attraktion – und lässt sich das einiges kosten. Für die Freitreppe „Schlossfreiheit“, die vor dem Humboldt Forum in Mitte ab 2021 gebaut und zum Spreekanal führen soll, stellen Bund und Land 6,415 Millionen Euro bereit. Davon sind 4,665 Millionen Euro für die Planung und den Bau der Anlage veranschlagt und 1,75 Millionen Euro für Begleitung des Vorhabens durch den Verein Flussbad Berlin.

„Die Kostenschätzung für die Planung und den Bau der Treppe wurde unter Berücksichtigung der aktuellen Baupreisentwicklung im Land Berlin auf Grundlage einer Variantenuntersuchung im Auftrag des Landes Berlin erstellt“, sagt Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Besondere bauliche Herausforderungen seien die Koordination mit angrenzenden Baumaßnahmen wie der U-Bahnhof Museumsinsel und die Freiflächengestaltung des Humboldt Forums.

Freitreppe am Humboldt Forum soll 38 Meter breit sein

Die neue Attraktion ist zwischen dem Sockel des Einheitsdenkmals und der Schlossbrücke geplant. Die Treppe soll 2023 fertig sein. Doch noch ist es nicht erlaubt, im Kanal zu schwimmen. Deshalb werden Besucher mit Schildern auf das Badeverbot hingewiesen. Den Beschluss zum Bau der Treppe hatte der Senat im Dezember gefasst.

Die Freitreppe soll 38 Meter breit sein. Ihre Stufen werden aus Granit und Sandstein gefertigt. Die Geländer, die vom Schlossplatz bis zum Wasser führen, sind mäanderförmig gestaltet. Auch eine Steganlage ist vorgesehen. Sie soll der Freitreppe vorgelagert sein.

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Sie sei sich ganz sicher, so Petra Rohland, „dass die Freitreppe an dieser Stelle von den Berlinerinnen und Berlinern und ihren Gästen sehr schnell angenommen wird, auch wenn sie nicht sofort als Badezugang genutzt werden kann.“ Das Badeverbot werde aufgehoben, wenn alle wasserwirtschaftlichen und -rechtlichen Voraussetzungen geklärt seien.

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„Grundsätzlich dem Wasser nahe zu kommen, das wertet das Umfeld des Humboldt Forums enorm auf“, sagt Stefan Evers, parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus. „Deshalb halte ich das auch für eine richtige Zielsetzung.“ Dass das nicht leicht zu realisieren sei, ergebe sich aus dem Umstand, dass das Ufer sehr hoch gelegen sei. Die Summe von mehr als sechs Millionen Euro sei nicht überraschend, angesichts der Komplexität der Umsetzung.

Verein Flussbad Berlin: Spreekanal soll wieder genutzt werden

Mit der Freitreppe werde ein hochwertiger Aufenthaltsort am Wasser und der erste praktische Zugang zum Spreekanal entstehen, so der Verein Flussbad Berlin. Er wurde 2012 gegründet und engagiert sich seither dafür, dass der 1,9 Kilometer lange Spreekanal in Mitte wieder genutzt wird. Ein langfristiges Entwicklungsprogramm sieht vor, dass der Kanal in Höhe der Fischerinsel in einen naturnahen Wasserlauf umgewandelt wird. Entlang der Friedrichsgracht soll das Wasser auf natürliche Weise gefiltert werden. Im Abschnitt zwischen Bodemuseum und Auswärtigem Amt soll auf einer Länge von 835 Metern wieder Schwimmen möglich sein.

Der Senat hatte im Dezember nicht nur den Bau der Freitreppe beschlossen, sondern auch das Stadtumbaugebiet „Umfeld Spreekanal“ festgelegt. Damit seien die Weichen zur Realisierung des Projektes Flussbad Berlin zwischen Fischerinsel und Monbijou-Brücke gestellt, meint der Verein. Mit der Ausweisung als Stadtumbaugebiet werde die Finanzierung von weiteren Maßnahmen möglich. Schon jetzt sei an den meisten Tagen das Baden im Spreekanal hygienisch nicht bedenklich, sagt Kai Dolata vom Vorstand des Vereins Flussbad. Nur nach starken Regenfällen sei der Kanal verschmutzt.

„Wenn man das Projekt Flussbad will, dann gehört die Freitreppe dazu“

„Die Freitreppe ist sozusagen der erste Realisierungsabschnitt des Flussbad-Projektes“, sagt der FDP-Abgeordnete Stefan Förster. Er ist Mitglied in der Arbeitsgruppe Flussbad, in der auch die Fraktionen von SPD, Linken, Grünen und CDU vertreten sind. In der Arbeitsgruppe habe der Senat einen detaillierten Projektplan mit den Kosten für die Freitreppe vorgelegt.

„Es sind kostenintensive Maßnahmen, die von Spezialfirmen durchgeführt werden“, so der FDP-Abgeordnete. „Es ist teuer. Aber es sind geprüfte Unterlagen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.“ Ihm seien die Kosten zunächst hoch vorgekommen, doch sie seien rechnerisch plausibel. „Die Freitreppe halte ich für sinnvoll“, so Stefan Förster, „denn das Ziel ist, die Erlebbarkeit des Wassers wieder zu gewährleisten. Wenn man das Projekt Flussbad will, dann gehört die Freitreppe dazu.“

Der Verein Flussbad Berlin hat in den vergangenen Jahren den Flussbad-Pokal organisiert, eine öffentliche Schwimmsportveranstaltung im Spreekanal an einem Sonntag zu Beginn des Sommers. Dazu wurde der Kanal im betreffenden Abschnitt für Schiffe gesperrt, und zuvor die Wasserqualität geprüft. Die Veranstaltung ist auch für 2020 geplant.

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