Bildung

Auch in Mitte können Schüler nicht in die Schule

Nach Tempelhof-Schöneberg räumt ein zweiter Bezirk ein, dass es eine Warteliste für Willkommensklassen gibt, weil Räume fehlen.

Es ist voll an Berlins Schulen. Für fast 100 Kinder und Jugendliche ohne Deutschkenntnisse gibt es derzeit keinen Platz in Lerngruppen

Es ist voll an Berlins Schulen. Für fast 100 Kinder und Jugendliche ohne Deutschkenntnisse gibt es derzeit keinen Platz in Lerngruppen

Foto: Patrick Pleul / dpa

Berlin. Auch mindestens ein anderer Berliner Bezirk kann derzeit die Schulpflicht nicht für alle Kinder und Jugendlichen gewährleisten. Das Schulamt Mitte räumte ein, dass auch dort eine Warteliste für Schülerinnen und Schüler ohne Deutschkenntnisse existiert. Darauf stünden 13 schulpflichtige Ausländerkinder, hieß es aus dem Haus des zuständigen Stadtrates Carsten Spallek (CDU) .

Anfang der Woche hatte die Berliner Morgenpost exklusiv über die Probleme berichtet, ausreichend Räume und Personal für die Lerngruppen in den so genannten Willkommensklassen zu finden. Das Schulamt von Tempelhof-Schöneberg hatte die Schulleiter des Bezirks in einem Hilferuf per Mail über die Engpässe informiert und dringend gebeten, schnell Abhilfe zu schaffen. In Tempelhof-Schöneberg stehen demnach 86 Kinder und Jugendliche auf der Warteliste. Sie können trotz der auch für neu zugewanderte Jugendliche unter 18 Jahre geltenden Pflicht zur Teilnahme am Unterricht nicht beschult werden. Mit der Warteliste aus Mitte kommen in Berlin damit fast 100 Fälle zusammen, in denen die Behörden die Schulpflicht nicht gewährleisten können.

Der Bedarf an Schulplätzen wurde unterschätzt

Nicht aus allen Bezirken gibt es eine Rückmeldung. Aber die Probleme mit fehlenden Plätzen in Willkommensklassen sind nicht überall in der Stadt gleich gravierend. Aus dem Bezirksamt Neukölln hieß es, derartige Fälle seien dort nicht bekannt. Auch Spandaus Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD), der für die Bildung im Bezirk zuständig ist, schloss gegenüber der Morgenpost aus, dass in der Havelstadt schulpflichtige Kinder keinen Platz finden.

In Tempelhof-Schöneberg führt Schulstadtrat Oliver Schworck (SPD) die Engpässe auf eine Fehlplanung für die Schulplatz-Kapazitäten zurück. In seinem Bezirk habe man nicht mit einem derart starken Anstieg der Schülerzahlen gerechnet. Deswegen habe die Senatsverwaltung für Bildung dort auch nur wenige der an vielen Schulen Berlins aufgestellten modularen Ergänzungsbauten (MEBs) genehmigt. Zudem habe die Senatsverwaltung den Bedarf an Plätzen in den Willkommensklassen für Schüler ohne Deutschkenntnisse falsch eingeschätzt, wie der Tempelhof-Schöneberger Schulamtsleiter den Schulen geschrieben hat.