Verdreckte Straßen

Mitte setzt Sperrmüllsondersammlungen 2020 fort

Kaum eine Gegend ist so vermüllt wie Mittes Ortsteile Wedding, Moabit und Gesundbrunnen. Deshalb gibt es auch 2020 Sperrmüllsammlungen.

Mit Sondersammlungen will Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) das Sperrmüll-Problem in den Griff bekommen.

Mit Sondersammlungen will Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) das Sperrmüll-Problem in den Griff bekommen.

Foto: Christian Latz / BM

Eine kaputte Couch im Gebüsch, am Straßenrand alte Regale und zwischendrin ausrangierte Fernseher: An vielen Ecken in Moabit, Wedding und Gesundbrunnen ist Sperrmüll zum festen Bestandteil des Straßenbilds geworden – sehr zum Ärger von Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne). Um die Straßen des Bezirks längerfristig vom Unrat zu befreien, will der Bürgermeister auch im neuen Jahr Sondersammlungen durchführen. Mit der Berliner Stadtreinigung (BSR) sei bereits vereinbart worden, die „Sperrmülltage“ 2020 fortzusetzen, sagte von Dassel der Berliner Morgenpost. Genaue Termine ständen jedoch noch nicht fest.

Sperrmüllsammlung: 742 Kubikmeter Unrat bei Abholterminen im Herbst 2019

Der Bezirk hat im vergangenen Herbst erstmals Sperrmüllsondersammlungen organisiert. Jeweils sonnabends konnten Bürger im Herbst alte Möbel oder Elektrogeräte an Wagen der BSR abgeben. Treffpunkt waren wechselnde „Hotspots“ für illegal abgeladenen Müll in Wedding, Moabit, Gesundbrunnen und Tiergarten. Dabei ist einiges zusammengekommen: Insgesamt 742 Kubikmeter Sperrmüll wurden bei den neun Terminen von der BSR eingesammelt, teilte der Bezirk auf Anfrage mit. Darunter seien 1000 Elektrogeräte gewesen, hieß es.

Besonders viel Müll kam mit jeweils 130 Kubikmetern bei den Sammlungen auf dem Gelände des ehemaligen Diesterweg-Gymnasiums in Gesundbrunnen und in der Zwinglistraße in Moabit zusammen. In der Soldiner Straße in Gesundbrunnen hätten 280 Menschen ihren Sperrmüll zur Abgabe gebracht. Insgesamt, so der Bezirk, hätten 1260 Bürger das Angebot genutzt.

Die Aktion habe sich schnell eingespielt, sagte von Dassel. „Aus den Quartieren bekamen wir anschließend das Signal, dass in den Tagen und Wochen nach der Aktion deutlich weniger Sperrmüll auf der Straße lag.“ Der Bezirksbürgermeister fordert jedoch auch vom Senat ein Umdenken. „Die Aktion bestätigt, dass das Land Berlin einen anderen Umgang mit Sperrmüll etablieren müsste.“ Die Öffnungszeiten der Recyclinghöfe könnten zum Beispiel ausgedehnt werden, sagt er.

Nirgendwo mehr Müllbeschwerden als in Mitte

2018 sammelte die BSR auf den Straßen zwischen Wedding und Tiergarten-Süd insgesamt 5468 Kubikmeter Sperrmüll ein. Noch größere Mengen fielen nur in Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg an. Der Frust bei den Anwohnern ist hoch. Nirgendwo in Berlin wiesen Bürger häufiger über die Ordnungsamts-App auf illegal abgelegten Müll hin als im Bezirk Mitte. Zwischen 2017 und Juni 2019 summierte sich die Zahl der Beschwerden auf insgesamt rund 43.000, wie aus der Antwort der Senatswirtschaftsverwaltung auf eine Anfrage des Abgeordneten Joschka Langenbrinck (SPD) hervorgeht.

Ein Mittel, wie die Bezirke dem Müllproblem begegnen können, sind Ordnungsamtsmitarbeiter, die in Zivil auf Streife gehen. Seit einigen Monaten ist dies den Behörden erlaubt. Bisher hat das Ordnungsamt in Mitte von dem Undercover-Einsatz jedoch erst ein einziges Mal gebrauch gemacht.