Verkehrspolitik

Vorschlag: Hochbeete und Parkplätze auf Karl-Marx-Allee

Wie soll die Karl-Marx-Allee gestaltet werden? Eine Architektenkammer sucht gemeinsam nach innovativen und tragfähigen Lösungen.

Der Parkstreifen in der Mitte der Karl-Marx-Allee soll nach neuen Plänen wegfallen.

Der Parkstreifen in der Mitte der Karl-Marx-Allee soll nach neuen Plänen wegfallen.

Foto: SenUVK/Eve Images

Parkplätze auf dem Mittelstreifen, Grünflächen für den Klimaschutz und der Denkmalschutz – in die Diskussionen um die zukünftige Gestaltung der Karl-Marx-Allee in Mitte hat sich am Donnerstag die Architektenkammer Berlin mit einem Kompromissvorschlag eingebracht.

Mit einem konstruktiven Beitrag mischt sich die Kammer, wie sie mitteilte, in die Debatte um die Gestaltung der Karl-Marx-Allee zwischen Alexanderplatz und Strausberger Platz ein.

Temporäre Hochbeete auf dem Mittelstreifen

Auf dem Mittelstreifen wären temporäre Hochbeete mit ökologisch vielfältiger Bepflanzung denkbar, heißt es in einer Mitteilung der Architektenkammer. Deren Beitrag zum Stadtklima wäre vergleichbar mit einer Rasenfläche, zumal eine Entsiegelung wegen der darunterliegenden U-Bahn (U5) ohnehin nicht funktioniert.

Dazwischen kann eine noch festzulegende Anzahl von Stellplätzen, insbesondere für berechtigte Personen, angelegt werden, wird der Vorschlag konkretisiert. Im Falle eines Welterbe-Antrags wäre eine solche Maßnahme reversibel, heißt es weiter.

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Es sollte nach kreativen Lösungen gesucht werden

„Das potenzielle Welterbe und der ökologische Stadtumbau sind beides berechtigte Schutzanliegen, die nicht gegeneinander ausgespielt werden sollten“, begründet Christine Edmaier, Präsidentin der Architektenkammer Berlin den Vorschlag. „Vielmehr sollten kreative Lösungen gesucht werden, um beiden Ansätzen Rechnung zu tragen.

Die Architektenkammer ruft dazu auf, gemeinsam nach innovativen und tragfähigen Lösungen zu suchen. „Die Berliner Architektenschaft, insbesondere auch die Fachgruppe Landschaftsarchitektur, steht bereit, Vorschläge für die oft widerstreitenden Ansprüche von Denkmalschutz, Ökologie, Verkehr und Qualität des öffentlichen Raums zu entwickeln“, sagt Edmaier. „Am besten im offenen und transparenten Wettstreit der Ideen.“

Verkehrssenatorin Regine Günther wirft Pläne um

Vor etwa einer Woche ist eine hitzige Debatte entstanden. Hintergrund war, dass die Senatsverkehrsverwaltung bisherige Planungen für die Karl-Marx-Allee ändern wollte. Und das, obwohl bereits seit eineinhalb Jahren gebaut wird und es eine Bürgerbeteiligung gab. Beschlossen war ein breiter Parkstreifen in der Mitte der Ost-West-Tangente für 173 Plätze. Stattdessen sollte auf Drängen der Senatsverkehrsverwaltung unter der Verantwortung von Senatorin Regine Günther (Grüne) jetzt ein begrünter Mittelstreifen entstehen.

Mittes Stadtentwicklungsstadtrat Ephraim Gote (SPD) war über die kurzfristige und erhebliche Umplanung überrascht. Umso mehr, da Straßengrün statt Parkplätze im vorausgegangenen Beteiligungsprozess mit der Anwohnerschaft abgelehnt worden seien. „Damit widerspricht die Entscheidung den Leitlinien zur Bürgerbeteiligung des Bezirkes und des Landes“, sagte Gothe vor einigen Tagen dieser Zeitung. Derart große Umplanungen seien den Bürgern vorab transparent zu kommunizieren. Grundsätzlich würde man Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel begrüßen, hieß es.

„Der Bezirk Mitte distanziert sich aber deutlich von diesem Vorgehen der Senatorin.“ Die bisher geplante Gestaltung ist zudem, nach Angaben des Bezirksamtes, mit dem Landesdenkmalamt abgestimmt. Hintergrund ist der Erhalt der Welterbefähigkeit des zweiten Bauabschnitts der Karl-Marx-Allee. Die im Stil der Nachkriegsmoderne errichteten Wohnquartiere an der Karl-Marx-Allee und im Hansaviertel könnten so Unesco Weltkulturerbe werden.

Aufmarschplatz Stalinallee soll Weltkulturerbe werden

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) kündigte bereits am Dienstag nach der Senatssitzung an, die Entscheidung der Verkehrssenatorin für einen Grünstreifen anstelle von Parkplätzen zu überprüfen. Die Senatsumweltverwaltung könne eine solche Frage nicht allein entscheiden, hieß es. Bei dieser Frage müssten wegen des Denkmalschutzes die Kulturverwaltung und die Stadtentwicklungsverwaltung wegen bereits gewährter Fördermittel für den Umbau mit einbezogen werden.

Zudem kritisierte Müller auch, dass sich die Verkehrssenatorin mit ihrer Planung über das Ergebnis der Bürgerbeteiligung hinweggesetzt hatte. Kultursenator Klaus Lederer (Linke) führte den Denkmalschutz als wichtiges Anliegen an. Der Senat beabsichtigt, die Karl-Marx-Allee und damit Teile der DDR-Moderne zum Weltkulturerbe erklären zu lassen. Derzeit laufen die Prüfungen. Die frühere Stalinallee war ein wichtiger Aufmarschplatz, und möglicherweise muss dieser Zustand wiederhergestellt werden. Dann allerdings dürfte es auch keine neu gestalteten Parkplätze geben, sondern nur eine asphaltierte Fläche.