Aktion

Kunst am Bahnhof Friedrichstraße lädt zum Innehalten ein

Der Bahnhof Friedrichstraße wird in eine Station für Kunst verwandelt. Ein Werk des Künstlerduos Slave & Tatars ist nun zu sehen.

„Ausgang Friedrichstraße“ nennt sich das Kunstprojekt

„Ausgang Friedrichstraße“ nennt sich das Kunstprojekt

Foto: Thomas Füllimg / Thomas Fülling Thomas Fuelling

Berlin hat nur wenige Orte, wo es noch mehr Gewusel gibt. Mehr als 250.000 Menschen passieren jeden Tag den Bahnhof Friedrichstraße. Die allermeisten haben keine Zeit. Sie hasten auf die Bahnsteige, um den nächsten Zug oder die nächste S-Bahn zu bekommen.

Bahnhof Friedrichstraße: Stein-Mosaik an der Wand

Einige blieben aber am Donnerstagvormittag irritiert auf den Treppen stehen. Dort, wo zuvor nur nackte weiße Wände waren, sind jetzt zwei filigrane, je 15 Quadratmeter große Stein-Mosaike zu sehen. Nur wer auf den Stufen einen Moment lang innehält, kann die Inschrift auch entziffern. Zu lesen ist: „Für die Langeweile des Publikums von einem Liebhaber der Langeweile“.

Dieses Zitat des deutschen Philosophen Johann Georg Hamann ( 1730–1788) hat das Künstlerduo Slave & Tatars für einen eher außergewöhnlichen Auftrag der Deutschen Bahn ausgewählt. Für ein Jahr soll sich der Bahnhof Berlin Friedrichstraße in eine Station für Kunst im Alltag verwandeln. „

An einem der gewöhnlichsten Orte Berlins findet ein ganz ungewöhnliches Experiment statt“, sagte Kuratorin Ruth Ur vor der Enthüllung der beiden aus insgesamt 5500 weißen, blauen und gelben Industriefliesen vom Villeroy & Boch gefertigten Mosaike. „Kunst an seinem solchen Ort werde die Menschen überraschen. Und da sie damit nicht rechnen, besonders berühren“, hofft die Kuratorin.

Mit dem Kunstwerk soll der Alltag entschleunigt werden

Bahnhofsmanager Leif Niklas Wulf ist begeistert von der Idee einer Kunststation: „Bahnhöfe sind geprägt durch Eile. Schnell zum Zug, schnell nach Hause. Mit diesem Kunstwerk geben wir Anstoß zum Entschleunigen. Und das zum Nulltarif und im Alltag“, sagte er.

Rund 258.000 Reisende passieren täglich den Bahnhof Friedrichstraße

Der Bahnhof Friedrichstraße ist einer der wichtigsten Verkehrsknoten von Berlin. Dort halten Züge von sechs Regionalbahn-, acht S-Bahn- und der U-Bahnlinie 6. Unter der markanten Eisenbahnbrücke fahren auch noch Straßenbahnen und Busse der BVG durch. Rund 258.000 Reisende und Besucher passieren täglich die Station, der einer der meistgenutzten in Deutschland ist.

Seit 2012 ist der Bahnhof auch eine Dauerbaustelle. Nach der Sanierung maroder Konstruktionen, auf denen die Gleisbrücken ruhen, wird auch die gesamte Gebäudetechnik erneuert. Ursprünglich sollte die Arbeiten im April diesen Jahres abgeschlossen sein. Doch noch immer stehen Gerüste in der Bahnhofshalle. „Die Aufgabe ist sehr komplex“, begründete Bahnhofsmanager Wulf die lange Dauer der Arbeiten, die auch im kommenden Jahr weitergehen.