Händler im Fokus

Friedrichstraße ohne Autos: CDU befürchtet Umsatzverluste

Der Bezirk Mitte hat für 2020 einen zweiten Verkehrsversuch angekündigt. Die CDU glaubt nicht, dass dies den Händlern nutzt.

Schon im Oktober war die Friedrichstraße für ein Wochenende verkehrsberuhigte Zone.

Schon im Oktober war die Friedrichstraße für ein Wochenende verkehrsberuhigte Zone.

Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE FOTO SERVICE / FUNKE Foto Service

Berlin. Drei Monate Fußgängerzone in der Friedrichstraße: Der Vorstoß des Bezirks Mitte stößt im Abgeordnetenhaus auf Skepsis. Mittes Bürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) hatte gemeinsam mit der Senatsverkehrsverwaltung einen zweiten Verkehrsversuch angekündigt, der von Juni bis September kommenden Jahres dauern soll. In dieser Zeit dürfen auf dem Abschnitt zwischen Französischer Straße und Leipziger Straße keine Autos fahren. Ziel ist, zur Klimaverbesserung beizutragen und den Einzelhandel auf der Straße anzukurbeln.

„Wir finden das gut“, sagt Daniel Buchholz (SPD), stellvertretender Vorsitzender im Ausschuss für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Das Thema sei schon seit längerem in der SPD-Fraktion diskutiert worden. „Wichtig ist uns, dass wir das nicht von oben überstülpen, sondern vor Ort eine Lösung ausprobieren. Wie kann man es praktisch umsetzen, mit den Geschäftsleuten und den Anwohnern zusammen?“

CDU: Kunden fahren eher mit dem Auto

Die SPD-Fraktion hatte bereits im Sommer einen Antrag „Verkehrsberuhigung in der Friedrichstraße – Verbesserung der Aufenthaltsqualität in der Friedrichstraße“ beschlossen. „Es ist verwunderlich, dass die Grünen, die Kenntnis davon haben, bislang nicht darauf reagieren“, sagt Tino Schopf, der den Antrag zusammen mit Buchholz verfasst hat. „Und jetzt preschen sie vor mit eigenen Ideen. Das kann man machen. Aber vielleicht sollte man erst mal schauen, was von den anderen Koalitionspartnern bereits auf dem Tisch liegt. Und was man damit anfangen kann.“ Denn ihrem Antrag schlägt die SPD vor, der Senat solle die Einrichtung einer temporären oder dauerhaften Fußgängerzone auf der Friedrichstraße prüfen. Sie fordert auch eine Aufwertung durch Bäume und Sitzbänke.

Kritik am Verkehrsversuch kommt aus der CDU-Fraktion. „Ich weiß nicht, ob das in der Friedrichstraße, die ja hochpreisige Geschäfte hat, wirklich zu mehr Umsatz führen wird“, sagt der verkehrspolitischer Sprecher, Oliver Friederici. „Daran habe ich große Zweifel.“ Denn die Kunden, die dort einkaufen, würden eher mit dem Auto fahren. „Modellprojekte kann man machen, aber muss es dann gleich für drei Monate sein?“ Es sei seine große Sorge, so Friederici, dass dieser Versuch zur großen Umsatzspritze für Kurfürstendamm und Tauentzienstraße werde. „Denn die Geschäfte, die es an der Friedrichstraße gibt, gibt es dort auch.“

Linke signalisiert Zustimmung

Auch aus der FDP-Fraktion des Abgeordnetenhauses kommt Kritik. „Die schleichende Installierung einer Fußgängerzone in der Friedrichstraße benötigt die breite Unterstützung der anliegenden Händler, welche jedoch nicht vorhanden ist“, sagt Fraktionschef Sebastian Czaja. „Ebenso gibt es kein konkretes Konzept zur Umfahrung, gerade für Autos und den Lieferverkehr. Die Friedrichstraße ist deshalb als Fußgängerzone nicht geeignet.“ Anstatt sie als Einkaufsstraße wieder aufzuwerten, so Czaja, versuche der Senat und der Bezirk, „das Ziel einer autofreien Innenstadt Ost ohne Rücksicht auf Verluste weiter voranzutreiben.“

Die Linken signalisieren Zustimmung. Er stehe dem Thema grundsätzlich positiv gegenüber, so der Abgeordnete Kristian Ronneburg. „Für uns steht und fällt so ein Versuch mit der Bereitschaft der Anrainer, ihn zu unterstützen.“ Bedacht werden sollte jedoch, dass die Straße auch außerhalb der Ladenöffnungszeiten attraktiver werden müsse. „Das könnte ein Beispiel für andere Geschäftsstraßen werden, die vor ähnlichen Problemen stehen.“