Aktion

Künstlerkollektiv entwendet Grabstein von Franz von Papen

Das „Zentrum für politische Schönheit“ stellte eine Gedenksäule auf. Außerdem wurde der Grabstein von Franz von Papen entwendet.

Das "Zentrum für politische Schönheit" schrieb auf Facebook, dass sie den Grabstein von Franz von Papen entwendet haben.

Das "Zentrum für politische Schönheit" schrieb auf Facebook, dass sie den Grabstein von Franz von Papen entwendet haben.

Foto: Facebook "Zentrum für politische Schönheit"

Berlin. Das Künstlerkollektiv "Zentrum für politische Schönheit" entwendete im Saarland den Grabstein von Franz von Papen. Das "Zentrum für politische Schönheit" schreibt auf Facebook: "Franz von Papen ist in unserer Gewalt! [...] Franz von Papen ist auf dem Weg nach Berlin, um die historische Schuld des deutschen Konservatismus aufzuarbeiten." Er gilt als Wegbereiter des Nationalsozialismus.

Kritik an "Gedenksäule" am Reichstag

Die Aktion steht vermutlich im Zusammenhang mit dem Projekt "Sucht nach uns". Zuvor errichtete das Künstlerkollektiv eine "Gedenksäule" am Reichstag. Die "Gedenksäule" vom Künstlerkollektiv "Zentrum für politische Schönheit", die angeblich Asche von im Holocaust ermordeten Juden enthält, sorgt für scharfe Kritik. Christoph Heubner, Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, sagt: „Auschwitz-Überlebende sind bestürzt darüber, dass mit diesem Mahnmal ihre Empfindungen und die ewige Totenruhe ihrer ermordeten Angehörigen verletzt werden.“

Grünen-Politiker Volker Beck erstattete nach eigenen Angaben Strafanzeige beim Staatsschutz wegen Störung der Totenruhe. "Falls es sich tatsächlich um die Asche von in der Shoah Ermordeten handeln sollten, wäre dies eine strafbare Verletzung der Totenruhe", schrieb er bei Twitter. "Es könnte freilich auch Fake & Teil der Kunstaktion sein."

Lea Rosh, Vorsitzende des Fördervereins „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“, nannte die ZPS-Aktion großartig. „Es ist ja eine politische Botschaft, die damit einhergeht. Es ist die Botschaft: Guckt hin, hier ist die Macht an die Nazis übertragen worden.“

"Zentrum für politische Schönheit" bezieht Stellung

Das "Zentrum für politische Schönheit" nahm auf der Homepage nun Stellung. Dort werden häufig gestellte Fragen beantwortet - u.a. die Frage "Ist wirklich Asche von Menschen in der Säule? "Ja, siehe diesen Laborbericht", wird als Antwort angegeben.

Das Künstlerkollektiv erklärt auch, woher die Asche kommt. "Wir haben Tausende historischer Quellen ausgewertet und sind den Spuren gefolgt: nach Nordhausen, Sobibór, Majdanek, Chelmno, Mauthausen, Belzec, Treblinka, Berdychiv, Plyskiv. Die Asche der Ermordeten wurde in Dämmen verbaut, auf Feldern verscharrt und in Flüsse gekippt."

Häufig wurde auch die Frage gestellt, ob es sich um Grabschändung handelt. Darauf antwortet das Künstlerkollektiv: "Es gibt dort kein Grab, wo wir gesucht haben. Es gibt dort nur verscharrte Überreste, weggeschwemmte oder sedimentierte angekohlte Glieder, Finger, Hände, Teile von Armen, Beinen und Füßen. Menschen wurden in Dämmen verscharrt, in Flüsse gekippt, auf Felder gestreut."

"Gedenkstätte" steht auf Gelände der ehemaligen Krolloper

Zwischen Bundestag und Reichstag in Mitte hatte das für seine umstrittenen Aktionen bekannte Künstlerkollektiv „Zentrum für politische Schönheit“ (ZPS) am Montagmorgen eine sogenannte Gedenkstätte errichtet. Sie steht auf dem Gelände der ehemaligen Krolloper, in der die Reichstagsabgeordneten im März 1933 für das Ermächtigungsgesetz stimmten, eine wichtige Grundlage für die Diktatur der Nationalsozialisten. „Es geht um die letzte deutsche Diktatur und darum, ob sie uns wieder droht“, sagte der Aktionskünstler und ZPS-Gründer Philipp Ruch am Montag. Teil der Aktion ist eine Stahlsäule, die nach Angaben der Gruppe Asche von Opfern der Massenmorde der Nazis enthält.

Das „Zentrum für politische Schönheit“ ist bereits mehrfach mit Aktionen aufgefallen, die Aufsehen erregt haben. So hatte es beispielsweise im November 2017 eine Nachbildung des Berliner Holocaust-Mahnmals in Nachbarschaft des Wohnhauses des AfD-Politikers Björn Höcke im thüringischen Bornhagen aufgestellt.

"Gedenksäule" laut Polizei bis 7. Dezember angemeldet

Über der sogenannten Gedenkstätte in der Heinrich-von-Gagern-Straße ist der Schriftzug „Gedenken heißt Kämpfen“ zu lesen. Und in Großbuchstaben „Keinen Schritt weiter! Hier begann die letzte deutsche Diktatur“. Es brennen Dutzende Kerzen in Grablichtern, in Wassereimern stehen Blumensträuße, darüber hängen zahlreiche Zettel mit Texten wie „Vergesst sie nicht“ oder „Gegen politischen Alzheimer in Deutschland“.

Nach Angaben der Polizei ist die Veranstaltung bis zum 7. Dezember angemeldet. Das Künstlerkollektiv hat allerdings angekündigt, Spenden sammeln zu wollen, um am kommenden Samstag ein Betonfundament für die Säule zu gießen, wenn genügend Geld dafür zusammenkommt.