Theater

Märchenhütten im Monbijoupark müssen sofort schließen

Aus für die Märchenhütten im Monbijoupark: Der Bezirk Mitte verlangt nun, den Betrieb bereits Anfang Dezember einzustellen.

David Regehr und Roger Jahnke (v.l.), Betreiber des Berliner Theaters Märchenhütten im Monbijoupark, stellen den Betreib zum Jahresende ein.

David Regehr und Roger Jahnke (v.l.), Betreiber des Berliner Theaters Märchenhütten im Monbijoupark, stellen den Betreib zum Jahresende ein.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Berlin. Das Bezirksamt Mitte macht ernst: Den Märchenhütten im Monbijoupark wurde in einem offiziellen Bescheid vom 28. November der Theaterbetrieb untersagt, außerdem die Beseitigung der Märchenhütten angeordnet. Das teilte der zuständige Stadtrat Ephraim Gothe (SPD) am Montag in einer Pressemitteilung mit.

Die Einstellung des Theaterbetriebs ist demnach drei Tage nach Zugang des Bescheids gefordert, sodass eigentlich schon Anfang Dezember keine Veranstaltungen mehr stattfinden dürften. Verkauft hatten die Betreiber allerdings noch zahlreiche Tickets für Vorstellungen im gesamten Dezember. Etliche sind sogar ausverkauft.

Denn die Betreiber selbst gingen am vergangenen Donnerstag noch davon aus, dass der Betrieb zwar Ende des Jahres aufgegeben werden muss, bis dahin aber noch Vorstellungen stattfinden würden. „Bis Jahresende können wir garantieren, dass wir die Märchenhütten bespielen können“, sagte David Regehr, Mitgesellschafter der Märchenhütten und Monbijoutheater gGmbH, die die Holzhütten in Mitte führt.

Keine Pläne, Märchenhütten an anderer Stelle weiterzubetreiben

Darüber hinaus traue sich das Theater aufgrund der Auseinandersetzung mit dem Bezirk nicht, gegenüber Mitarbeitern und Gästen den Weiterbetrieb in Aussicht zu stellen. Pläne, die Märchenhütten an anderer Stelle weiterzubetreiben gebe es aktuell nicht, so Regehr. Er sprach von der „Zerstörung des größten und beliebtesten freien Theaters Berlins“.

Der Bezirk verweist darauf, dass den Betreibern mehrfach mitgeteilt worden sei, dass eine weitere Nutzung der Märchenhütten nicht mehr möglich sei. Zuletzt seien die Betreiber auf die Rechtswidrigkeit hingewiesen worden, als der Ticketverkauf startete und die Premiere angekündigt wurde. Weil die Betreiber sich davon nicht abbringen ließen, habe sich das Bezirksamt zu den nun getroffenen Maßnahmen genötigt gesehen, heißt es.

Bezirk hat für Märchenhütten im Monbijoupark keine Genehmigung erteilt

Im November waren die Märchenhütten in die neue Wintersaison gestartet – jedoch ohne dafür vom Bezirk Mitte eine Genehmigung zu besitzen. Der Bezirk gestattet den Machern zwar den Theaterbetrieb auf dem Dach einer ehemaligen Bunkeranlage am Rande des Monbijouparks. Für die Märchenhütten selbst hatte das Bauamt zuletzt jedoch keine Genehmigung mehr erteilt. Diese seien in der Vergangenheit stets nur geduldet worden, hieß es vom Bezirk.

„Wir haben zu keiner Zeit in Aussicht gestellt, dass die Duldung irgendwie verlängert werden könnte“, sagte Mittes Baustadtrat Gothe Mitte November der Berliner Morgenpost. Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) habe klar gesagt, dass in der Grünanlage keine dauerhaften Bauten stehen sollten.

Möglich wären nur sogenannte „fliegende Bauten“, die aufgestellt und wieder abmontiert werden können. Darunter würden die Holzhütten allerdings nicht mehr fallen. „Da bei den Märchenhütten die Standzeit schon so lange ist, sind es keine fliegenden Bauten mehr“, sagte Gothe.

Wie zu einem Schauspielhaus passend ist auch die Geschichte der Märchenhütten und des Monbijoutheaters ein riesiges Theater; voll großer Dramen, Inszenierungen – und manch falschem Spiel.

Monbijoutheater: Gastronomie nur mit Sondergenehmigung

Begonnen hatte der Konflikt, der den Theaterort in einem Jahr zu großen Teilen zerstört hat, im Herbst 2018. Damals war die Kritik vonseiten der Bezirkspolitik am damaligen Betreiber des Monbijoutheaters, Christian Schulz, zunehmend lauter geworden. Kritisiert wurde, dass für den Barbetrieb immer größere Flächen des Parks genutzt wurden. Der Bezirk Mitte hatte die Gastronomie nur mit einer Sondergenehmigung in der Grünfläche zugelassen, um den Theaterbetrieb querzufinanzieren.

Doch ob der Großteil der Einnahmen wirklich dazu diente, schien unklar. Gerade bei einer öffentlichen Fläche sei es notwendig, Transparenz zu schaffen, sagte Gothe damals. Dem sei Schulz nicht nachgekommen. Im Dezember 2018 forderte die Bezirksverordnetenversammlung daher das Bezirksamt auf, nur noch einer gemeinnützigen GmbH die Sondergenehmigung zu erteilen.

Konflikte im Ensemble des Theaters

Im Ensemble des Theaters war es da längst zu Konflikten gekommen. Ein Teil der Truppe um den Regisseur und Dramaturg Maurici Farré, der Ensemble-Sprecher Matthias Horn – und auch David Regehr, Bühnenbildner und Erfinder des markanten Holzamphitheaters, hatten sich von Schulz abgewandt und eine eigene gemeinnützige Theatergesellschaft gegründet. An sie vergab die Humboldt-Universität (HU), Eigentümer der Bunkeranlagen auf denen das bekannte Theater liegt, in Absprache mit dem Bezirk für die Sommerspielzeit den Mietvertrag für das Gelände.

Für den bekannten Holzbau, der weiterhin Schulz gehörte, bedeutete dies das Ende am Monbijoupark. Auch der Theaterbetrieb selbst litt. Für die Stücke der neuen Truppe gab es schlechte Kritiken, die Zuschauerränge waren meist nur spärlich gefüllt.

Zur Winterspielzeit kam die nächste Wendung: Regehr, tat sich plötzlich wieder mit Schulz zusammen. Gemeinsam mit Jahnke gründete er die Gesellschaft, die nun die Märchenhütten betreibt – und seitdem ihr drohendes Aus beklagt. Aus Sicht des Bezirks ist auch hier viel Inszenierung im Spiel: Die Theatermacher seien vor langer Zeit informiert worden, dass es für die Hütten keine Duldung mehr geben würde.

BVV beschloss im Dezember 2018 das Aus

Tatsächlich beschloss die BVV schon im Dezember 2018 das Aus für die Hütten. Ihren Entschluss bekräftigten die Fraktionen von SPD, Grünen und Linken in der vergangenen Woche. Das Vorgehen von Schulz und Regehr nennen sie „inakzeptabel“. Gothe selbst hatte Ende vergangener Woche juristische Schritte gegen die die Theatermacher angekündigt, sollten sie den Betrieb in den Märchenhütten wie angekündigt aufnehmen.