Club-Szene

KitKatClub und Sage Club droht die Schließung

Den beiden Clubs wurden die Räume gekündigt. Ende Juni 2020 müssen sie das Haus an der Köpenicker Straße verlassen.

Der Sage Club an der Kreuzung Heinrich-Heine-Straße Ecke Köpenicker Straße soll geschlossen werden.

Der Sage Club an der Kreuzung Heinrich-Heine-Straße Ecke Köpenicker Straße soll geschlossen werden.

Foto: David Heerde

Berlin.  Der KitKatClub – ein überregional bekannter Ort für seine Fetisch-Partys – und die Diskothek Sage Club in Mitte stehen vor der Schließung. „Es gibt eine Kündigung“, sagte Sascha Disselkamp vom „Sage Club“ am Donnerstag. Die gemeinsam genutzten Räume in der Köpenicker Straße sollen demnach zum Juni 2020 besenrein übergeben werden. Disselcamp sagte, die Clubs würden gerne in den Räumen bleiben. Sie hätten bisher vergeblich das Gespräch mit dem Vermieter gesucht. Zuvor hatte die „Berliner Zeitung“ berichtet.

„Wir würden das Areal gerne kaufen“, sagte Disselkamp. „Dafür haben wir auch sehr solvente Investoren.“ Sie würden gerne auf dem Gelände ein Hospiz, Ateliers, Proberäume und Konzerträume errichten. Innerstädtisch sei die Suche nach neuen Orten schwierig. Disselkamp verwies auf die früher lebendige Szene im Prenzlauer Berg und Mitte. „Mittlerweile kann man da indisch essen gehen, aber mehr ist auch nicht.“

Rückendeckung kam von der CDU. „Wir erleben leider ein schleichendes Aussterben der Berliner Clubszene“, sagte Christian Goiny, Sprecher für Medienpolitik der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Die Kündigungen seien zwei weitere traurige Belege dafür. „Wir schlagen vor, dass der Senat den Clubbetreibern Ersatzquartiere in der Alten Münze und im Spreepark zu langfristig günstigen Mietkonditionen anbietet.“

"KitkatClub" und "Sage Club" vor der Schließung: Senat hofft auf Einigung

Die Clubcommission – ein Zusammenschluss von 250 Berliner Clubbetreibern und Veranstaltern – musste in der Vergangenheit bereits einige Standorte aufgeben. Im vergangenen Jahr war das „Jonny Knüppel“ auf der Lohmühleninsel geschlossen worden. Zuvor hatte es beispielsweise bereits den „Knaack-Club“ getroffen, auch die Türen des „White Trash“ und „Kingkong“ sind geschlossen.

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Die Senatsverwaltung für Kultur teilte am Donnerstagnachmittag mit: "KitKatClub und SageClub sind Ikonen der Berliner Clubkultur, an deren Erhalt uns sehr gelegen ist. Die Nachricht von der Kündigung durch den privaten Eigentümer beschäftigt uns sehr. Wir stehen in engem Kontakt mit der Clubcommission. Wie die Clubcommission setzen wir darauf, dass es hier noch eine Einigung mit dem privaten Eigentümer geben kann."

Die Läden hätten „eine kulturelle Relevanz für die Stadt“, sagte Lutz Leichsenring, Sprecher der Clubcommission, einem Zusammenschluss von 250 Berliner Clubbetreibern und Veranstaltern, über die beiden Stätten. „Wenn es tatsächlich zu der Schließung kommt und kein Alternativort gefunden wird, ist das ein krasser Schlag für die Clubszene.“

Von der drohenden Kündigung ist aber auch die Clubcommission selbst betroffen. Ihre Räume liegen ebenfalls im Gebäude. Der Verein sei bereits auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten, sagte Leichsenring.

Clubs in Berlin: Touristen kommen zum Feiern in die Stadt

Berlin lebt von der Club-Kultur. Viele Touristen kommen nur zum Feiern in die Hauptstadt. 700 Orte und Veranstalter sind ein fester Bestandteil der Berliner Kultur und vor allem auch der Wirtschaft. Aus einer Studie der Senatswirtschaftsverwaltung aus dem Jahr 2019 geht hervor, dass die Clubs pro Jahr fast 58.000 Veranstaltungen mit annähernd 71.000 Künstler-Auftritten im Programm haben. 2017 erzielten sie damit einen Umsatz von 168 Millionen Euro.

Im 1997 gegründeten "Sage Club" wurde zunächst an mehreren Wochentagen Techno, Rock und House gespielt. Heute gibt es nur noch am Donnerstagabend Veranstaltungen mit Rockmusik und Livebands.

Der Name des "KitKatClubs" ist aus dem Musical „Cabaret“ inspiriert. In dem Club sollte sich die freizügige und schillernde Atmosphäre der 20er-Jahre widerspiegeln. In dem Techno-Club herrscht oft ein Dresscode, wer ihn nicht einhält, kommt am Türsteher nicht vorbei. Bekannt ist der Club für die regelmäßig am Sonnabend stattfindende Party „CarneBall Bizarre“.

Auf der Website des "KitKatClubs" heißt es: "Gegründet 1994 zu den Hochzeiten der Technobewegung in Berlin, lebt das "gesellschaftspolitische Experimentierfeld für freie Geister" jetzt im 14. Jahr. Das Ganze ist eine exquisite Mischung aus Technoclub & Fetish-Event, "Perversion auf Weltniveau" ist das Ziel!"

Im vergangenen Jahr war der "KitKatClub" in die Schlagzeilen geraten, nachdem das Reinickendorfer Bezirksamt allen Gästen dringend einen Arztbesuch empfohlen hatte. Hintergrund der Warnung waren Erkenntnisse, dass es im "KitKatClub" zur Übertragung einer bakteriellen Hirnhautzentzündung (Meningokokken-Meningitis) gekommen sein soll.