Tiergarten

Bezirk baut Gedenkstein für ermordete Susanne Fontaine

Der Bezirk Mitte errichtet für Susanne Fontaine im Tiergarten einen Erinnerungsort – nach jahrelanger Forderung ihres Witwers.

Der aktuelle schlichte Hinweis auf die im September 2017 ermordete Susanne Fontaine wird immer wieder beschädigt oder wuchert zu.

Der aktuelle schlichte Hinweis auf die im September 2017 ermordete Susanne Fontaine wird immer wieder beschädigt oder wuchert zu.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Am Ort, wo Susanne Fontaines Leiche im September 2017 gefunden wurde, wachsen heute kleine Buchsbaum- und Heidekrautpflanzen. Eine Chrysantheme und ein Herbstgesteck stehen vor einem laminierten Papierschild, das auf den Mord aufmerksam macht. Doch die Stelle im Rücken des Bahnhofs Zoo droht im hohen Gras und dahinter wuchernden Büschen aus Brennnesseln und anderem Unkraut unterzugehen. Zwar kamen am Donnerstag Mitarbeiter des Grünflächenamts Mitte und schnitten das wilde Grün nach längerer Zeit wieder zurück. Wie ein Gedenkort sieht die Stelle, wo Fontaine nach der Ermordung durch den 18-Jährigen Ilyas A. gefunden wurde, trotzdem bis heute nicht aus.

Das soll sich ändern. Der Bezirk Mitte errichtet an der Stelle einen Gedenkplatz für Susanne Fontaine. „Mit dem Ehemann der Ermordeten wurde verabredet, dass ein Erinnerungszeichen am Ort ihres Todes gestaltet wird“, sagt Bezirksstadträtin Sabine Weißler (Grüne) der Berliner Morgenpost. Für die genaue Gestaltung hätten die Auszubildenden des Gartenbauamtes Ideen entwickelt.

Geeinigt habe man sich auf einen Stein, der Name, Geburts- und Sterbedaten Fontaines zeige. „Eine erweiterte Pflasterung des bestehenden Weges wird diesen Stein einfassen“, so Weißler. Zurzeit werde das Grün rundherum zurückgeschnitten und die Pflanzungen überarbeitet. „Der Ort wird angemessen zwischen privat und öffentlich gestaltet“, erklärt die Stadträtin. Sie hoffe, dass der Platz noch „vor Weihnachten“ fertig sein werde. Als Erinnerungsstein soll ein rund 30 mal 50 Zentimeter großer Findling dienen, sagt Witwer Klaus Rasch, darauf eine Gedenkplakette, die auf die Tat hinweist. Er sei „dankbar für jeden Fortschritt“. Der Witwer begrüßt den Beginn der Arbeiten sehr, auch wenn ihn das Tempo, mit dem der Bezirk die Gestaltung der Stätte plötzlich angeht, überrascht. „Die Behörden sind erst tätig geworden, nachdem ich zwei Jahre lang gebohrt habe“, erklärt er.

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Anfang des Jahres sei ihm der Erinnerungsort schließlich versprochen worden. Rasch habe zuvor jedoch prominente Fürsprecher gewinnen müssen. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Burkard Dregger, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, hätten sich dafür starkgemacht. Auch Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) habe das Projekt unterstützt. Da es zuletzt nichts Neues gab, überlegte er bereits, erneut beim Bezirk vorstellig zu werden.

Findling mit Plakette soll an gewaltsamen Tod erinnern

Den aktuellen Zustand des Ortes empfindet Rasch als unwürdig. „Das ist die Dreckkuhle der Nation.“ Der Platz werde vom Bezirk nicht regelmäßig sauber gehalten. Zudem gebe es immer wieder Vandalismus. Der Witwer muss deshalb ständig selbst alles in Ordnung bringen. Zuletzt habe er die Stelle am Sonntag zurechtgemacht, der Gedenkort war zuvor mal wieder verwüstet worden. „Das Schild wird ständig zertreten und entfernt“, klagt Rasch. Auch deshalb habe er sich für eine feste Erinnerungsstätte eingesetzt. Jeder Vorbeikommende solle wissen, was dort zwischen der Gaststätte Schleusenkrug und dem Bahnhof Zoo geschehen sei. „Mit diesem Gedenkort“, so Rasch, „soll auch eine Mahnung ausgesprochen werden, dass so etwas nie mehr passieren darf“.