Berliner Schloss

Neues Teehaus im Humboldt Forum

Ein Achteck, bestehend aus Cortenstahl, soll an die Berliner Gedächtniskirche erinnern.

Der Neubau im künftigen Museum für Asiatische Kunst. 

Der Neubau im künftigen Museum für Asiatische Kunst. 

Foto: Jörg Krauthöfer / Funke Foto Services / FUNKE Foto Serivces

Berlin. Noch ist das Teehaus im dritten Stock des Berliner Schlosses zum Teil verpackt, Handwerker wuseln um den Solitär, der sich zum Lustgarten hin öffnet. Die Form kann man schon erkennen. Es ist ein Achteck, bestehend aus Corten­stahl. Es soll an die Berliner Gedächtniskirche erinnern, erläutert Saki Nakano, die für das japanische Architekturbüro Jun Ura die Umsetzung in Berlin leitete.

Das Haus wurde in Japan provisorisch aufgebaut, zerlegt, verschifft und an Ort und Stelle wieder zusammengebaut. Hans Dieter Hegner, Bauvorstand der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, lobt die Zusammenarbeit mit japanischen Architekten, Künstlern und Handwerkern. Letztere mussten wegen des Berliner Fachkräftemangels aus Japan geholt werden. Dafür sei ein Paradestück für das Humboldt Forum entstanden, das ja für ein lebendiges Museum stehe, ein Objekt zum Miterleben.

Auch in Japan ist die Gedächtniskirche ein Symbol für den Krieg und dessen Überwindung, sagt Architektin Saki Nakano. Wie das Teehaus ein Ort der Unvollkommenheit und der Vollkommenheit sei – oder dem Weg dahin. Das Berliner Teehaus verknüpfe nun Berliner Geschichte mit japanischer Tradition. Neue Materialien wie der rostige Stahl treffen auf alte wie traditionellen japanischen Lack. Für strenge Traditionalisten könnte das in Japan ein Problem darstellen.

Seit 2005 wurden in Dahlem, im Museum für Asiatische Kunst, regelmäßig Teezeremonien abgehalten, die eigentlich „Teeweg“ heißen müssten. Ein Übersetzungsfehler, erklärt die Präsidentin und Teemeisterin des Berliner Chado Urasenke-Teeweg-Vereines, Nobuko Sōchō Sugai-Baumgarten. Sie hat an der Planung des neuen Teehauses mitgewirkt, die sich durch den Umzug des Museums ins Berliner Schloss ergeben hatte. Denn auch am neuen Standort will man wieder regelmäßig den Teeweg praktizieren.

Das Haus hat eine Bildnische für Malerei und Kalligrafie

Er sei eng mit Kunst verknüpft, ergänzt der Kurator für japanische Kunst, Alexander Hofmann. Das Teehaus hat neben seiner speziellen Architektur auch eine Bildnische für Malerei und Kalligrafie, Teepraktizierende seien immer auch Sammler. Neben Kunst sammeln sie praktische Gegenstände aus Keramik, Lack oder Metall, die sie für die Zubereitung brauchen. Alltagsgegenstände werden so in einen ästhetischen Kontext überführt.

Die gesamte Zeremonie ist ein Kunstwerk in zwei Akten, das vier Stunden dauert. Einblicke gibt Teemeisterin Sugai-Baumgarten, die über den Umweg der Kunst zum Tee gefunden hat. Im ersten Akt betrachten die Gäste das Bild in der Nische, das Hinweise auf den Gastgeber und seine Intention geben soll. Es wird Essen gereicht, und dann kommt der wichtigste Teil: Der wertvolle dicke Matcha-Tee wird in eine Schale gegossen, aus der alle trinken. Das erinnert etwas an das katholische Ritual der Kommunion, anschließend wird dünnerer Tee gereicht. Wichtig ist die Konzentration auf jede einzelne Handlung, die Verbindung zum Zen, denn schließlich seien es Zen-Priester gewesen, die den Tee aus China nach Japan importiert hatten. Ziel der Zusammenkunft sei es, besten Tee zu trinken und gemeinsam harmonische, glückliche Momente zu erleben.

Natürlich geht es auch um die Repräsentation der japanischen Kultur im Ausland, sagt der Kurator Alexander Hoffmann. Die Teekultur hängt eng mit der aristokratischen Empfangskultur und also auch der Diplomatie zusammen. Um den Teeweg auch im Museum erfahrbar zu machen, werden die Besucher über spezielle Wege geführt, die mit Kacheln aus Keramik gepflastert sind. Besucher nähern sich über die Rückseite. Der Blick in den Lustgarten steht für den Bezug zur Außenwelt, zur Natur. Denn auch der japanische Garten spielt für die Teekultur eine große Rolle.