Alexanderplatz

Darum wird der Fernsehturm mit einer Drohne abgeflogen

Eine Drohne hat den Fernsehturm vom Boden aus bis zu einer Höhe von 400 Metern gescannt. Das steckt hinter dem Projekt.

Vermessung des Fernsehturms mit Drohnenam 13. November 2019 in Berlin. Foto: Maurizio Gambarini/Funke Foto Services Drohnenpilot Hami Golbabaei

Vermessung des Fernsehturms mit Drohnenam 13. November 2019 in Berlin. Foto: Maurizio Gambarini/Funke Foto Services Drohnenpilot Hami Golbabaei

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Anfang Oktober wurde der 50. Geburtstag des Fernsehturms auf dem Alexanderplatz gefeiert. Am Mittwoch stand das höchste Bauwerk Deutschlands erneut im Mittelpunkt. Eine Drohne hat den kompletten Turm vom Boden aus bis zu einer Höhe von 400 Metern gescannt. Im Auftrag der Deutsche Funkturm GmbH (DFMG) wurde der Fernsehturm über mehrere Stunden abgeflogen, um Daten für ein detailliertes 3D-Modell zu sammeln.

Pilotprojekt für mehr als 30.000 Funkstandorte in Deutschland

„Die heutigen Drohnenflüge ermöglichen uns eine zentimetergenaue Bestandsaufnahme des Fernsehturms“, sagt Benedikt Albers, Sprecher DFMG. „Mit den Daten und den Fotos wird ein 3D-Modell erstellt, das es uns ermöglicht, unsere Dienste sinnvoll zu erweitern.“

Deutsche Funkturm bietet am Fernsehturm Netz- und Funkanbietern Platz für ihre Antennen an. Neben Radio- und Fernsehstationen haben auch verschiedene Behörden ihre Antennen in luftiger Höhe für ihre Netzabdeckung montiert. Darunter auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Etwa 200 Antennen verrichten nach Angaben Albers am Fernsehturm ihre Dienste.

„Anhand eines 3D-Modells müssen für eine mögliche Neumontage von Antennen nicht immer Höhenkletterer den Platz neu vermessen, da die Antennen in einer sehr genauen Ausrichtung angebracht werden müssen.“ Das werde in Zukunft auch für das neue 5G-Netz der Fall sein.

Zudem würden die neuen Antennen dank moderner Technik immer kleiner und leistungsfähiger. Wo früher eine angebracht war, können jetzt drei moderne Geräte untergebracht werden. Für exakte Planungen dient dann in Zukunft das 3D-Modell.

Die Flüge am Mittwoch haben auch Testcharakter. „Das ist ein Pilotprojekt, in dem die DFMG prüfen will, ob die Inspektion der mehr als 30.000 Funkstandorte in Deutschland künftig auch per Drohne möglich ist“, sagt Albers. Der Fernmeldeturm auf dem Schäferberg in Wannsee wird nach Angaben der DFMG auch per Drohne fotografiert. Wann genau das sein wird, ist aber noch völlig unklar.

Kamera macht mehr als 1000 Fotos vom Fernsehturm

Nur ein leises Surren kündigt die Ankunft der Drohne in Bodennähe an. Testpilot Hami Golbabaei bringt das Fluggerät butterweich zurück zum Boden. Der Pilot vom Drohnenhersteller Yuneec und ein Kollege fliegen die Drohne bis zu 410 Meter hoch in den grauen Herbsthimmel. Per Fernsteuerung und mit Hilfe eines GPS-Signals wird das Gerät nach oben und unten geflogen. Immer in einem Abstand von 50 Metern vom Fernsehturm entfernt.

„Wir fliegen in einer Bahn nach oben, fliegen einen 15 Grad-Winkel nach rechts und fliegen in der nächsten Bahn nach unten“, erklärt Golbabaei. „Unten fliegen wir wieder 15 Grad nach rechts und fliegen wieder nach oben.“ Insgesamt wird der Turm in 24 Bahnen abgeflogen.

„Dabei wird ungefähr alle drei Sekunden ein Foto gemacht, also etwa 40 bis 50 Bilder pro Bahn“, sagt der Pilot. So würden etwa 1000 bis 1200 Fotos entstehen. „Immer wenn wir losfliegen und dann wieder in die Nähe des Bodens kommen, werden Vogelschwärme aufgescheucht“, sagt Golbabaei. „Da muss ich aufpassen. Und in 400 Metern Höhe ist der Wind viel stärker.“ Eine App zeigt dem Testpiloten Windstärke sechs in 400 Metern Höhe an.

Ein Akku hält etwa 28 Minuten, aus Sicherheitsgründen werden die Akkus an diesem Mittwoch nach immer zwei Bahnen, also etwa alle drei Minuten ausgetauscht.

50 Seiten Genehmigungen für den Drohnenflug

Bevor die Drohne an diesem Ort aufsteigen konnte, waren nach Angaben von Jan-Eric Putze, Geschäftsführer der Droniq GmbH, etwa 50 Seiten Papier notwendig, die den Behörden vorlegt werden mussten, um eine Genehmigung zu bekommen.

Droniq ist eine Tochterfirma der Deutschen Flugsicherung und der Deutschen Telekom, hat für die Flüge über dem Alexanderplatz eine Risikobewertung erstellt und alle notwendigen Genehmigungen eingeholt. „Wir arbeiten an einem Verkehrsmanagement für Drohnen, dem UAS Traffic Management System (UTM), das diese sicher in den Luftraum integrieren will“, sagt Putze. „Drohnen werden mit einem LTE-Modul mit integrierter SIM-Karte ausgestattet und können so über das Mobilfunknetz geortet werden.“ Zudem bietet das UTM einen automatisierten Genehmigungsworkflow für Aufstiegsgenehmigungen.

Landesluftfahrtbehörden könnten so digital Anträge von Drohnensteuern bearbeiten und freigeben. „Wir bieten eine zeitgemäße, schnelle und digitale Lösung für die Genehmigung von Drohnenflügen und wollen dies zusammen mit den zuständigen Stellen umsetzen“, sagt Putze.