Tödlicher Unfall

Krampf verursachte tödlichen Unfall des Porsche SUVs

Vier Menschen kamen in Berlin ums Leben, nun steht die Ursache der fatalen Fahrt fest. Der Fahrer hatte einen Krampf im Bein.

In den Trümmern steht am 6. September der zerstörte SUV.

In den Trümmern steht am 6. September der zerstörte SUV.

Foto: Paul Zinken

Mehrere Wochen nach dem tödlichen Unfall an der Invalidenstraße in Mitte hat sich der Verdacht, der Fahrer habe einen epileptischen Anfall erlitten, bestätigt. Am Mittwoch teilte die Staatsanwaltschaft mit: „Die durchgehende Beschleunigung des Wagens auf 104 Stundenkilometern soll auf einen Krampfanfall zurückzuführen sein. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Beschuldigte Medikamente regelmäßig einnahm.“ Wegen des epileptischen Anfalls erlitt der 42-jährige Fahrer einen Krampf im Bein, weshalb er das Gaspedal durchdrückte.

Der Mann war am 6. September mit seinem Porsche Macan auf der Invalidenstraße auf der Linksabbiegerspur am stehenden Verkehr vorbeigerast. Der SUV prallte gegen einen Ampelmast, durchbrach mehrere Poller und raste an der Ecke Ackerstraße in eine Menschengruppe. Dabei kamen vier Menschen ums Leben, unter ihnen ein Kleinkind. Mit den neuen Erkenntnissen sind die Ermittlungen aber noch nicht abgeschlossen. Die Ermittler müssen nun der Frage nachgehen, ob der 42-jährige Fahrer M. überhaupt hätte Auto fahren dürfen. „Ermittelt werden muss, ob der Fahrer den Krampfanfall aufgrund einer Erkrankung hätte vorhersehen können“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Damit verbunden sei dann die Frage, ob man dem Unfallfahrer fahrlässige Tötung zum Vorwurf machen könne.

Erkrankung des Fahrers lange Zeit ein Rätsel

Bereits kurz nach dem Unfall sagte die 67-jährige Mutter des Mannes, die als Beifahrerin im Wagen saß, ihr Sohn hätte einen epileptischen Anfall erlitten. Sie gab gegenüber den Ermittlern an, ihr Sohn habe regelmäßig und auch unmittelbar vor dem Unfall seine Medikamente genommen. Die Ermittler wollten herausfinden, ob es bei dem Fahrer tatsächlich eine Vorerkrankung gibt. Bereits kurz nach der Fahrt war bekannt geworden, dass der 42-jährige Fahrer an Epilepsie leiden soll. Allerdings unterliegt die Patientenakte des Fahrers einem Beschlagnahmeverbot. Das heißt: Entbindet der Fahrer seinen Arzt nicht von der Schweigepflicht, kommen die Ermittler nicht an die Akte heran.

Mit einer Hausdurchsuchung am 13. September spielten die Ermittler „über Bande“ und hofften, so Beweise sicherstellen zu können. Leidet der Fahrer tatsächlich an Epilepsie, würde es in seinem Haus Medikamente, Rezepte oder entsprechende Aufzeichnungen geben. Die Staatsanwaltschaft ließ am 13. September die Wohnung des Unfallfahrers in Mitte durchsuchen. Es seien Beweismittel gesichert worden, die nun ausgewertet werden. Um was für Beweismittel es sich handelt, wollte die Staatsanwaltschaft mit Verweis auf das laufende Verfahren kurz nach der Hausdurchsuchung nicht sagen.

Weiterer Unfall auf der Invalidenstraße

Lange Zeit war auch die Frage offen, ob ein technischer Defekt an dem Porsche Macan vorliegt. „Es gibt bislang keine Hinweise auf einen technischen Defekt“, hieß es vor Wochen bei der Staatsanwaltschaft. Experten des Automobilkonzerns Porsche unterstützten die Berliner Ermittler bei den Untersuchungen zu dem schweren SUV-Unfall an der Invalidenstraße. Am Mittwoch sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft, dass es nach dem derzeitigen Erkenntnisstand keinen technischen Defekt an dem Fahrzeug gab.

Am späten Dienstagabend ereignete sich erneut an der Invalidenstraße ein schwerer Verkehrsunfall. Bei dem Versuch, einem E-Mopedfahrer auszuweichen prallte ein E-Auto gegen einen Ampelmast und überschlug sich. Nach ersten Ermittlungen fädelte sich der Mopedfahrer gegen 22 Uhr in den fließenden Verkehr auf der Invalidenstraße ein. Die 27 Jahre alte Fahrerin eines Renaults eines Car-Sharing-Unternehmens fuhr auf der Invalidenstraße in Richtung Hauptbahnhof. Sie musste dem Mopedfahrer ausweichen und verlor dabei die Kontrolle über ihren Wagen.

Auf Höhe der Einmündung Hessische Straße stieß sie auf einer Mittelinsel gegen einen Ampelmast. Dabei kippte der Pkw auf die rechte Fahrzeugseite und blieb im Gleisbett liegen. Die Renault-Fahrerin, der Mopedfahrer und seine Sozia kamen mit Verletzungen in ein Krankenhaus. Wegen der Rettungsarbeiten und der Unfallaufnahme blieb die Invalidenstraße zwischen Hessische Straße und Chausseestraße für etwa eine Stunde gesperrt.

Diskussion um PS-starke SUV in der Stadt

Der tödliche Unfall an der Invalidenstraße Anfang September hatte für eine breite Diskussion gesorgt. Während es schwere Kritik an den PS-starken SUV gab, sagte der Berliner Senat schnelle Verbesserungen der Verkehrssituation rund um die Unfallstelle zu. So bald wie möglich solle in dem Abschnitt der Invalidenstraße Tempo 30 eingeführt werden. Außerdem werde es einen sogenannten geschützten Fahrradweg auf beiden Straßenseiten geben, teilte die Senatsverkehrsverwaltung mit. Die Maßnahmen könnten noch bis Ende des Jahres umgesetzt werden. Weitere Verbesserungen seien geplant. Die Änderungen sind das Ergebnis eines Treffens des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD), der Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) und des Bezirksbürgermeisters von Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), mit dem Initiator der Internet-Petition. Der Aufruf „Sichere Wege für Schul- und Kita-Kinder auf der Invalidenstraße“ wurde inzwischen von fast 12.000 Menschen unterzeichnet.