Historisches Kaufhaus

Kaufhaus Jandorf wird für BMW und Daimler zum Hauptquartier

Nach langem Leerstand arbeitet in dem Gebäude in Mitte jetzt eine Tochter der Autobauer an Anwendungen für die Mobilität von morgen.

Der jüdische Warenhauspionier Adolf Jandorf eröffnete das Kaufhaus im Jahr 1904. Die Gegend entwickelte sich zum „Kudamm des Nordens“.

Der jüdische Warenhauspionier Adolf Jandorf eröffnete das Kaufhaus im Jahr 1904. Die Gegend entwickelte sich zum „Kudamm des Nordens“.

Foto: Sergej Glanze

Berlin. Spanholzplatten vor den Fenstern, Baugerüste und Container: Jahrelang prägten Baustellen den Blick auf das Kaufhaus Jandorf an der Kreuzung Brunnen-, Ecke Veteranenstraße in Mitte. Diese Zeiten sind passé. Seit Kurzem tummeln sich in dem historischen Bau wieder Hunderte, vor allem junge Menschen. Sie arbeiten hier für die Mobilitätsangebote von Daimler und BMW. Und auch das bekannte Gebäude selbst erstrahlt endlich in neuem Glanz.

Plötzlich kommt wieder Leben in die historischen Kaufhausräume. Davon war bei dem prägnanten Bau in der Mitte Berlins lange fast nichts zu sehen. Rundherum entstand seit der Wende Berlins neues, pulsierendes Herz. Nur das Kaufhaus Jandorf schien von all dem seltsam ausgenommen. Fast wie im Dornröschenschlaf dämmerte es vor sich hin. Ein dauernder Wechsel aus Zwischennutzung und Leerstand.

Umbau seit Februar 2018 – Großraumbüros auf fünf Etagen

Damit ist es nun vorbei. Seit Februar 2018 ist das Haus an die Immobilientochter des Autobauers Daimler vermietet. Seitdem haben Planungsbüros, Architekten und Designer aus dem historischen Kaufhaus auf fünf Etagen ein modernes Großraumbüro geschaffen. Platz finden hier die Zentrale der unter der Dachmarke Your Now gesammelten Mobilitätsdienste von Daimler und BMW: Share Now, Free Now, Reach Now, Park Now und Charge Now. Wo einst Waren aller Art angeboten wurden, entwickeln Programmierer heute digitale Anwendungen für die Mobilität von morgen im Auftrag der beiden großen Autobauer.

Eine herausragende Rolle spielte das Kaufhaus Jandorf auch früher. Der jüdische Warenhauspionier Adolf Jandorf eröffnete das Kaufhaus 1904. Die Gegend entwickelte sich zum „Kudamm des Nordens“. In den 20er-Jahren verkaufte Jandorf das Haus in Mitte an den Warenhauskonzern Hermann Tietz, später bekannt unter dem Namen Hertie. Den Krieg überstand der Bau ohne größere Schäden. In der neugegründeten DDR zog dann das Institut für Bekleidungskultur in die Räume, ehe es zum Haus der Mode wurde.

Hotelier plante Konferenzzentrum und Ballsaal

Nach dem Fall der Mauer kaufte der Frankfurter Hotelier Jacob Schultz das Gebäude von der Treuhand. Beim einstigen Warenhaus ließ er die Fassade und das Dach sanieren. Schultz hatte große Pläne: Er träumte von einer „atemberaubenden Wiedergeburt“ des bekannten Baus. In einem Kongress- und Ballsaal sollten „glanzvolle Events“ stattfinden, wie es Schultz’ Unternehmen einst auf seiner Internetseite präsentierte. Hinzu sollten ein Konferenzzentrum, ein Bistro sowie Großraum- und Einzelbüros kommen. Daraus wurde nichts.

Nachdem 1998 die Hypo-Service-Bank auszog stand das Haus leer. Bis zuletzt folgten nur noch temporäre Nutzungen. Mal fanden Ausstellungen statt, mal diente der Bau als Eventlocation für die Fashion Week oder für das begehbare Wahlprogramm der CDU während des Bundestagswahlkampf 2017. Bald darauf begannen die bis zuletzt andauernden Sanierungsarbeiten an dem Haus mit der langen Tradition.

„Berlin super Standort für Mobilitätsthemen“

Die reiche Geschichte des Baus merkt man noch heute: Zwischen den modernen Schreibtischen stehen historische Säulen mit Stuck aus der Gründerzeit. Durch das Treppenhaus läuft immer noch das schnörkellose Messinggeländer der späten Zwanzigerjahre, dahinter Holzverkleidungen und Lampen aus den Fünfzigern. „Es ist ein Denkmal, innen wie außen“, sagt Peter Kerscher. Der Planungsleiter hat den aufwendigen Umbau koordiniert. Nicht trivial sei das gewesen. „Das ist ein Kaufhaus und kein Büro.“ Viele Bestandteile mussten zudem restauriert oder nachgebaut werden.

Eine komplizierte Angelegenheit. Auch deshalb hätten frühere Interessenten wie Apple oder Amazon letztlich die Finger von dem Bau gelassen. Der Austausch mit den Denkmalbehörden sei jedoch äußerst unkompliziert abgelaufen, betont Kerscher. Zwischen den alten Bauelementen finden sich nun moderne Konferenzräume und Telefonboxen.

Bei den neuen Mietern ist man froh über Gebäude und Standort. „Daimler hat sich schon sehr früh für das Gebäude interessiert“, sagt Christian Müller, Sprecher von Share Now. Für ihre aus Stuttgart und München hierhergezogenen Unternehmen sei Berlin „ein super Standort für Mobilitätsthemen“. Eine Start-up-Stadt mit entsprechend vielen Fachkräften, so Müller. Rund 700 von ihnen werden bald in dem ehemaligen Kaufhaus arbeiten. Die ersten von ihnen hätten ihr Büro im Juni bezogen. Bis Anfang 2020 sollen alle aus den anderen Standorten folgen.