Kriminalität

Reform bei der Polizei: Berlin bekommt eine Super-Direktion

Es ist eine der größten Reformen in der Geschichte. Die Behörde will ihr Augenmerk stärker auf die Brennpunkte in Berlin richten.

Die Beamten aus der Wache am Alexanderplatz sollen bald zur neuen Super-Direktion gehören.

Die Beamten aus der Wache am Alexanderplatz sollen bald zur neuen Super-Direktion gehören.

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin. Eine der größten Reformen in der Geschichte der Berliner Polizei beginnt in Gesundbrunnen. Das erfuhr die Berliner Morgenpost aus Sicherheitskreisen. Am Montag gab es ein Treffen bei Polizeipräsidentin Barbara Slowik, bei dem Einzelheiten besprochen wurden. In den kommenden Monaten soll die Berliner Polizei neu aufgestellt und umstrukturiert werden.

Demnach beginnt die Strukturreform am 1. November auf dem Abschnitt 36 an der Pankstraße, die von der Direktion 3 herausgelöst wird und in die Direktion 1 (Reinickendorf und Pankow) wechselt. Danach folgen der Abschnitt 35 (Oudenarder Straße), der ab November auch in die Direktion 1 wechselt, und der Abschnitt 56 (Zwickauer Damm), der von der Direktion 5 (Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln) in die Direktion 4 (Tempelhof-Schöneberg und Steglitz-Zehlendorf), geschoben wird. Später sollen sukzessive weitere Abschnitte folgen.

Reform der Berliner Polizei: Berliner bekommen praktische Auswirkungen später zu spüren

Für die Bürger vor Ort ändert sich erst einmal wenig. Nur die Schilder werden ausgetauscht. Praktische Auswirkungen werden die Berliner erst später zu spüren bekommen. Denn vor allem die Direktion 3 wird bei der Strukturreform zerlegt. Die Direktion 5 (Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln) wird zur neuen Super-Direktion. Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) hätte mit der Zerschlagung der für Mitte zuständigen Direktion 3 damit zukünftig drei Ansprechpartner bei der Polizei.

Mit der Strukturreform und der neuen Super-Direktion will die Behörde ihr Augenmerk auf die Brennpunkte Berlins richten – also zum Beispiel das Kottbusser Tor, die Warschauer Brücke, den Hermannplatz, die Hermannstraße und den Alexanderplatz. Die derzeit bekannten Orte mit einer Häufung von Verbrechen liegen damit in der östlichen Innenstadt, in Kreuzberg, Friedrichshain und Neukölln.

Innenstadt-Direktion erhält eigene Einsatztruppe

Die neue Innenstadt-Direktion erhält eine eigene Einsatztruppe als Brennpunkt- und Präsenzstreife. Bisher wurden bei Großeinsätzen immer wieder andere Hundertschaften eingesetzt. Erfahrene Kripo-Beamte befürchten aber, dass bei dem Fokus auf die großen Phänomene die kleinere Alltagskriminalität vernachlässigt wird.

In der Polizeiführung versucht man, diese Befürchtung zu zerstreuen. Mit der Reorganisation wolle man Deutschlands größte Polizei effektiver aufstellen, heißt es. Kritik kommt hingegen von der Gewerkschaft der Polizei (GdP). „Wir verstehen den Ansatz, die Direktion 3 sukzessive zu verkleinern, um die Reorganisation zur Landespolizeidirektion zu ermöglichen. Aber niemand sollte vergessen, dass hinter dieser Zerfledderei einer Direktion Menschen stehen“, sagte GdP-Chef Norbert Cioma der Berliner Morgenpost.

Gewerkschaft kritisiert monatelange Unklarheit

Die Rahmenbedingungen für die Polizisten seien nicht mal im Ansatz abgesteckt, kritisiert die GdP. Es werde monatelang Unklarheiten auf den Abschnitten, in den Kripodienststellen und im Stabsbereich geben, was sowohl negative Auswirkungen auf den täglichen Dienst als auch die Identifikation mit der Polizei Berlin haben werde, ist sich der GdP-Landeschef sicher.