Drei-Religionen-Haus

House of One: Baukosten steigen um rund vier Millionen Euro

Unter dem Dach der interreligiösen Begegnungsstätte soll es künftig eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee geben.

Rabbiner Andreas Nachama feiert gemeinsam mit Pfarrer Gregor Hohberg und Imam Kadir Sanci (v.l.n.r.) den Abschluss der Gründungsarbeiten am House of One in Mitte.

Rabbiner Andreas Nachama feiert gemeinsam mit Pfarrer Gregor Hohberg und Imam Kadir Sanci (v.l.n.r.) den Abschluss der Gründungsarbeiten am House of One in Mitte.

Foto: Reto Klar / FUNKE FotoServices

Für das geplante Drei-Religionen-Haus „House of One“ ist in Mitte am Montag der Abschluss der Gründungsarbeiten für das Fundament gefeiert worden – zehn Jahre, nachdem das Projekt von der evangelischen Kirchengemeinde beschlossen wurde.

Unter dem Dach der interreligiösen Begegnungsstätte soll es künftig eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee geben. Getragen wird das Projekt von der gleichnamigen Stiftung, die neben christlichen auch jüdische und muslimische Unterstützer hat.

Ein Bet- und Lehrhaus in Berlin solle das House of One werden, sagte Rabbiner Andreas Nachama, gleichzeitig Vorsitzender des Stiftungsrats im House of One, am Montag. „Von drei Weltreligionen, mit drei Weltreligionen und für drei Weltreligionen.“ Gemeinsam mit seinen Glaubenskollegen, Pfarrer Gregor Hohberg und Imam Kadir Sanci, eröffnete Nachama die Feierlichkeiten mit einem Gebet.

Kosten von 43,5 Million Euro auf 47,2 Million Euro gestiegen

Während im Hintergrund der Sound der Stadt dröhnte – Baulärm, Martinshorn, Autoverkehr –, verwies Pfarrer Hohberg auf den außergewöhnlichen Ort, an dem das House of One erbaut wird. Auf dem Gelände der zur DDR-Zeit abgerissenen Petrikirche in Mitte entsteht nun für rund 47,2 Millionen Euro ein gemeinsames religiöses Gebäude für Christen, Juden und Muslime sowie einem Raum der Begegnung.

Zuletzt wurden die Baukosten noch auf rund 43,5 Million Euro beziffert. Die bisher benannten Kosten stammten aber aus dem Jahr 2014 und erfolgten ohne Berücksichtigung der Baukostensteigerung, teilte die Stiftung des House of One nun mit. Das Projekt wird vom Bundesinnenministerium, vom Berliner Senat und durch Spenden gefördert.

Bislang sind nach Angaben der House-of-One-Stiftung knapp 30 Millionen Euro an Spenden und Zuwendungen eingegangen, davon sechs Millionen Euro von Privatspendern. Jeweils weitere zehn Millionen Euro haben der Bund und das Land Berlin bereitgestellt.

House of One soll Ort des Friedens sein

Die drei Geistlichen der beteiligten Gemeinden betonten, dass das Haus ein Ort des Friedens sein solle – und dass dies in der heutigen Zeit nötiger denn je sei. Imam Sanci erklärte, dass schon viel erreicht sei, wenn nur ein Mensch vor gewaltverherrlichenden, radikalen Theorien gerettet werden könnte, indem er das House of One besuche. „Aber wir wollen mehr retten als nur einen Menschen“, so Sanci weiter. „Berlin soll Friedenshauptstadt der Welt werden.“

An dem Festakt am Montag nahmen zudem Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), die Staatssekretärin im Bundesinnenministerium, Anne Katrin Bohle und der Berliner Kulturstaatssekretär Gerry Woop (Linke) teil. Zusammen mit Architekt Wilfried Kuehn und den drei Geistlichen gaben sie den Startschuss zum Einpflocken des letzten der insgesamt 71 Gründungspfähle, auf denen das Gebäude künftig stehen wird. Die Grundsteinlegung ist für den 14. April 2020 geplant. Für die Errichtung des Drei-Religionen-Hauses werden ab Grundsteinlegung eine Bauzeit von mindestens drei Jahren veranschlagt.

Müller sprach bei dem Festakt von einem wichtigen Pflock, der für den interreligiösen Dialog und das gute Zusammenleben in der Stadt eingeschlagen werde. Gleichzeitig mahnte der Regierende Bürgermeister an, dass man weiterhin offen aufeinander zugehen müsse.

Nur so könnten Berliner gemeinsam friedlich zusammenleben, „in einer Partnerschaft“, so Müller. „Das erleben wir hier im House of One“. Das drei-Religionen-Haus solle ein gemeinsamer Begegnungsort werden, wo jeder auch seinen eigenen Raum habe. „Im Herzen der Stadt, an einem der Gründungorte, bauen wir das Haus – nicht versteckt am Stadtrand. Es ist der richtige Ort in Berlin“, so Müller weiter.

Archäologie im Erdgeschoss des neuen Hauses

Das House of One wird aus drei Etagen bestehen. Herzstück sind die drei Sakralräume – Kirche, Moschee und Synagoge – im ersten Stockwerk. Im Untergeschoss werden die wiederentdeckten Fundamente der Petrikirche freigelegt und zu besichtigen sein. Ganz oben auf dem House of One befindet sich eine Stadtloggia, von der aus man einen weiten Blick über die Hauptstadt haben wird. Jeder der drei Sakralräume wird 1300 Kubikmeter groß sein und Platz für rund 100 Menschen bieten. Die Räume sollen so gestaltet werden, dass sie auch von konservativen Gläubigen genutzt werden können. So wird es etwa in Synagoge und Moschee durch eine zweite Ebene die Möglichkeit geben, dass Frauen und Männer getrennt Gottesdienst feiern.

Zuletzt musste das interreligiöse Dialogprojekt einen Rückschlag hinnehmen: Die Unternehmerin Catherine von Fürstenberg-Dussmann zog sich als Botschafterin und Spenderin zurück. Die Vorsitzende des Verwaltungsrates der Dussmann-Gruppe, zu der das Kulturkaufhaus Dussmann an der Friedrichstraße gehört, kritisierte den muslimischen Projektpartner „Forum für interkulturellen Dialog“. Er wird der umstrittenen Gülen-Bewegung zugerechnet.